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Ohne dubiose Spenden: Stadt speckt beim Fastenbrechen ab

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Von: Frank Lahme

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Oberbürgermeister Marc Herter begrüßte die Vertreter aus Izmir in der Yunus-Emre-Moschee.
Oberbürgermeister Marc Herter (links) begrüßte die Vertreter aus Izmir in der Yunus-Emre-Moschee. © Reiner Mroß

Man hatte sich an die Bilder gewöhnt: 700 Gäste trafen sich einmal im Jahr auf Einladung der Stadt Hamm zum großen Fastenbrechen in der Leyla-Eventhalle im Hammer Süden. Dann kam Corona und dann der DRK-Spendenskandal. Und nun? Ist vieles anders.

Hamm – Aktuell ist wieder Ramadan. Und erstmals seit 2019 findet in Hamm wieder das städtische Fastenbrechen statt. Allerdings in abgespeckter Form und nicht mehr am angestammten Ort am Hellweg, wo üblicherweise türkische Hochzeiten gefeiert werden.

Man habe die Veranstaltung für die Zeit nach Corona neu konzipiert, hieß es am Donnerstag aus dem Hammer Rathaus. Es fänden nun zwei Veranstaltungen statt – am Mittwoch in der Yunus-Emre-Moschee in Hessen, am Donnerstag in der Ulu-Moschee in Herringen. Damit wolle man „noch enger“ in die Gemeinden rücken.

Statt 700 geladenen Gästen begnügte sich die Stadt nunmehr mit jeweils 150 Teilnehmern. Neben Gemeindemitgliedern handelte es sich um Personen aus der Stadtgesellschaft – um Vertreter der Polizei, der Hochschulen, Verbände und der Lokalpolitik. Die großen (und insbesondere bei Linken-Politikern umstrittenen) Delegationen mit türkischen AKP-Vertretern aus Afyon und Bagcilar (Istanbul) fehlten dieses Mal. Baglicar-Bürgermeister Lokman Cagrici war zur Monatsmitte zurückgetreten, mit Afyon gibt es derzeit offenbar nur wenig Kooperationsprojekte. Stattdessen wurden vier Personen aus Izmir, darunter der Oberbürgermeister von Izmir und der Bürgermeister der zu Izmir gehörenden Gemeinde Konak, in Hamm empfangen. Beide gehören der CHP, der sozialdemokratischen Partei in der Türkei, an.

Angeführt von Ex-OB Thomas Hunsteger-Petermann fand das Fastenbrechen letztmalig „groß“ im Hammer Süden statt.
Im Mai 2019: Angeführt von Ex-OB Thomas Hunsteger-Petermann fand das Fastenbrechen letztmalig „groß“ im Hammer Süden statt. © Henrik Wiemer/(Archiv)

Untreue-Verdacht

Vorbei ist nun offenbar auch das Kuddelmuddel um die Finanzierung der Fastenbrechen-Veranstaltung. Jahrelang hatten städtische Töchter und insbesondere die Sparkasse üppige Spenden an das DRK geleistet – angeblich im Glauben, den Ramadanmarkt (mit-)zufinanzieren. Wie der WA im Laufe des vergangenen Jahres aufdeckte, flossen so in den Jahren 2006 bis 2017 knapp 400.000 Euro in die DRK-Kasse. Gut 200.000 Euro davon wurden in bar an den aktuell kaltgestellten Leiter des nun aufgelösten Amtes für soziale Integration, Wolfgang Müller, ausgekehrt. Was mit dem Geld geschah, ist bislang unklar.

Die Staatsanwaltschaft Dortmund ermittelt seit Monaten wegen Untreue-Verdachts gegen Müller. Wie es aus Ermittlerkreisen heißt, liege auf dem DRK-Komplex aktuell ein Ermittlungsschwerpunkt. Ein Ende sei aber weiterhin nicht abzusehen.

Phantom im Rathaus

Auch im zweiten Komplex um die missbräuchliche Verwendung von Fördergeldern des Landes („Phantom im Rathaus“) sei ein Abschluss nicht in Sicht. Neu ist immerhin, dass die Bezirksregierung Arnsberg im Juli die Überprüfung des zweiten Förderzeitraums abgeschlossen haben will. Bislang wurden aus Arnsberg rund 200.000 Euro an Fördergeldern (für die erste Phase) zurückgefordert. Ein ähnlicher Betrag könnte dann noch folgen. Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln hier auch gegen den derzeit suspendierten Personalchef Bernd Maßmann und den früheren Sozialfachbereichsleiter Theo Hesse.

Kolportiert wurden gegenüber unserer Zeitung, dass die Fastenbrechen-Veranstaltungen früher regelmäßig 20.000 bis 30.000 Euro gekostet haben sollen. Ob dies zutrifft und wer diese Kosten getragen hat, ist bislang ebenfalls unklar.

Die am Mittwoch und Donnerstag durchgeführten Veranstaltungen kommen jedenfalls günstiger und transparenter daher. Finanziert würden sie von nun an aus dem allgemeinen Haushaltsbudget des Amtes für Integration, Ausländer- und Flüchtlingsangelegenheiten. „Die Kosten für beide Veranstaltungen liegen in diesem Jahr bei gut 4000 Euro“, so Stadtsprecher Lukas Huster.

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