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Kein Kunstrasen für Yunus Emre: Pachtvertrag am Schloss beendet

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Von: Boris Baur

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Die Abrissarbeiten des Vereinsheims von Yunus Emre stehen kurz vor dem Abschluss.
Nur noch Stahlgerüste: Die Abrissarbeiten des Vereinsheims von Yunus Emre stehen kurz vor dem Abschluss. © Andreas Rother

Abrissarbeiten waren zuletzt auf dem maroden Fußballplatz an der Schlossstraße zu beobachten. Der Sportverein Yunus Emre HSV hat in mehreren Etappen sein selbst errichtetes Vereinsheim abgebaut und wird das Areal auch komplett verlassen. Aus dem angestrebten Bau eines Kunstrasens mit neuem Kabinentrakt und Klubhaus wird nichts – zumindest für Yunus Emre. Denn die Stadt Hamm prüft aktuell die Möglichkeit, selbst einen solchen Platz an dieser Stelle zu errichten.

Heessen – Der 2010 gegründete eingetragene Verein und die Stadt haben das Pachtverhältnis an der Dolberger Straße zu Ende 2021 aufgehoben. „Das gemeinsame Projekt Kunstrasenplatz zwischen Stadt und Verein ist abgehakt“, teilte Stadtsprecher Lukas Huster mit.

Die Fußballer waren allerdings schon seit der Saison 2019/20 nicht mehr vor Ort und zum Zechensportplatz hinter dem Autohaus Potthoff umgezogen. Die frühere Heimat des SV 26 Heessen am Schloss war kaum noch bespielbar. Die Entwässerung war kaputt, das führte zu Matsch und Pfützen. Der schlechte Zustand der Drainage war letztlich die Grundlage für die Idee, einen Kunstrasen zu bauen.

Der noch in der Amtszeit von Ex-Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann gemeinsam mit dem Sportamt aufgestellte Plan sah inklusive Sicherheitsabständen eine etwas größere Fläche als bisher für den Sportplatz sowie ein 300 Quadratmeter großes Gebäude an der Nordseite mit Kabinen, Küche, Sanitäranlage und einem 60 Quadratmeter großen Aufenthaltsraum vor. In Heessen hatten sich schnell Gerüchte breit gemacht, es soll auch eine Eventhalle gebaut werden.

Vorhaben 2019 von der Politik beschlossen

Das Vorhaben wurde im Dezember 2019 in der Bezirksvertretersitzung beschlossen. 1,3 Millionen Euro waren für das Projekt eingeplant worden, etwa eine halbe Million für das Gebäude. Die Hälfte davon sollte die Stadt bereitstellen, die andere hatte der Verein zugesagt, der davon rund 150 000 Euro in Eigenleistung erbringen wollte. Gerüchteweise konnte der kleine Klub, der aktuell im Fußballbereich über zwei Senioren-Mannschaften und ein Alt-Herren-Team verfügt, aber seit Jahren keinerlei Jugendabteilung hat, seinen Anteil nicht stemmen.

Daher ist letztlich seitdem außer im planerischen Bereich nichts passiert, lediglich der ungenutzte Platz und mit ihm die Gebäude verwahrlosten. Ins alte Vereinsheim des SV 26 wurde eingebrochen, Sprayer sprühten überall Graffiti und auf der Asche machten sich Moose, Gräser und auch hüfthoch wachsende Pflanzen breit. Spötter sprachen vom neuen Rasenplatz in Heessen, so grün war es im Sommer.

Der alte Ascheplatz ist mittlerweile grün und scheinbar Opfer Vandalen.
Der alte Ascheplatz ist mittlerweile grün und scheinbar Opfer Vandalen. © © Andreas Rother

Neuer Vorstand überrascht, Verein bleibt vorerst in Bockum-Hövel

Gespielt wird auf dieser Fläche in nächster Zeit weiterhin nicht, dennoch gibt vor und hinter den Kulissen Bewegung. So hat Yunus Emre seit Dezember einen neuen Vorstand. Dass das Projekt Kunstrasen nicht weiterverfolgt wurde, sei für den Vorsitzenden Cevdet Karadag „richtig überraschend“ gewesen. Man sei von den Vorgängern vor vollendete Tatsachen gestellt worden, habe bei der Übergabe die fertigen Unterlagen erhalten, so Karadag: „Da konnte man nichts mehr machen.“

Der Verein wird nun vorerst weiter zur Miete in Bockum-Hövel bleiben. Größere Pläne schmiede man nicht. „Wir wollen unsere Aufgaben erfüllen“, sagt Karadag, der den Klub mit seinen Vorstandskollegen wieder als verlässlichen Partner etablieren möchte. Das zeigen die Mitglieder derzeit beim Abbau des Vereinsheims. „Das machen wir selber“, sagt Karadag. Die Arbeit sei schwer – aber man sei fast fertig. Derzeit stehen noch das Stahlgerüst und eine Betonplatte.

Mitte März war zumindest das Gebäude von Yunus Emre noch zu erkennen.
Mitte März war zumindest das Gebäude von Yunus Emre noch zu erkennen. © Baur, Boris

Stadt kündigt regelmäßige Pflege an

„Die von uns gesetzte Frist wird der Verein damit sicher einhalten“, erklärt Huster. Das von Vandalen ebenfalls in Mitleidenschaft gezogene Funktionsgebäude am Eingang bleibe dagegen bestehen, „da hier die – auch für den benachbarten Tennisplatz – untergebracht sind“. Der Tennisverein, der DJK Heessen, hat sich allerdings nach der Sommersaison 2020 aufgelöst, wenig später hatte die Privatschule Schloss Heessen verkündet, die Anlage zu übernehmen und das Klubhaus zu renovieren. Die Fläche gehört ebenso wie die des benachbarten Fußballplatzes Franziskus Freiherr von Ketteler.

Auf Nachfrage sagte Stadtsprecher Huster zu, den Platz in der kommenden Zeit regelmäßig zu pflegen. „Klar ist aber, dass wir für einen aktuell nicht genutzten Platz einen deutlich geringeren Pflegeaufwand ansetzen als für andere Flächen.“ Den Ärger um den wiederkehrenden Vandalismus und die Vermüllung bedauert die Stadt: „Unsere pflegerischen Maßnahmen werden leider immer wieder konterkariert.“

Auch am Funktionsgebäude am Eingang gibt es Probleme mit Vandalismus und Graffitis.
Auch am Funktionsgebäude am Eingang gibt es Probleme mit Vandalismus und Graffitis. © Andreas Rother

Ein kommunaler Kunstrasenplatz?

Für die Verwaltung, die den Fußballplatz gepachtet hat, ist das Ende des Projekts mit Yunus Emre derweil nicht das Ende der Pläne für einen Kunstrasenplatz. „Wir sind derzeit in Vorüberlegungen dazu, ob und wie ein Kunstrasenplatz an der Stelle rein städtisch errichtet werden kann und soll. Sobald wir hier zu einem Ergebnis kommen, werden wir hierüber informieren“, teilte Huster mit. Dazu stünden die bislang bereitgestellten 650 000 Euro aus städtischen Mitteln aus dem alten Beschluss „grundsätzlich zur Verfügung“. Allerdings würde für den Bau ohne Verein, also rein kommunal, ein neuer Beschluss benötigt werden.

Nach Angaben der Stadt werden die Kosten für den reinen Kunstrasenplatz auf 750 000 Euro taxiert. Für das über eine halbe Million Euro teure Funktionsgebäudes müssten zusätzliche Mittel geplant werden, erklärt Huster. In unmittelbarer Nähe sollen die zweite Kita des SVE Heessen sowie das neue Gebäude des Waldorfkindergartens gebaut werden.

Yunus Emre wird umbenannt

Der Sportverein Yunus Emre HSV wird spätestens zur neuen Fußball-Saison nicht mehr so heißen. Das teilte der neue Vorsitzende Cevdet Karadag mit. Der Klub wird in Türkischer Sportverein (TSV) Hamm-Heessen umbenannt. Mit diesem Schritt wolle man sich von der Yunus-Emre-Moschee am Hülskamp lösen und eigenständig werden. Gleichzeitig betont der Name die Verbundenheit mit Heessen, obwohl die Fußballer mittelfristig weiter in Bockum-Hövel auf dem Zechensportplatz trainieren und spielen werden. „Wir hoffen, dass wir irgendwann zurück nach Heessen kommen können“, sagt Karadag.

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