Alles neu in Heessen - aber nicht alles besser

Scheitern mit Ansage: Schutz für Radfahrer klappt hier nicht

Heiße Schwenks, plötzliches Ende, überfahrene Linien und gefährliche Einengung zwischen Parkplätzen und Straße: Die neuen Radwege am Hämmschen sind nach Angaben von Experten und Anwohnern unsinning bis gefährlich.
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Heiße Schwenks, plötzliches Ende, überfahrene Linien und gefährliche Einengung zwischen Parkplätzen und Straße: Die neuen Radwege am Hämmschen sind nach Angaben von Experten und Anwohnern unsinning bis gefährlich.

Natürlich mussten die Kanäle erneuert werden bei der Sanierung der Straße „Am Hämmschen“ – aber es ging auch darum, die Sicherheit der Radfahrer zu erhöhen. Nachfrage bei Klaus-Peter Kappelt, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) in Hamm: Hat‘s geklappt? Die Antwort: „Wenn man sich das hier länger anschaut, kann man sehen, dass es ein Fiasko ist.“

Heessen – Das konnte man auch bei einem kurzen Besuch erkennen – aber nicht immer ist die Kamera schussbereit. Als sich ein Lkw und ein Pkw auf dem Hämmschen begegnen, fahren beide über den Fahrradschutzstreifen. Was wäre passiert, wenn jetzt ein Radfahrer einen Streifen genutzt hätte?

Bei einer Bürgerversammlung zur Hämmschen-Sanierung hatte eine städtische Mitarbeiterin erläutert, die Einrichtung von Fahrradschutzstreifen in beide Richtungen und die durch den steten Seitenwechsel der Parkbuchten hervorgerufene Schlangenlinienführung des Verkehrs erhöhten die Sicherheit der Radfahrer. Der Schutzstreifen dürfe von Autos genutzt werden, wenn kein Radfahrer ihn benutze. Ansonsten bremsten Schutzstreifen und Schlangenlinien den Verkehr.

Autofahrern nutzen Radstreifen

„Das ist die Theorie, die Praxis sieht anders aus“, sagt Radverkehrsexperte Kappelt, „eher werden die Autofahrer dazu verleitet noch schnell Gas zu geben, um am Radfahrer vorbei zu kommen.“ In diesem Moment begegnen sich Pkw und Lkw, beide nutzen den Radfahrerschutzstreifen. „Sehen Sie“, sagt Kappelt, „und schon macht es klack!“ Die Fahrbahn für Autos sei zu schmal, deswegen habe man wohl den Mittelstreifen weggelassen.

Immer wieder kommt es vor, dass Pkw und Lkw den Schutzstreifen für Radfahrer mit nutzen.

Für die versetzten Parkbuchten, die nur mit Farbe, aber nicht baulich markiert sind, und die Schlangenlinie verursachen, hat Kappelt nur Spott übrig. „Überall hat der fließende Verkehr Vorrang“, sagt er, „nur nicht in Hamm – hier hat der ruhende Verkehr Vorrang, und das zu Lasten der Radfahrer.“ Er nennt den Versuch der Temporeduzierung halbherzig und stellt fest: Die Breite der gesamten Fahrbahn und die fehlende baulich-optische Verengung verleiteten eher zum Treten des Gaspedals als zum Treten der Bremse.

Schutzstreifen ohne Schutz

Besonders misslungen findet der ADFC-Vorsitzende die Gestaltung der Bushaltestelle „Ökozentrum“. Hier endet der Schutzstreifen vor der Haltestelle und beginnt dahinter wieder. „Wenn hier ein Bus steht, wird der Radfahrer gezwungen, sich in den Verkehrsraum einzufädeln und muss aus dem geschützten Raum raus“, analysiert Kappelt.

Die Anwohner sahen es kommen. Bei einer Bürgerversammlung zur Umgestaltung des Hämmschen hatten einige von ihnen genau so argumentiert: Die Temporeduzierung werde nicht funktionieren, die Schutzstreifen wären nicht wirklich welche. Anwohner Detlef Romberg war damals bei der Bürgerversammlung – er sagt: „Es ist unverständlich, dass man das so gemacht hat.“ Vorher sei es besser gewesen.

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