Arbeiten im Kostenrahmen

Kein Stein bleibt auf dem anderen: Sanierung von Gräfte auf Schloss Oberwerries dauert an

+
Fast jeden Stein nimmt Maurermeister und Steinmetz Franz-Josef Kestermann aus Ibbenbüren in die Hand, prüft ihn und baut ihn nach Möglichkeit wieder ein in die Gräftemauer von Schloss Oberwerries.

Heessen - Die Sanierung der Gräftemauer auf Schloss Oberwerries dauert länger als erwartet. Bei den Arbeiten wird jeder Stein umgedreht.

Ludger Ackfeld zeigt auf eine Stelle in der Mauer und greift dann dort zu. Der Stein zerbröselt. „Manche Steine sind so porös, die sind nicht zu retten“, sagt der Denkmalschützer – und er weist darauf hin, dass die Mauer am Wassergraben von Schloss Oberwerries an vielen Stellen auch ganz in Ordnung ist. Aber selten war die Redewendung so zutreffend wie bei der Gräftemauer: Jeder Stein wird umgedreht.

Das Wasser ist aus dem Wassergraben weitgehend herausgelassen, die Fische anderswo untergekommen. Seit Wochen sanieren die Handwerker die alten Natursteinmauern, die die Gräfte einschließen: vor dem Torhaus, vor den Plätzen, aber auch am Marstall. Schließlich: Auch die Brücke nehmen die Arbeiter bald in Angriff.

Vor dem Torhaus haben die Arbeiter einen Teil der Wand komplett ab- und wieder neu aufgebaut. „An dieser Stelle hatten wir zwei Beulen in der Wand“, erläutert Ludger Ackfeld von der Unteren Denkmalbehörde, „die eine verlief horizontal, die andere vertikal“. Die Arbeiter haben die Mauer vorsichtig abgebaut, die alten Steine wenn möglich wieder verwendet und ansonsten neue eingebaut. Jetzt steht sie wieder, die Natursteinwand.

Jahrhunderte altes Bauwerk

Wie alt sie ist? Ackfeld blickt zu Frauke Frankemöller hinüber, die als Angestellte der Stadt für das Schloss zuständig ist. Aber die zuckt mit den Schultern. „Das Torhaus wurde 1667 erbaut“, sagt sie – ist die Gräftemauer genauso alt? Ackfeld gibt zu bedenken: „Das Torhaus wurde auch schon auf den Grundmauern eines früheren Gebäudes erbaut.“

Die Gräfte auf Schloss Oberwerries wird saniert

Mit mehreren Jahrhunderten lässt sich das Alter der Gräftemauern nur grob umreißen. Und es ist nicht das erste Mal, dass sie saniert wird. Ackfeld zeigt auf eine Stelle ziemlich weit unten, die sonst unterhalb des Wasserspiegels liegt: „Dort kann man sehen, dass die Mauer irgendwann neu verkleidet wurde, damit sie wieder besser aussieht.“ Pfusch am Gräftebau schon vor hunderten Jahren? So könne man das nicht sagen, sagt Ackfeld, „auch eine Verblendung stützt die Mauer ja“.

Das ist auch nötig. An vielen Stellen beult die Mauer aus. Eigentlich wird sie durch das eigene Gewicht stabil, erläutert Frankemöller, aber wenn über Jahrhunderte der Druck des Erdreichs stets anhält? Dann kann es auch schon mal zu Beulen kommen.

Baumwurzeln haben die Mauer durchwachsen

Bei früheren Ausbesserungen wurden Steine verwendet, die an anderer Stelle auf dem Schlossgelände auch zu finden sind. Die schweren Abschluss-Quader an der oberen Kante der Mauer zum Beispiel – sie stammen von der Fassade des Marstalls, wo heute das Café untergebracht ist. „Die haben die Steine da aber nicht abgebaut“, sagt Ackfeld, „sondern die waren wahrscheinlich einfach über“.

Zerbröselnde Steine werden ersetzt, Beulen erfordern eine Gesamtsanierung, Löcher können gefüllt werden – wenn sie nicht die Stabilität gefährden. Alles Auge, alles Handarbeit. Die Sanierung sollte längst abgeschlossen sein, ist aber noch in vollem Gange. Teurer als kalkuliert, sagt Frankemöller, werde sie jedenfalls nicht, es bleibt bei einer Million Euro für diesen Sanierungsschritt. Bis zum Jahresende soll alles abgeschlossen sein – wenn das Wetter hält. Und nicht noch „Überraschungen“ auftauchen.

Noch einiges zu tun

Da sind noch die Wurzeln der mächtigen Hofkastanie: Sie haben die Mauer an unzähligen Stellen durchwachsen. Handlungsbedarf besteht an den meisten Stellen nicht. „Das stabilisiert die Mauer auch“, sagt Frankemöller.

Da ist noch die Verkleidung der Brücke zum eigentlichen Schloss: Sie stammt aus den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts und löst sich langsam von dem Bauwerk. Sie wird zurück- und neu gebaut.

Oder da ist die Ecke zwischen Schloss und Marstall. Sie wird gerade noch durch Bänder gehalten, sonst wäre sie schon in den Graben gerutscht. „Die Hecke hat sie bislang gehalten“, stellt Frankemöller fest. Das wird einer der letzten Sanierungshandlungen sein: Der neue Aufbau dieser Ecke aus alten und neuen Steinen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare