Muslimische Frauen fürchten beim Schwimmen Männerblicke

+
Wolfgang Müller hat Verständnis für die Sorgen der muslimischen Frauen und will sich bei den Stadtwerken für besondere Schwimmzeiten einsetzen. Diese müssten, so Müller, dann für alle Frauen gelten.

Heessen - Der Sportverein Yunus Emre HSV will sowohl männlichen Fußballern Raum zur Entfaltung geben als auch Frauen die Gelegenheit, sich im und außerhalb des Wassers fit zu halten. Und da stoßen die Frauen gerade auf Schwierigkeiten. Das war jetzt ein Thema beim Besuch des Leiters des Amtes für soziale Integration, Wolfgang Müller.

Biray Karahan bietet drei Mal in der Woche abends ab 21 Uhr in der Turnhalle der Erich-Kästner-Schule Gymnastikkurse an – genauer: Bauch-, Beine- und Po-Übungen (BOP), Step-Aerobic und Zumba. Und nebenan im Lehrschwimmbecken der Schule leitet Nurdan Aslan die Aqua-Gymnastik – und hier zeichnen sich die Schwierigkeiten ab. 

Denn das Kästner-Bad wird in Kürze stillgelegt. Stattdessen bauen die Stadtwerke ein Lehrschwimmbecken an die Familienoase an. Die wird aber von mehr Menschen genutzt als das Schwimmbecken an der Kästner-Schule – und der Weg zum Lehrschwimmbecken wird an der Familienoase vorbeiführen.

Frauen nicht mehr nur unter sich

Die Folge sei, so sagt es Biray Karahan, dass die Frauen nicht mehr nur unter sich sind. Andere, vor allem männliche Menschen, könnten vom Hauptschwimmbecken der Familienoase vielleicht zuschauen. Oder es fallen Blicke durch die Glasfenster. Oder es sei ein männlicher Bademeister vor Ort. Das würden viele Teilnehmerinnen als Hindernis empfinden. Amtsleiter Müller hat dafür Verständnis. „Ich finde es gut, wenn diese Frauen etwas für sich tun und schwimmen gehen“, sagt er, „und wenn sie es nur tun, wenn sie einen geschützten Raum haben, wollen wir das unterstützen.“

"Mit den Stadtwerken eigentlich immer geregelt bekommen"

Es dürfe andererseits aber auch nicht sein, dass der Eindruck entstehe, für moslemische Frauen würde alles getan und Menschen ohne Migrationshintergrund gingen leer aus. Deswegen müsse ein solches Angebot stets auch für Nichtmoslems offen stehen. Müller hat angeboten, die Stadtwerke auf die Schwierigkeiten anzusprechen. Ziel ist es, dass die Aqua-Kurse auch weiterhin stattfinden können, und das in einem geschützten Raum. Wichtig sei, dass regelmäßig genügend Frauen am Schwimmen teilnähmen. „Dann haben wir das mit den Stadtwerken eigentlich immer geregelt bekommen“, sagt Müller.

Weitere Hallen-Zeiten erwünscht

Zugleich hatte der Amtsleiter einen sehr positiven Eindruck vom Verein. Die Nachfrage nach Angeboten für Frauen sei groß, hat Müller erfahren, weitere Hallen und Zeiten könnte der Club gebrauchen. Hier verweist Müller auf das Sportamt – dort werden die Hallen verteilt. Auch für den Wunsch der Frauenabteilung, Ernährungsberatungen in den Gruppen durchzuführen, will sich Müller einsetzen. Ansprechpartner seien in erster Linie Krankenkassen und Stadtsportbund, aber für die Finanzierung könnte der Integrationsrat Geld bewilligen.

Deutschkurse angeboten

Von sich aus bot der Amtsleiter Deutschkurse an. „Ich habe bemerkt, dass einige Frauen nicht so gut sprechen“, sagt er, „und es ist möglich, Einstiegskurse in einer den Frauen vertrauten Umgebung anzubieten.“ Solle die Sprache aber darüber hinaus vertieft werden, müssten die üblichen Räumlichkeiten genutzt werden. 80 Prozent der rund 70 Kurs-Teilnehmerinnen haben nach Angaben von Nurdan Aslan einen türkisch-moslemischen Hintergrund, andere kommen aus Polen, Bosnien, Marokko oder sind schlicht deutsch. Um Kinder, Familie und Beruf unter einen Hut bekommen zu können, starten die Angebote abends ab 21 Uhr.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare