Verein droht Auflösung

Handwerkerschützen Heessen in der Krise

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Symbolbild.

Heessen - Die Handwerkerschützen sind in der Krise. Auf ihrer Jahreshauptversammlung fand sich kein Schützenbruder, der den Vorsitz übernehmen wollte, der bisherige Chef Markus Borgolte war zurückgetreten und trat nicht wieder zur Wahl an. Jetzt wird der Verein durch einen Interimsvorstand geleitet.

Die Krise zeichnete sich bereits im Sommer beim Schützenfest ab: Da wurde es laut, und das waren keine Freudengesänge. Im Herbst kündigte der Vorstand seinen Rücktritt für die Jahreshauptversammlung im Januar an. Und trotzdem waren die Mitglieder nicht wirklich vorbereitet auf das, was kam: Niemand stellte sich als Nachfolger Borgoltes zur Verfügung.

Thomas Jägermann war zum Wahlleiter gewählt worden, und von ihm kam der Vorschlag zur vorläufigen Rettung des Vereins: Der zweite Vorsitzende Dirk Niederheide und die anderen Mitglieder des geschäftsführenden Vorstands werden für sechs Monate zum Interimsvorstand gewählt. Damit haben die Schützen Zeit gewonnen, eine Lösung zu finden, denn ein Verein ohne Vorstand muss vom Amtsgericht zwangsverwaltet, im schlimmsten Fall sogar aufgelöst werden.

Vermögen würde über die Stadt verwertet werden

Das ist eine der größten Sorgen Jägermanns. Der heutige Chef des Stadtverbands der Schützenvereine von Hamm war bis 2007 22 Jahre lang Vorsitzender der Handwerkerschützen und ist heute ihr Ehrenvorsitzender. Sollte der Verein keine Führung finden, würde das Vereinsvermögen über die Stadt für einen guten Zweck verwertet. Und das Vermögen kann sich sehen lassen: Das große Gelände am Hülskamp und das fast schuldenfreie Vereinsheim samt einer unterirdischen 50-Meter-Schießanlage für Kleinkaliber.

Der Ehrenvorsitzende Thomas Jägermann.

Und was ist los im Verein? Dirk Niederheide formuliert es so: „Es wohnt eine zu kleine Familie in einem zu großen Haus.“ Immer weniger Menschen müssen sich immer mehr Arbeit teilen, weil immer weniger Menschen bereit sind, sich ehrenamtlich zu engagieren. „Das ist aber ein allgemeines Problem unserer Gesellschaft, nicht nur das von Schützenvereinen“, sagt Niederheide.

Immer mehr Arbeit, Krach auf dem Schützenfest

Der bisherige Vereinschef Markus Borgolte habe in den vergangenen Jahren immer mehr Arbeit übernommen. Das habe ihn immer mehr belastet und im Sommer habe es dann Querelen gegeben beim Schützenfest – Niederheide: „Das Schützenfest war Ende Juli, und im August hat Markus seinen Rücktritt angekündigt.“ Auch private und gesundheitliche Argumente haben bei der Entscheidung eine Rolle gespielt.

Der Interimsvorsitzende Dirk Niederheide.

Geschäftsführer Kai Lorenz und er hätten zwar mittlerweile viel Erfahrung im Schützenwesen, aber unter sich aufzuteilen, was Borgolte an Arbeit erledigt habe, würde sie in ihrer Freizeit überfordern. Eigentlich hätten auch sie zurücktreten wollen, aber sie hätten sich angesichts fehlender Nachfolger auf der Versammlung eines Besseren besonnen: „Wir wollen uns in dieser misslichen Lage nicht aus der Verantwortung stehlen“, betont Niederheide.

Schießsport mehr in den Mittelpunkt rücken

Kurzfristig verfolge der Verein mehrere Strategien. Zum einen werde man den Terminkalender abspecken und zum anderen eine sinnvolle Aufteilung des Vorstandes für die Präsenztermine auf externen Festen anstreben. Weniger Termine bedeuten auch weniger Arbeit. Und das wiederum erhöhe die Attraktivität der Ämter des Vorsitzenden und der Vorstände. „Die Schießleiter arbeiten an einem Konzept, den Schießsport in unserem Verein wieder mehr in den Mittelpunkt zu rücken und auszubauen, denn dafür wurde unser Vereinsheim einst vorrangig gebaut“, fügt Niederheide hinzu.

Ilona Schorta ist neue Regentin der Handwerkerschützen

Zugleich wollen die Handwerkerschützen nach den Worten ihres Interimsvorsitzenden mit anderen Vereinen intensiver Kontakt aufnehmen, vielleicht auch solchen, die ähnliche Probleme haben. „Wir suchen aber keine Fusion, sondern wir würden eine Interessengemeinschaft mit intensivem Informationsaustausch und gegenseitiger Unterstützung anstreben“, sagt Niederheide.

"Fusion ist pure Spekulation"

Eine Fusion mit den Heessener Bürgerschützen taucht als Gerücht in der letzten Zeit immer wieder auf. „Eine Fusion ist pure Spekulation und von unserer Seite gesehen auch keine Option“, sagt Niederheide. Derzeit gibt es 178 Mitglieder, 25 weniger als ein Jahr zuvor. Als der Handwerker-Schützenverein sich 1952 wiedergründete, hatte er gleich 170 Mitglieder. Interimschef Dirk Niederheide ist trotzdem optimistisch. „Garantien gibt es keine, wir bewegen uns auf dünnem Eis, aber einiges ist möglich und deshalb geben wir jetzt nicht auf“, sagt er.

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