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Negativbeispiel Münsterstraße: Für Radler gibt‘s in Hamm noch viel zu tun

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Von: Boris Baur

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Der Weg durch die Unterführung an der Münsterstraße in Richtung Stadt ist für Fußgänger und Radfahrer sehr schmal.
Der Weg durch die Unterführung an der Münsterstraße in Richtung Stadt ist für Fußgänger und Radfahrer sehr schmal. © Boris Baur

Fahrradfreundlich möchte die Stadt Hamm sein und ist es an vielerorts auch. Anders sieht es an Hauptverkehrstraßen aus: Das zeigt eine kommentierende Tour entlang der Münsterstraße.

Hamm-Norden/Heessen – Fahrradfreundliche Stadt hat sich Hamm auf die Fahnen geschrieben, und in der Tat gibt es überall schöne – in Heessen sogar sehr viele schöne – Radwege, die zu Ausflügen einladen oder die Menschen täglich sicher und auf teilweise idyllischen Strecken von A nach B bringen. Es gibt allerdings auch genau das Gegenteil, wie eine kleine, kommentierende Tour entlang der Münsterstraße zeigt.

Denn besonders auf den Hauptverkehrswegen im Stadtbezirk wird es an einigen Stellen durchaus heikel. Der Zustand des Fahrbelags, die Beschilderung oder schlichtweg die Nähe zum Kfz-Verkehr sorgen auf dem Sattel für Unbehagen. Die Heessener und Dolberger Straße, Mansfelder Straße/Vogelsang, Amtsstraße, Teile der Vogelstraße oder der Frielicker Weg wären hier ebenfalls zu nennen, denn es sind alles Strecken, die viele Menschen täglich nutzen, wenn sie zur Arbeit, zur Schule, zur Ausübung ihres Hobbys oder in die Innenstadt wollen. Auf der Münsterstraße zeigt sich jedoch ein ganzes Potpourri der Probleme, denen Radler begegnen können.

Die Stadt weiß um die Problematik, hat eine Verbesserung der Radwege hinsichtlich Sicherheit und Aufenthaltsqualität unter anderem in den Rahmenplan aufgenommen. Doch es gibt viel zu tun.

Station 1: ein verwirrendes Schild

Die Tour entlang der Münsterstraße beginnt im Norden an der Kreuzung am Seniorenzentrum St. Josef (und führt bis zur Adenauerallee und wieder zurück). Auf der Mansfelder Straße verwirrt den Radfahrer, der die Münsterstraße überqueren will, um auf die richtige Seite zu gelangen, ein Hinweisschild und leitet ihn sogar zu verkehrswidrigem Verhalten an. Der Radfahrer soll erst an der Ampel die Mansfelder Straße im Fußgängerbereich nach links passieren, um dann von dort über die Münsterstraße zu gelangen.

Damit begibt er sich vorübergehend auf die falsche Straßenseite, obwohl er stattdessen einfach die vor ihm liegende Fußgängerampel am Seniorenzentrum nutzen könnte, um auf direktem Weg über die Münsterstraße zu kommen. So wie auf dem Hinweisschild eingezeichnet, darf er zudem gar nicht fahren. Er würde sich mit dem Fahrrad auf einem reinen Gehweg befinden.

Verwirrendes Schild: Um von der Mansfelder die Münsterstraße zu überqueren, wird ein komplizierter, verkehrswidriger Weg vorgeschlagen.
Verwirrendes Schild: Um von der Mansfelder die Münsterstraße zu überqueren, wird ein komplizierter, verkehrswidriger Weg vorgeschlagen. © Boris Baur

Station 2: Trickreicher Kreisverkehr

Der Weg führt nun südlich fahrradfreundlich und bergab zu den beiden Kreisverkehren. Besonders der erste ist etwas tricky. Bis zur Mittelinsel hat der Radfahrer nämlich vor dem abbiegenden Verkehr Vorfahrt, danach jedoch die auf der Straße Am Schacht III fahrenden Autos. Die müssen zwar aufgrund des Vorfahrt-achten-Schildes die Fahrzeuge im Kreisel vorlassen, nicht jedoch den an der Insel querenden Verkehr. Zum Glück wissen das die meisten nicht und halten rücksichtsvoll an. Im Falle eines Zusammenstoßes könnte es jedoch eine Teilschuld für Radler oder Fußgänger geben. Die Lösung wäre zum Beispiel ein Zebrastreifen, der Eindeutigkeit schafft.

Oder man geht die Sache ganzheitlich an und passt die beiden nur 400 Meter auseinanderliegenden Kreisverkehre aneinander an. Der Kreisel Münsterstraße, Sachsenring, Warendorfer Straße wäre dabei ein gutes Vorbild, sind die Markierungen doch deutlich sichtbar und fahrradfreundlich.

Gut sichtbar: Der Fahrradstreifen am südlicheren Kreisverkehr sorgt für klare Verhältnisse.
Gut sichtbar: Der Fahrradstreifen am südlicheren Kreisverkehr sorgt für klare Verhältnisse. © Boris Baur

Station 3: ein langer Flickenteppich

Bis jetzt ist man übrigens auf einem tollen, ebenen Weg gefahren. Das ändert sich hinter dem zweiten Kreisel bis hin zum Großen Sandweg. Auf dem kommenden Kilometer herrscht ein regelrechter Flickenteppich. An die 90 Mal wechselt der Belag, kleine, am Lenker ruckelnde Huckel an vielen Übergängen inklusive. Auch der Untergrund selbst ist manchmal holprig. Auf der anderen Straßenseite ist der Zustand ähnlich, wenn auch nicht ganz so schlimm und auf kürzerer Strecke. Mit Neid blickt der Radfahrer auf die Fahrbahn, die gut in Schuss ist, weil sie immer mal wieder saniert wurde. Die wirklich kniffligen Stellen kommen aber noch.

Station 4: eine heikle Unterführung

Am Großen Sandweg ist die Benutzungspflicht des Radweges aufgehoben, das Schild von einst ist weg. Allzu viele Radfahrer werden hier aber angesichts des Verkehrs wohl kaum auf die Straße ausweichen. Sollten sie auch nicht: Denn vor der Eisenbahnunterführung müssten sie wieder auf den Bürgersteig zurück, um nicht ein Bußgeld in Höhe von 20 Euro zu riskieren – und einen abgesenkten Bordstein, um da hinaufzukommen, suchen sie vergebens.

Auf der folgenden, sehr schmalen Passage unter der Brücke, die zusätzlich auch für Fußgänger vorgesehen ist, dürfte es jedem mulmig werden. Es gibt im Grunde keinen Abstand zur Straße auf der Lkw und Busse an der Tagesordnung sind. Zwar müssten die Fahrzeuge dort 1,50 Meter zum Radfahrer Abstand halten, das macht aber keiner. Bei dem Verkehrsaufkommen ist es zudem kaum möglich. Nach der Kreuzung geht es für Radfahrer bis zum Nordenstiftsweg etwas breiter, aber immer noch recht schmal weiter.

Gefahrenstelle: Kommen sich hier Radfahrer entgegen, wird es eng – auch ohne Bauzaun.
Gefahrenstelle: Kommen sich hier Radfahrer entgegen, wird es eng – auch ohne Bauzaun. © Robert Szkudlarek

Station 5: Gefährlich nahe der Fahrbahn

An der Bushaltestelle hinter dem Nordenstiftsweg heißt es einmal auf Fußgänger aufpassen, danach folgt ein schöner Weg bis zum Hamtec. Die Abtrennung zur Busspur durch einen Grünstreifen sorgt beim Radfahrer für Entspannung. Sie endet jedoch am Damm, zudem darf ab hier auf Rad- und Gehweg in beiden Richtungen gefahren werden. Das kann nicht nur eng werden, sondern auch gefährlich, denn es gibt keinerlei Absperrungen zu den Fahrbahnen einer der Hauptverkehrsachsen Hamms. Dabei führt der Weg in die Innenstadt und ist darüber hinaus auch ein beliebter Schulweg. Und auf der anderen Straßenseite ist es genauso. Es gibt Eltern, die bringen ihre Kinder wegen dieser Stelle mit Gefahrenpotenzial mit dem Auto zur Schule.

Nun bleibt die Brücke über Lippe und Kanal natürlich ein schwer zu beseitigendes Nadelöhr, und eine Absperrung würde den Weg noch schmaler machen, aber für den weiteren Bereich könnte doch eine Lösung für mehr Sicherheit gefunden werden. Zumal die Arbeiten am Erlebnisraum Lippeaue dort ja gerade eh alles auf den Kopf stellen.

Station 6: Fahrt nach Norden angenehmer

Der Rückweg ist bis auf die schon genannten Stellen deutlich angenehmer. Gut, es gibt ein falsch postiertes Verkehrsschild an der Kreuzung zur Heessener Straße; die dortige Ampel könnte unwissentlich bei Rot überfahren werden, weil ein entsprechender Hinweis für Radfahrer fehlt – und am Ende geht es wieder bergauf. Insgesamt sind die Radwege aber besser und die Kreisverkehre machen kaum Probleme. Dennoch lohnt sich abschließend der Blick auf eine besondere Stelle.

Auf dieser Seite der Eisenbahn-Unterführung hätten Radler auch bei beidseitig erlaubtem Befahren genügend Platz, es ist aber nicht erlaubt.
Auf dieser Seite der Eisenbahn-Unterführung hätten Radler auch bei beidseitig erlaubtem Befahren genügend Platz, es ist aber nicht erlaubt. © Boris Baur

Station 7: Tunnel mit Potenzial

Im Gegensatz zur gegenüberliegenden Seite ist die separate Bahnunterführung für Fußgänger und Radfahrer östlich der Münsterstraße komfortabel. Er ist allerdings nur für eine Richtung ausgelegt. Der Grund dürfte in der Kreuzung zur Heessener Straße und vor allem in der dortigen Rechtsabbiegespur zur Münsterstraße liegen. Verbotenerweise von links kommende Radler sind hier erst sehr spät zu sehen.

Dennoch fahren nicht wenige auf der falschen Seite – das Bußgeld dafür beträgt übrigens ebenfalls 20 Euro. Aus dem Westberger Weg kommende Schulkinder müssten vor der für sie sicheren Unterführung allerdings entweder über die vierspurige Münsterstraße links abbiegen, was angesichts des Verkehrs unzumutbar ist, oder durchaus umständlich die Ampel an der Großen Sandstraße nutzen. In beiden Fällen landen sie jedoch wieder an der schmalen Brücken-Passage.

Da die Breite für einen sicheren Gegenverkehr auf dieser Seite der Unterführung jedoch grundsätzlich gegeben ist, lohnt sich vielleicht zu prüfen, hier ein beidseitiges Befahren zu erlauben bei gleichzeitiger Entschärfung der Gefahrenquelle Rechtsabbiegespur Heessener Straße.

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