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"Maßlos enttäuscht": Flüchtlingshilfe zieht sich aus Dolberg zurück

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Von: Michael Girkens

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Der Förderverein für Flüchtlinge in Ahlen will die Arbeit am Standort Hermesweg in Ostdolberg einstellen. © Wiemer

Dolberg - Der Ahlener Förderverein für Flüchtlinge plant das Engagement in Dolberg zu beenden. Den Flüchtlingen wird vorgeworfen, die Integration zu verweigern. Schuld daran ist wohl die in vielen Fällen fehlende Bleibeperspektive.

Der Förderverein für Flüchtlinge in Ahlen will Asylsuchende im Stadtteil Dolberg nicht mehr unterstützen. Das teilte die Vorsitzende des Vereins, Angelika Knöpker mit. Der Vorwurf des Fördervereins: Die Bewohner eines Übergangsheimes wollten sich nicht integrieren und würden ihre Hilfe sogar missbrauchen. 

Enttäuscht ist man vor allem über die Weigerung der Flüchtlinge, an Deutschkursen teilzunehmen. Zugleich gab es Ärger um die Nutzung des freien W-Lan. Einige Flüchtlinge sollen das von der Stadt bereitgestellte W-Lan für das kostenpflichtige Herunterladen von Erotik-Dateien missbraucht haben. 

"Verhalten ist maßlose Enttäuschung"

Der finanzielle Schaden ist aber nach Angaben der Stadt überschaubar, er beläuft sich nach Angaben eines Sprechers der Stadt auf 115 Euro. Als Konsequenz habe die neue Hausleitung den Zusatzvertrag über die weitere Nutzung der W-Lan-Verbindung sofort gekündigt. Den Ausschlag aber hatte die Weigerung von Flüchtlingen gegeben, an Sprachkursen teilzunehmen. 

Das sei bereits vor zwei Monaten in einer Vollversammlung angesprochen worden, sagt Knöpker, und die Bewohner hätten Besserung versprochen. Doch auch weiterhin seien Teilnehmer den Kursen fern geblieben, hätten sich verspätet oder seien nach kurzer Zeit wieder gegangen. „Ich weiß: Bestimmt 97 Prozent der Flüchtlinge sind extrem integrationswillig“, sagt Angelika Knöpker, „aber dieses Verhalten ist eine maßlose Enttäuschung.“ 

Hemmt fehlende Perspektive das Interesse?

Das geplante Sommerfest hat der Verein auch abgesagt. Letztes Jahr mit einer Belegung von 150 Menschen am Hermesweg habe es super geklappt und wirklich Spaß gemacht. Doch die aktuellen rund 40 Bewohner machten einfach nicht mit. Der Verein will seine Angebote in anderen Einrichtungen weiter anbieten. 

In dem Heim sind nach Angaben der Stadt etwa 40 Menschen aus dem Kosovo und Serbien untergebracht. Alle seien ohne Bleibeperspektive, das erkläre vielleicht, warum sie sich nicht für den Sprachunterricht interessierten, sagt der Stadtsprecher. 

Verwaltung verweigert Auskünfte weitgehend

Bereits in der vergangenen Woche war das Flüchtlingsheim Thema im Ortsausschuss gewesen. Ausschussvorsitzender Philipp Gößling (CDU) hatte einen Brief von Josef Kerkmann vorgelesen – darin verkündete der frühere Leiter des Hammer Friedrich-List-Berufskollegs, dass er seine ehrenamtlich durchgeführten Sprachkurse im Hermesweg eingestellt habe. 

Grund sei das Desinteresse der Flüchtlinge an der deutschen Sprache. Gößling hatte die Ahlener Stadtverwaltung um Informationen und einen Gesprächspartner im Ortsausschuss gebeten – die Ergebnisse: Kein Mitarbeiter der Verwaltung war gekommen, und Protokollführerin Nicole Köhler hatte von den zuständigen Kollegen nur eine Zahl erhalten: 44 Flüchtlinge wohnten im Hermesweg. 

Ortsausschuss fühlt sich abgespeist

Die Empörung im Ortsausschuss war groß und einhellig: Man war von der Verwaltung enttäuscht – denn die ducke sich weg statt Rede und Antwort zu stehen. Ortsunionschef Sebastian Theismann nannte das eine „Frechheit“ und fühlte sich „abgespeist“. Parteifreund Heiner Nigges sprach von einer Vernachlässigung von Dienstpflichten. 

„Wir sehen doch, dass die Gerüchte ins Kraut schießen“, sagt Ortsausschussvorsitzender Gößling „dort sollen nur noch Männer aus Nordafrika wohnen oder nur noch abgelehnte Asylsuchende.“ Nur mit Transparenz könne man Gerüchten den Nährboden entziehen, alles andere verunsichere die Menschen in Dolberg.

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