Hygiene-Problem am Heessener Bahnhof: Dreck und Gestank im Tunnel

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Wenn Selina M. die Unterführung am Bahnhof durchquert hat, sehen ihre Einmalhandschuhe hinterher so aus.

Heessen - Wenn Selina M. mit dem Zug am Heessener Bahnhof ankommt oder abfährt, hat sie ein Problem. Und das heißt Tunnel. Der ist so dreckig, dass sie Einmalhandschuhe überzieht, bevor sie die Treppe hinab geht. Denn die 26-Jährige stützt sich an zwei Stellen mit den Händen an der Wand ab. Die Bahn verspricht Abhilfe.

Das hat mit ihrer Behinderung zu tun, die Folge einer Frühgeburt ist: Ihr Gleichgewichtssinn ist störanfällig. Um genügend Sicherheit auf Treppen zu haben, packt Selina mit beiden Händen an den Handlauf, der in aller Regel Treppen begleitet. Nur: An zwei Stellen im Tunnel gibt es Stufen ohne Handlauf. Auf jeder Seite der Gleise führt eine lange Treppe hinunter zum Tunnel. Auf einem großzügigen Treppensatz genau in den Ecken nehmen die Passanten den 90-Grad-Winkel in den Tunnel hinein.

Und dort warten genau unter der Kante der Decke drei weitere Stufen – auf jeder Seite. Und auf jeder der beiden Seiten fehlt der Handlauf. Also stützt sich Selina an der Wand ab. Sonst wäre das Risiko zu groß, das Gleichgewicht zu verlieren. Dass sie vor der Berührung ihrer Hände mit Handlauf oder Wand Einmalhandschuhe überzieht, hat auch mit dem Geruch im Tunnel zu tun.

Der ist das Gegenteil von Lavendel: Es riecht wie in einer Stadiontoilette nach der Halbzeitpause – nur schlimmer. „Ich nenne den Tunnel ,Herpes-Unterführung’“, sagt Selina, „die ist extrem eklig.“ Und wenn sich Pfützen im Tunnel gebildet hätten, frage sie sich lieber nicht, woraus sie bestehen. Nun wird der Heessener Bahnhof bis zum Jahr 2020 umgebaut, um einen Halt der neuen RRX-Züge zu ermöglichen. Was soll denn bis dahin geschehen? Salina M. hat da klare Vorstellungen: „Ein ordentlicher Handlauf aus Edelstahl wäre gut“, sagt sie, „und zwar an allen Treppenstufen.“

Kein Handlauf: Wegen Gleichgewichtsproblemen stützt sich Selina M. bei den drei Stufen auf jeder Seite der Unterführung am Bahnhof mit den Händen an der Wand ab.

Damit wäre der Bahnhof ein Stück barrierefreier: „Über Rollstuhlfahrer haben wir da aber noch nicht gesprochen“, sagt sie. Und wenn die Unterführung einfach häufiger gereinigt würde – das wäre schön. Die Bahn ist mehr als einsichtig. Eine häufigere Reinigung stellt ein Sprecher der Bahn kurzfristig in Aussicht. „Ich kenne den Bahnhof“, so der Sprecher, „die Unterführung dort ist ein öffentliches Urinal, und entsprechend stinkt es dort auch.“ Das ärgere nicht nur die Kunden, sondern auch die Mitarbeiter der Bahn.

Die Bahn lasse den Tunnel regelmäßig reinigen, aber den Gestank bekomme man einfach nicht mehr raus. Hoffnung macht der Sprecher mit dem Hinweis auf den Bahnhofsausbau: „Wir erhoffen uns eine gründliche Aufwertung der Station.“ Auch der fehlende Handlauf sei bekannt. „Wir prüfen, was wir tun können“, so der Bahnsprecher, „Wenn eben möglich, wird er ersetzt oder angebaut.“ Die Sache sei in Arbeit – so viel könne er sagen.

Der vollständige Name von Selina M. ist der Redaktion bekannt.

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