Pläne lassen Anwohner fürchten

Angst vor Hochwasser durch Baugebiet Schlossmühle

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Risiko: Der kleine Enniger Bach kann bei starkem Regen kräftig anschwellen

Heessen – Die Interessengemeinschaft Ökosiedlung am Hohen Weg hat Bedenken gegen die Pläne für das neue Baugebiet Schlossmühle. Sie sorgt sich um die Flächenversiegelung und den Enniger Bach – kurz: um Hochwasser.

Bereits zwei Mal standen Teile der Ökosiedlung unter Wasser, zuletzt vor fünf Jahren. Die Anwohner befürchten: Das Hochwasserrisiko könnte steigen, wenn Häuser und Straßen an der Schlossmühle gebaut sind. 

Das Baugebiet soll südlich der Dolberger Straße entstehen. Zwischen der Straße und der Schlossmühle erschließen die Baufirma Heckmann und das Unternehmen Lippe Wohnbau von Faik Burnic das Areal. Im Norden bis etwa zur Schlossstraße bietet Heckmann sechs Einfamilienhäuser mit der Möglichkeit, Einliegerwohnungen mitzubauen, ein Doppelhaus und vier Mehrfamilienhäuser mit bis zu acht Eigentumswohnungen (maximal 31) und einer Tiefgarage an.

Ein- und Mehrfamilienhäuser

Die Lippe Wohnbau plant im südlichen Bereich vier Einfamilienhäuser direkt am Wasser, ein Einfamilienhaus neben der historischen alten Schmiede, die unter Denkmalschutz steht. Einliegerwohnungen sind bei allen Einfamilienhäusern möglich, die Grundstücke sind zwischen 800 und 1.100 Quadratmeter groß. Ein Mehrfamilienhaus mit zehn Wohneinheiten soll gegenüber der alten Schmiede entstehen. 

Weiterhin sind die Sanierung der alten Schmiede mit sechs Wohnungen, der Neubau eines „neuen“ Müllerhauses neben der Schlossmühle mit drei Wohneinheiten sowie die Sanierung der Schlossmühle mit einer Wohnung und einem Büro vorgesehen. Zu erwerben sind die Burnic-Objekte über eine seiner anderen Firmen, die Immopool.

Pläne können eingesehen, Bedenken benannt werden 

Die Pläne für den „Entwicklungsbereich südlich der Dolberger Straße“ liegen noch bis zum 23. September öffentlich aus. Die Unterlagen liegen im Technischen Rathaus und können im Netz eingesehen werden. Wer Bedenken hat, kann sich melden.

Befürchtung: Wasser staut sich bei starkem Regen

Und Bedenken hat die Interessengemeinschaft (IG) Ökosiedlung. Sebastian Greiß, einer der Sprecher der IG, erläutert: „Unsere Häuser stehen nördlich der Dolberger Straße direkt am Enniger Bach – wenn jetzt südlich der Dolberger Straße Flächen versiegelt oder Grundstücke angehoben werden, könnte sich bei starkem Regen schneller als bislang ein Rückstau bilden, der unsere Häuser unter Hochwasser setzt.“ Hinzu kommt, dass eine Tiefgarage geplant ist. 

Versicherung gegen Elementarschäden nicht möglich

Es gebe nur die kurze Stellungnahme eines Ingenieurbüros zu dem Thema, aber kein ausgearbeitetes Gutachten. „Im Herbst und im Winter ist der Enniger Bach sowieso schon ziemlich gut gefüllt, da muss nicht mehr viel hinzukommen, dass er über die Ufer tritt“, sagt der gebürtige Heessener Greiß. Und zwei Mal habe es im vergangenen Jahrzehnt Hochwasser gegeben. Die Folge: Manche Nachbarn hätten keine Versicherung gegen Elementarschäden wie Hochwasser abschließen können. Die Stadt sei auch nicht bereit, für eventuelle künftige Hochwasserschäden zu haften, sagt Greiß. 

Rückstau? Durch das neue Baugebiet an der Schlossmühle könnte sich das Wasser im Enniger Bach rückstauen und Teile der Ökosiedlung am Hohen Weg überfluten, fürchtet IG-Sprecher Sebastian Greiß.

Ein Sprecher der Stadt bestätigt, dass Bedenken der Anwohner eingegangen seien. Das Thema Hochwasserschutz werde in den Planungen berücksichtigt, es habe Fachgutachten und eine Stellungnahme der Oberen Wasserbehörde gegeben. Die Stadt sehe keine Probleme, sagt der Sprecher: „Die Ökosiedlung liegt nördlich der Dolberger Straße, ist also etwas höher gelegen als das neue Baugebiet – da ist es sehr unwahrscheinlich, dass solch ein Szenario eintritt.“

Einleitung in den Enniger Bach

In dem Umweltbericht, der den Planungsunterlagen beiliegt, wird beschrieben, was in dem neuen Baugebiet geplant ist. Das Niederschlagswasser aus dem nördlichen Bereich des Schlossmühlenbaugebiets wird gesammelt und in den Enniger Bach eingeleitet, der Niederschlag aus dem südlichen Bereich fließt in den Mühlengraben. Der Abstand von Gebäuden zum Enniger Bach darf fünf Meter nicht unterschreiten – wegen Hochwassergefahr. 

Und: Die neuen Grundstücke sollen aufgeschüttet werden. Klar ist: Es wird mehr versiegelt, es wird mehr Wasser in den Enniger Bach geleitet – falls der Bach südlich der Dolberger Straße voll ist, kann das Wasser aus dem Norden – aus der Ökosiedlung – womöglich nicht mehr so gut abfließen. Die Interessengemeinschaft lässt sich daher von einem Anwalt beraten.

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