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Freibad in Heessen? „Ja – egal, was für eins“

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Von: Boris Baur

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Als im Heessen Schwimmen unter freiem Himmel noch möglich war: Das Freibad wurde in den 1970er-Jahren errichtet, Ende der 1990er-Jahre schon wieder abgerissen.
Als im Heessen Schwimmen unter freiem Himmel noch möglich war: Das Freibad wurde in den 1970er-Jahren errichtet, Ende der 1990er-Jahre schon wieder abgerissen. © Dreismann

Braucht Heessen ein neues Freibad - und wenn ja, was für eins? Unsere Redaktion hat zur Diskussion um Naturfreibad und Außenbecken die Leser befragt und interessante Antworten erhalten.

Heessen – Rund 20 Jahre ist es her, dass das Heessener Freibad dem Erdboden gleich gemacht wurde. Sprungtürme, Sport- und die beiden mittleren Becken sowie die Plansch-Gelegenheit für kleine Kinder verschwanden, lediglich das Hallenbad blieb. Das ehemalige Gelände am Kappenbusch ist seitdem ungenutzt, doch seit einiger Zeit nimmt die politische Diskussion darum wieder Fahrt auf, allerdings mit unterschiedlichen Vorschlägen.

Die Bezirkskoalition aus SPD, Grünen und FPD macht sich für ein Naturfreibad stark, was die Heessener CDU, die ein Außenbecken im Sinn hat, kritisiert. Der WA gab seinen Lesern im Rahmen über die Berichterstattung der Ampel-Idee die Gelegenheit, ihre Meinung kundzutun – und erhielt durchaus interessante Antworten.

Das „Freibad vor der Haustür“ wird vermisst

Viele Heessener vermissen die fuß- beziehungsweise fahrradnahe Schwimmmöglichkeit unter freiem Himmel, das wird auch aus den Zuschriften deutlich. „Ich kann den Abriss vor 20 Jahren immer noch nicht verstehen. Das Freibad Heessen war immer der Anlaufplatz im Sommer“, schreibt beispielsweise Stefanie Bintig. Für Dagmar Kwidzinski-Kleine fühlte es sich damals „ein bisschen wie eine Nacht- und Nebelaktion an“, als das „große Freibad vor unserer Haustür“ um die Jahrtausendwende „in kürzester Zeit“ verschwand. Dennis Stoltefuß ist auch für eine Gelegenheit zum Schwimmen im Freien, findet es allerdings auch „lächerlich, dass es erst abgerissen wird und dann etwas Neuen gebaut werden soll. Hätte man sich vorher überlegen müssen.“

Unter den Zusendungen ist keine einzige, in der sich eine Leserin oder ein Leser gegen ein Freibad positioniert – es waren allerdings natürlich auch nicht derart viele Rückmeldungen, als dass das Stimmungsbild ein repräsentatives sein könnte. Unter dem Artikel auf der WA-Homepage befürchtet ein Kommentator jedoch „ein Fass ohne Boden mit Ausgaben“. Die Kosten nehmen die WA-Leser ebenfalls in den Blick: „Ich persönlich würde es sehr begrüßen, wenn es in Heessen wieder ein Freibad – nach Abwägung aller positiven als auch negativen Seiten (Kosten etc.) – gäbe“, meint Dagmar Kwidzinski-Kleine. „Ich hoffe, dass so ein Naturfreibad finanzierbar ist. Es wäre eine große Bereicherung für Heessen“, schreibt Stefanie Bintig.

WA-Leserin Helga Fuhrer, Befürworterin eines Naturfreibades, geht es pragmatisch an: „Wenn das Naturfreibad aus Kostengründen nicht zu realisieren ist, wäre ein normales Freibad natürlich eine bessere Lösung als gar kein Freibad. Ja zum Freibad, egal was für eins.“

Machbarkeitsstudie

Die Frage nach der Finanzierung ist derzeit noch ungeklärt und ist einer der zentralen Punkte der Machbarkeitsstudie, die seit einiger Zeit auch von der Stadtverwaltung im Zuge der Planungen für den „Bürgerpark Kappenbusch“ bearbeitet wird. Dabei spielt natürlich auch die Größe eine Rolle, zu der sich weder Ampelkoalition noch die Union im Detail geäußert haben. Beide Seiten haben im Zusammenhang mit einem Freibadbau aber die Möglichkeiten für Vereinssport im Hinterkopf, beziehen das Bahnenschwimmen in ihre Überlegungen mit ein.

Helga Fuhrer denkt dabei vor allem an die Jüngsten: „Es gibt so viele Kinder, die nicht schwimmen können beziehungsweise nicht sicher, weil zu wenig Möglichkeiten gegeben sind und die Eltern ihre Kinder auch nicht für den Freibad Besuch durch die ganze Stadt fahren wollen oder können. Schön wäre es, wenn die Kinder in Heessen und der nahen Umgebung alleine mit dem Fahrrad oder zu Fuß ins Freibad könnten, wenn sie sicher schwimmen können“, schreibt sie.

Vom ehemaligen Freibad Heessen ist nur noch die Familen-Oase übrig. Die Fläche am Kappenbusch ist jedoch seit 20 Jahren ungenutzt.
Vom ehemaligen Freibad Heessen ist nur noch die Familen-Oase übrig. Die Fläche am Kappenbusch ist jedoch seit 20 Jahren ungenutzt. © Robert Szkudlarek

Pelkum, Berge und Drensteinfurt „keine echten Alternativen“

Auch für Erwachsene, die im Sommer morgens und abends ein paar Bahnen schwimmen wollen, sei ein ortsnahes Freibad eine Erleichterung. „Es würden aus Heessen mehr Menschen mal wieder ins Freibad fahren/gehen, weil es näher ist, da bin ich mir sicher“, sieht Fuhrer das Geld sinnvoll ausgegeben. So sieht es auch Kwidzinski-Kleine, die ein nahe gelegenes Freibad als Bewegungsangebot für Kinder und Jugendliche befürwortet, während für sie die bestehenden Freibäder „in Pelkum, Berge, Drensteinfurt keine echten Alternativen sind, die auf kurzem Weg per Bus zu erreichen wären“. Stefanie Bintig findet es ebenfalls wichtig, „etwas für Kinder und Familien in unserem Stadtteil zu tun“.

„Es wäre einfach fantastisch, wenn es in unserer Stadt ein gut erreichbares Naherholungsgebiet wie den Bürgerpark Kappenbusch erschaffen würde“, meint Müller, die als begeisterte Schwimmerin im Sommer mit dem Rad die Seen der Umgebung besucht und dort auch viele Familien mit Kindern und Jugendliche beim Baden beobachtet hat.

„Eine bisherige Brachfläche wird zum Aushängeschild von Heessen“, ist für sie „Urlaubsfeeling“ mit einem optimalen „Gesundheits-Sportangebot“ und einer sozialen Begegnungsstätte kombiniert. „Ich kann mich noch erinnern, dass es im Sommer immer ein beliebter Treffpunkt war“, denkt Kwidzinski-Kleine an ihre Jugend in den 80er Jahren zurück. „Wenn das jetzt sogar ökologisch und klimagerecht zu machen ist, wäre das doch ideal“, schreibt Bintig.

Gedanken zur Nachhaltigkeit

Für Maria Müller ist „ein Naturfreibad ein eigenständiges Ökosystem, – Pflanzen, Mineralien und Mikroorganismen reinigen es“. Kwidzinski-Kleine schaut auf die Energieversorgung und könnte sich vorstellen, dass für ein Freibad, egal welcher Art, „Photovoltaik und weitere moderne Technik inkludieren, sodass sich die Kosten im überschaubauren Rahmen bewegen“.

„In Zeiten des Klimawandels und damit verbundenen Resourceneinsparungen spricht alles für ein Naturfreibad statt eines herkömmlichen Schwimmbeckens mit aufwendiger chemischer Sauberhaltung“, schreibt Müller. Der Faktor Chlorallergie wird zudem einmal auf wa.de als Argument für ein Naturfreibad genannt.

Naturfreibad „zu steril“

Es gibt aber auch die Befürworter eines klassischen Freibads. „Ich habe schon mehrere Bäder in der Art gesehen und das Wasser war immer sehr kühl“, stellt Dennis Stoltefuß die Frage nach der Beheizung. Das von der Heessener Koalition ins Spiel gebrachte Vorbild des Naturfreibades in Ennigerloh empfindet er als „viel zu steril“. Inwieweit ein Naturfreibad gegenüber einem normalen Freibad elementar etwas Verringerung des Energieausstoßes beiträgt, ist für ihn nicht ersichtlich. Eine Gelegenheit, vor Ort in Heessen draußen zu schwimmen, begrüßt er aber: „Also im Grunde bin ich dafür – aber für ein normales Freibad, damit das in Berge und Selbachpark nicht mehr so überlaufen ist.“

Müller findet abschließend übrigens die Kritik am kleinen Außenbecken in Bockum-Hövel, dass für die Fläche in Heessen auch eine Option sein könnte, ungerechtfertigt: „Es ist richtig, dass dieses Becken nicht groß ist. Aber es liegt in einer wunderschönen Wiese, umrahmt von hohen Bäumen“, hat sie bei ihrem Aqua-Kursus im Sommer dort bemerkt – und besucht von Familien und Jugendlichen sei es auch.

Heessener CDU nennt Vorschläge der Ampel-Koalition „unseriös“

Die Heessener CDU kritisiert die jüngsten Pläne der Ampel-Bezirkskoalition aus SPD, Grünen und FDP zu einem Naturfreibad. „Immer neue Vorschläge, immer neue bunte Bilder und Pläne, aber keine Idee zum Betreiber und zur Finanzierung: Das ist hochgradig unseriös“, wird die CDU-Bezirksfraktionsvorsitzende Gabriele Beltrop-Hengst in einer Pressemitteilung zitiert. Mittlerweile seit zehn Jahren würde diskutiert, Planungs- und Prüfungsaufträge seien vergeben, Mittel eingeplant und bereits rund 10 000 Euro ausgegeben worden. Dennoch liege noch immer kein Ergebnis vor, so Beltrop-Hengst weiter.

Auf eine Anfrage der CDU-Fraktion in der Bezirksvertretung habe die Stadtverwaltung erklärt: „Die Stadtwerke Hamm haben derartige Projekte weder geplant noch projektiert.“ Zudem solle ein „Naturbadeteich“ geprüft werden, von einem Naturfreibad sei in den Planungen nichts zu lesen gewesen, so die Union. „Wir hätten ja mit dem Lippesee alles vor der Haustür haben können“, so Beltrop-Hengst. Dagegen habe der heutige SPD-Landtagsabgeordnete Justus Moor aber mobil gemacht.

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