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Weltkriegs-Bombe im Hammer Norden erfolgreich entschärft

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Von: Markus Hanneken, Paul Scharapow

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Bombe am Flugplatz: Entschärfung ist durch - Bewohner können zurück, Straßen wieder frei
Die Bombe, die in rund vier Metern Tiefe im Garten auf einem Privatgrundstück gelegen hatte, wurde erfolgreich entschärft.  © Scharapow

Im Hammer Norden wurde heute ein Blindgänger erfolgreich entschärft. Dafür war eine groß angelegte Evakuierung nötig; betroffen waren auch viel befahrene Straßen.

Hamm-Norden - Der erste Weltkriegs-Blindgänger des Jahres 2022 ist am Montagabend im Hammer Norden entschärft worden. Es handelte sich um eine amerikanische Fliegerbombe, die auf einem Privatgrundstück an der Seeburger Straße mehr als 77 Jahre im Erdreich geschlummert hatte. Weil es sich „nur“ um einen 250-Kilogramm schweren Blindgänger gehandelt hatte, musste lediglich im 250-Meter-Radius geräumt werden. Der Bahnverkehr blieb somit unbeeinträchtigt, allerdings mussten die Münsterstraße und die Heessener Straße während des knapp dreistündigen Einsatzes gesperrt werden.

Evakuierung und Entschärfung liefen reibungslos. Die allermeisten der 350 im kritischen Bereich lebenden Menschen – darunter ein hoher Anteil an betagten Personen – war bei Angehörigen oder Bekannten untergekommen. Lediglich rund 15 Personen suchten die an der Karlschule eingerichtete Betreuungsstelle auf. Feuerwehr, DRK, THW, ASB, Ordnungsamt und Polizei waren mit rund 70 Kräften im Einsatz.

Der vorab prognostizierte Zeitrahmen wurde nicht nur eingehalten, sondern übertroffen. Nach zweieinhalb Stunden war die gegen 20.15 Uhr die Evakuierung abgeschlossen. Um 20.36 Uhr hatte Feuerwerker Karl-Heinz Clemens bereits die mit einem Bodenzünder ausgestattete Bombe entschärft. Unverzüglich wurden danach die Sperrungen aufgehoben, und die Anlieger konnten wieder in ihre Wohnungen zurückkehren.

Der Blindgänger war in Weihnachtszeit nach (aufgrund von Luftbildauswertungen durchgeführten) Sondierungen im Garten des Grundstücks ausfindig gemacht worden. Sofort entschärft werden konnte nicht, zunächst hatte der Grundwasserspiegel an der Stelle um 2,50 Meter abgesenkt werden müssen.

Unser Ticker vom Montag zum Nachlesen:

20.36 Uhr: Die Entschärfung der Bombe ist durch! Alles hat reibungslos funktioniert. Die Sperrstellen werden aufgehoben. Die Straßen sind wieder frei, die Bewohner können zurück in ihre Wohnungen.

20.15 Uhr: Die Evakuierung ist abgeschlossen. Die Entschärfung beginnt.

19.58 Uhr: Es bleibt dabei: Der Zeitplan wird voraussichtlich eingehalten. Die Evakuierung ist fast abgeschlossen. Es müssen nur noch wenige Häuser kontrolliert werden.

Die Straßen rund um die Fundstelle wurden großzügig, aber passend gesperrt.
Die Straßen rund um die Fundstelle wurden großzügig, aber passend gesperrt. © Scharapow

19.14 Uhr: Nur rund 15 Leute haben sich an der Betreuungsstelle in der Karlschule eingefunden.

18.43 Uhr: Im Einsatz sind das DRK, die Feuerwehr, das THW, der ASB, das Ordnungsamt und die Polizei, mit insgesamt rund 70 Einsatzkräften. Von der Feuerwehr sind Einsatzbereich Norden und drei weitere Sondereinheiten dabei - darunter die Sondereinheit Drohne, die laut Einsatzleiter Tobias Blokesch so die Freiflächen überfliegt und kontrolliert. In Bereitschaft ist außerdem die freiwillige Feuerwehr Heessen, die mit Blick auf die vollen Straßen den Grundschutz für den Stadtbezirk sicherstellt. Bis dato läuft alles komplikationsfrei, auch die Zusammenarbeit aller Beteiligten funktioniert gut. Der Zeitplan (ca. 21 Uhr) dürfte eingehalten werden. Zeitaufwändig sind allein einige Krankentransportfahrten für Senioren aus dem Sperrbereich heraus,

18.35 Uhr: Die Feuerwehr bittet darum, für Nachfragen nicht die Notrufleitungen zu blockieren.

Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr bei der Besprechung für die im Räumbezirk befindlichen Haushalte.
Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr bei der Besprechung für die im Räumbezirk befindlichen Haushalte. © Scharapow

18.10 Uhr: Auf den Straßen rund um den Evakuierungsbereich staut es sich teils ordentlich und weit. Wer kann, sollte einen großzügigen Umweg wählen. Die Aktion wird noch eine Weile andauern: voraussichtlich bis gegen 21 Uhr. Besondere Probleme werden bislang nicht gemeldet.

Polizei auf der Kreuzung Heessener Straße/Münsterstraße.
Polizei auf der Kreuzung Heessener Straße/Münsterstraße. © Scharapow

17.46 Uhr: Alle Sperrstellen sind eingerichtet. Die Räumung jener Personen, die noch nicht selbstständig ihre Wohnung verlassen haben, erfolgt nun. Die Münsterstraße ist zwischen Jupp-Eickhoff-Weg und Heessener Straße gesperrt. Die große Kreuzung mit der Heessener Straße und dem Bockumer Weg ist während der Sperrung ausschließlich vom Bockumer Weg kommend in Richtung Norden auf die Münsterstraße sowie in Gegenrichtung (Münsterstraße von Norden kommend auf den Bockumer Weg) befahrbar. Die Bahnstrecken sind nicht betroffen.

17.42 Uhr: Nach Angaben des Sprengmeisters handelt es sich um eine amerikanische 250-Kilogramm-Bombe. Sie habe „nur“ einen Bodenzünder, was aber nicht zwingend eine einfachere Handhabung bedeute. Der Blindgänger-Verdacht wurde anhand der Auswertung von vor Jahren gemachten Luftbildaufnahmen auf einem Privatgrundstück ausgemacht. Im Dezember war die so genannte „Bombenblindgängereinschlagstelle“ überprüft worden; eine „Detektion“ erhärtete die Annahme. Dass es noch ein paar Wochen bis zum heutigen Vorgang dauerte, lag am hohen Grundwasserspiegel, der um rund 2,50 abgesenkt werden musste. Die Bombe selbst liegt in einer Tiefe von rund vier Metern unter der Grasnarbe. Das THW leuchtet die Fundstelle aus.

Sprengmeister Karl-Heinz Clemens zeigt auf die Fundstelle.
Sprengmeister Karl-Heinz Clemens zeigt auf die Fundstelle. Sie liegt auf einem Privatgrundstück. © Scharapow

17.30 Uhr: Als Sprengmeister ist Karl-Heinz Clemens von der Bezirksregierung Arnsberg vor Ort. Er hat schon unzählige Blindgänger in Hamm unschädlich gemacht. Die Gesamtdauer zwischen Sperrung und dem Ende der Aktion schätzt er auf etwa 21 Uhr, im besten Fall beginnt die Entschärfung selbst gegen 20.30 Uhr. Diese Angaben sind allerdings ohne Gewähr zu verstehen.

Das ist der Radius für die zu evakuierenden Gebäude.
Das ist der Radius für die zu evakuierenden Gebäude. © Stadt Hamm

Unsere Grundinformationen vor dem Start der Aktion:

Rund 315 Menschen (an der Heessener Straße, der Seeburger Straße, am Nordenstiftsweg und an der Lilienthalstraße - für Liste hier klicken) werden dafür zwischenzeitlich ihre Wohnungen verlassen müssen; betroffen ist ein Evakuierungsradius 250 Metern rund um die Fundstelle. (Diese befindet sich schräg gegenüber des Bekleidungshäuser Benvenuto und Leithäuser nahe der Heessener Straße.) Ab 17.30 Uhr soll der betroffene Bereich gesperrt werden; danach wird mit der Räumung begonnen.

Innerhalb des Evakuierungsradius‘ befinden sich einige sensible Bereiche, darunter neben dem Flugplatz selbst ein Teil der viel befahrenen Münsterstraße (zwischen Jupp-Eickhoff-Weg und Heessener Straße) und die große Kreuzung mit der Heessener Straße und dem Bockumer Weg. Sie wird während der Sperrung ausschließlich vom Bockumer Weg kommend in Richtung Norden auf die Münsterstraße und in Gegenrichtung (Münsterstraße von Norden kommend auf den Bockumer Weg) befahrbar sein. Die Bahnstrecken sind nicht betroffen. Es sollen acht Sperrstellen und zwei Vorsperren eingerichtet werden.

An der Seeburger Straße, hier links neben dem Flugplatz, wurde der Blindgänger entdeckt.
An der Seeburger Straße, hier links neben dem Flugplatz, wurde der Blindgänger entdeckt. © Robert Szkudlarek

Für betroffene Anwohner wird eine Betreuungsstelle an der Karlschule (Westberger Weg 17) eingerichte. Die aktuellen Hygiene- und Infektionsschutzregeln sind einzuhalten. Vier betroffene Anwohner befinden sich derzeit in häuslicher Quarantäne; sie werden ebenfalls gesondert zur Karlschule gebracht und dort untergebracht.

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