Westfalenkaserne in Ahlen

Bundeswehr-Ausbilder soll Rekruten gequält haben

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In der Westfalenkaserne soll ein Ausbilder Rekruten genötigt und misshandelt haben.

Hamm - Nun gibt es auch einen aktuellen Bundeswehr-Skandal in Ahlen. Er wird in vier Wochen vor dem Amtsgericht in Ahlen verhandelt.

Von Matthias Münch

Es geht in diesem Fall um Körperverletzung, Nötigung, Misshandlungen und entwürdigende Behandlung von Untergebenen sowie Missbrauch der Befehlsbefugnis. Der Fall fügt sich nahtlos ein in die Reihe krimineller Machenschaften von Soldaten, mit denen die Spitze der Bundeswehr und die Verteidigungsministerin derzeit zu kämpfen haben.

Unter Anklage steht ein ehemaliger Gruppenführer im Zug einer Ausbildungskompanie der Bundeswehr in Ahlen. Der aus Machern im sächsischen Landkreis Leipzig stammende Mann war zuständig für die Grundausbildung der jungen Soldaten. Mithin hätte er Vorbild in Sachen innerer Führung sein müssen. Offenbar ist er dieser Rolle nicht gerecht geworden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm folgende Anklagepunkte vor:

- Einem Untergebenen soll er befohlen haben, auf eine Soldatin einzuwirken, damit diese mit ihm näher in Kontakt komme. Dabei soll er dem Untergebenen mit körperlicher Gewalt gedroht haben, falls der sich weigere.

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- In der Nacht vom 23. auf den 24. November 2016 soll er gegenüber der von ihm ins Visier genommenen Soldatin zudringlich geworden sein. Während der inoffiziellen Zugfeier im Vereinsheim eines Ahlener Sportvereins soll er der Frau über die Wange geleckt und gesagt haben: „Was ich angeleckt habe, ist meins.“ 

- In derselben Veranstaltung soll er einem Untergebenen schmerzhaft in den Genitalbereich geboxt haben. 

- Ebenfalls auf der Zugfeier soll er einem Untergebenen dessen Führerschein weggenommen haben. Wenn er ihn zurückhaben wolle, so der Angeklagte, müsse sich der Soldat für sein Verhalten der letzten drei Monate entschuldigen. Dabei habe er ihm vorgeworfen, er sei sehr tollpatschig und vergesslich.

- Einem weiteren Soldaten soll er befohlen haben, immer wieder neue alkoholische Getränke zu bringen. Dafür habe er Zeitvorgaben gemacht, die der Untergebene nicht einhalten konnte. „Zur Strafe“ habe der Soldat den Alkohol selbst trinken müssen. Die Folge: Der Mann war schnell so betrunken, dass er eine Zeit lang regungslos oder bewusstlos auf dem Boden lag. Kameraden des Soldaten habe der Angeklagte daran gehindert, ihn in die Kaserne zu bringen. Er soll ihnen befohlen haben, vor Ort bei der Feier zu bleiben.

Die als Zeugen benannten Opfer des Angeklagten sind allesamt untergebene Soldatinnen und Soldaten.

Der Prozess findet am 13. Juni um 9.30 Uhr vor dem Schöffengericht in Ahlen statt.

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