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Tabula rasa um Heinz Booms: Grab eingeebnet, Straßenschild weg

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Von: Frank Lahme

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Pfarrer Heinz Booms bei einem Interview im Jahr 2003.
Pfarrer Heinz Booms bei einem Interview im Jahr 2003. © Henrik Wiemer (Archiv)

Keine zwei Wochen nach dem Bekanntwerden der Missbrauchsfälle um Heinz Booms in Hamm erinnert im Stadtbild nichts mehr an den verstorbenen Heessener Pfarrer.

Hamm – Jetzt auch noch das Grab. Die letzte Ruhestätte des stadtbekannten Geistlichen Heinz Booms auf dem Sundernfriedhof in Heessen ist am Mittwoch eingeebnet worden. Zehn Tage nach Bekanntwerden der ersten Missbrauchsfälle in Zusammenhang mit Booms aus den 1960er und 1970er Jahren erinnert damit im öffentlichen Raum nichts mehr an den 2004 verstorbenen Pfarrer und Mitbegründer der Hospizbewegung in Hamm.

Die Schilder an dem nach ihm benannten „Dechant-Heinz-Booms-Weg“ sind ebenfalls bereits abmontiert. Erst am Dienstag hatte die Bezirksvertretung Heessen beschlossen, dass der Rad- und Fußweg umbenannt werden soll.

Der Name ist weg: Das Schild mit der Aufschrift „Dechant-Heinz-Booms-Weg“ ist abmontiert.
Der Name ist weg: Das Schild mit der Aufschrift „Dechant-Heinz-Booms-Weg“ ist abmontiert. © Robert Szkudlarek

Die Einebnung

Wie die Stadt am Donnerstag auf WA-Nachfrage erklärte, sei die Einebnung kurzfristig und „auf Antrag der Nutzungsberechtigten“ erfolgt. Wer diese sind, wurde nicht kommuniziert. Es ist aber klar, dass es sich dabei um die Angehörigen und nicht um die katholische Kirchengemeinde Papst Johannes handelt. Deren Leitender Pfarrer Christoph Gerdemann hatte bereits in der Gemeindeversammlung vor gut einer Woche auf diese Zusammenhänge hingewiesen und erklärt, dass die Kirche außen vor sei.

Wie die Stadt am Donnerstag weiter erklärte, wurde das Grab lediglich oberflächlich eingeebnet. „Die Totenruhe läuft noch bis 2029 – so lange bleibt das Grab unterirdisch auch unangerührt“, sagte Stadtsprecher Lukas Huster. Üblicherweise vergingen zwischen Antragstellung und Einebnung vier Wochen. „Im vorliegenden Fall haben die Nutzungsberechtigten explizit um sofortige Einebnung gebeten – und diesem Anliegen sind wir dann auch nachgekommen“, so Huster. Für die Dauer der Totenruhe werde nun Rasen auf der Grabfläche angelegt und auf Kosten der Nutzungsberechtigten vom Friedhofsgärtner gepflegt.

Der Name ist weg: Das Schild mit der Aufschrift „Dechant-Heinz-Booms-Weg“ ist abmontiert.
Eingeebnet: Die letzte Ruhestätte von Heinz Booms (vorne rechts) ist nicht mehr zu erkennen. © Robert Szkudlarek

Noch ein Fall

Gras ist über die bis zu 60 Jahre zurückliegen Taten für die Opfer des Geistlichen bis heute vielfach nicht gewachsen. Wie Pfarrer Christoph Gerdemann am Mittwochabend gegenüber dem WA erklärte, habe sich in den letzten Tagen noch eine weitere Frau bei ihm gemeldet, die als Jugendliche ebenfalls von Booms missbraucht worden sei und darüber bislang nicht habe reden können.

Alle bislang bekannt gewordenen Übergriffe – sicherlich zehn Fälle sind es in Summe – trugen sich damit weiterhin in den 1960er und 1970er Jahren zu. Ob und warum die Serie in den 1980er nicht fortgesetzt wurde, ist eine der Fragen, auf die es bislang keine Antwort gibt.

Ameland

Zu Übergriffen durch Booms kam es offenbar auch auf den Ameland-Freizeiten. Gleich mehrere Frauen hatten davon in der Gemeindeversammlung vor gut einer Woche berichtet. Pfarrer Karsten Weidisch, 1. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft „Katholisches Ferienwerk Ameland“, bezog nun ebenfalls Stellung.

„Wir sind erschüttert über die menschenverachtenden und verbrecherischen Machenschaften von Heinz Booms und die unzähligen Missbrauchstaten sexualisierter Gewalt in der Vergangenheit, die durch ihn wohl begangen und nun von Missbrauchten und Betroffenen vorgetragen worden sind“, so Weidisch. Sollten Hinweise und Delikte im Hinblick auf Heinz Booms bei der Arbeitsgemeinschaft anlanden und vorgetragen werden, „werden wir uns mit den Verantwortlichen in der Aufarbeitung im Bistum Münster und in Hamm-Heessen unverzüglich vernetzen“.

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