Zahl der Straftaten extrem gestiegen: Wie gefährlich ist Heessen wirklich?

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Autoaufbrüche – hier gab es einen extremen Anstieg der Zahlen in Heessen. Verantwortlich dafür war ein kriminelles Duo, das jetzt in U-Haft sitzt.

In Nordrhein-Westfalen hat die Polizei 2019 insgesamt so wenig Kriminalität registriert wie seit 30 Jahren nicht. In Heessen aber ist das Bild dramatisch anders.

Hamm - In Dortmund ging die Zahl der Straftaten zurück. In Lünen auch, in Münster gab es nur einen leichten Anstieg. Auch in Hamm hat sich „das Deliktsaufkommen auf niedrigem Niveau stabilisiert“, wie die Polizei berichtet. In Heessen aber ist die Zahl der angezeigten Straftaten fast 50 Prozent höher als im Vorjahr. Ist Heessen ein gefährliches Pflaster geworden?

Ein klares „Nein“ kommt dafür von Polizeisprecher Hendrik Heine. Er wirbt dafür, sich die Zahlen genauer anzusehen. Konkret stieg die Zahl der registrierten Straftaten in Heessen um 638 auf 1915. „Eine deutliche Zunahme, keine Frage“, sagt Heine. Allerdings, so schränkt er ein, habe man 2018 auch so niedrige Zahlen wie seit vielen Jahren nicht gehabt. Und: In manchen Fällen sei die Erklärung für die nun höheren Deliktszahlen einfach.

Kriminelles Duo aus Heessen

So gehe der enorme Anstieg bei Diebstählen am oder aus dem Auto (235 mehr als im Vorjahr) zum großen Teil auf ein kriminelles Duo aus Heessen zurück, das monatelang im Stadtteil zahlreiche Autos geplündert hatte. „Diese Täter sitzen seit Dezember in Untersuchungshaft“, sagt Heine, „seitdem ist Ruhe.“

Eine ganz simple Erklärung gibt es auch für den Anstieg bei Ladendiebstählen (+78). Heine: „Der Real-Markt hat einen neuen Ladendetektiv. Und der ist sehr fleißig.“

Nicht ganz so einfach ist die Erklärung bei den Wohnungseinbrüchen. Hier liegt der aktuelle Anstieg laut Heine schlicht im Wesen der Statistik begründet. In die gehen nämlich nur die Fälle ein, in denen die Ermittlungen abgeschlossen sind. Tatsächliche Einbrüche habe es 2019 „nur“ 25 gegeben – in die Statistik sei aber auch eine große Anzahl Fälle von 2018 eingeflossen, weil die Ermittlungen aufwendig gewesen seien.

"Pornographische Schriften"

Nächstes Beispiel: Sexualdelikte. „Der Bürger“, so Heine, „denkt dabei schnell an Verbrechen wie Vergewaltigung.“ Davon habe es in Heessen im vergangenen Jahr keine einzige gegeben. Ein Großteil der registrierten Straftaten sei die „Verbreitung pornographischer Schriften“ gewesen – was in der Regel heißt: Ein Täter verschickt pornographische Bilder per Handy. In Heessen ermittelte die Polizei 2019 einen solchen Täter – allein sieben Fälle gehen auf sein Konto.

Raub – „auch so eine Straftat, die das Sicherheitsgefühl der Bürger beeinträchtigt“, wie Heine sagt. Häufig verberge sich unter diesem Punkt aber „räuberischer Diebstahl“. So gab es in Heessen sechs Fälle, wo sich ein ertappter Ladendieb mit Gewalt vom Detektiv losriss oder mit Gewalt drohte. So wird dann aus Ladendiebstahl ein Raubdelikt.

Autobesitzer selten betroffen

Bleiben Fahrraddiebstahl (hier hat die Polizei keine Erklärung für den Anstieg), Taschendiebstahl (hier habe man es vermehrt mit reisenden Tätern zu tun) und Sachbeschädigung. Auch da gab es deutlich mehr Straftaten. Sehr oft waren Autobesitzer betroffen. So habe man Ende des Jahres eine ganze Reihe abgetretener Autospiegel und im Februar mehrere zerkratzte Autos registrieren müssen. Und 14 Fälle gingen auf das Konto eines Zehnjährigen, der im April und Mai 2019 immer wieder Scheiben an der Mark-Twain-Förderschule eingeworfen habe.

Heines Fazit: Ein Problembezirk sei Heessen ganz sicher nicht: „Davon kann keine Rede sein. Die Bürger müssen dort keine Angst haben.“ Er versichert aber auch: „Wir sind präsent in Heessen, um Straftaten wirksam zu bekämpfen.“ Und Hoffnung auf eine bessere Statistik für dieses Jahr hat Heine auch: „Aktuelle Fallzahlen zeigen, dass sich die Straftaten wieder auf dem Niveau der Vorjahre bewegen.“

Kriminalität in Hamm 2019 - Die Grafiken der Polizei zu Entwicklung

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