Vorwürfe gegen Stadtverwaltung

Die Nester bleiben, die Allergien auch: Familie Gutsche wohnt seit zwei Monaten neben Eichenprozessionsspinnern

Ein dickes Ding: In einer Eiche an der Mansfelder Straße, Ecke Hardinghausstraße haben sich Eichenprozessionsspinner eingenistet. Die Anwohner haben die Stadt bereits mehrfach und ergebnislos darauf hingewiesen.
+
Ein dickes Ding: In einer Eiche an der Mansfelder Straße, Ecke Hardinghausstraße haben sich Eichenprozessionsspinner eingenistet. Die Anwohner haben die Stadt bereits mehrfach und ergebnislos darauf hingewiesen.

Manfred Gutsche hofft, dass er sein Cortison-Spray bald nicht mehr inhalieren muss. Auch seiner Haut geht es besser, ein paar rote Punkte weisen noch auf die allergische Reaktion auf die Haare des Eichenprozessionsspinners hin.

  • Familie Gutsche aus Hamm leidet seit Wochen unter dem Eichenprozessionsspinner.
  • Die Familienmitglieder haben mit allergischen Reaktionen zu kämpfen.
  • Hinweise bei der EPS-Hotline der Stadt Hamm haben nichts bewirkt.

Heessen – Seit Pfingsten ist Manfred Gutsche von den unangenehmen Tieren umgeben, auf die er so heftig reagiert – einige Nestern hängen seither direkt gegenüber seiner Haustür im Baum. Alle Hinweise bei der EPS-Hotline der Stadt und beim Grünflächenamt halfen nicht.

Gutsches ganze Familie leidet unter den Haaren der Raupe. Seine Frau Monika kann ebenfalls schlecht atmen, sie und sein Sohn Manuel, seine Schwiegertochter und sein vier Jahre alter Enkel haben Hauterkrankungen. Das alles seit zwei Monaten. Dabei hat die Familie eigentlich alles richtig gemacht.

Eichenprozessionsspinner in Heessen: Zu hohe Nester am Baum

Nach einem vergeblichen Versuch ein paar Tage zuvor erreicht Vater Manfred Gutsche am 2. Juni die städtische Hotline, die Angaben zum EPS entgegennimmt. „Ich habe aufgezählt, wo der Eichenprozessionsspinner in der Umgebung überall sitzt“, sagt er, „und das wurde auch so aufgenommen.“ Vor allem in den Bäumen rund um die Hardinghausstraße und die Mansfelder Straße hat sich der EPS häuslich eingerichtet – praktisch alle Wege werden von den Kindern der Josefschule genutzt.

Genau zehn Tage später kommt die Gartenbaufirma, die den Spinner beseitigt – sogar mit zwei Hubwagen. Die reinigen den Spielplatz nahe der Schule von den Nestern. Auf die weiteren Nester an der Ecke von Mansfelder Straße und Hardinghausstraße hingewiesen, zeigen sich Arbeiter kooperativ – können aber nicht tätig werden: der verbliebene Hubwagen ist zu klein. Ab einer gewissen Höhe bleiben die Nester am Baum. Der Vorarbeiter versichert, auch die Reste würden entfernt.

Die Nester der Eichenprozessionsspinner bleiben

Einen Tag später, am 13. Juni, gibt es eine Begehung – auf Nachfrage von Sohn Manuel Gutsche antworten die Männer, die die Nester an den Bäumen in Augenschein nehmen, es müsse schnellstens ein größerer Hubwagen her. Wer genau die Begehung unternimmt, weiß Gutsche nicht. Allerdings: Es passierte nicht. Die Nester bleiben.

Die Schwiegertochter informiert die Stadt am 19. Juni per Mängelmelder und schickt Fotos der EPS-Nester, vor allem von den großen an der Ecke. Die Reaktion: man werde das weiterleiten. Die Nester bleiben. Noch mal eine Woche später, am 26. Juni, ruft Gutsche das Grünflächenamt direkt an. Wer ihm sagte, er werde die Meldung weitergeben, weiß er nicht. Er weiß nur: Die Nester blieben.

Überall Gifthaare - Eichenprozessionsspinner verhindert Aufenthalt im Garten

Unterdessen geht die Familie kaum noch in ihren Garten. „Wir konnten bei leichtem Wind die Haare in der Luft sehen“, sagt Ehefrau Monika Gutsche, „ganze Wolken.“ An einem Tag liegen die allergenen EPS-Haare auf der Mansfelder Straße, sie greift nach Wasser und Essig und reinigt die Straße. Weitere Schwierigkeit: Manfred Gutsche soll wegen seiner Schlafapnoe bei offenem Fenster schlafen – aber: Genau gegenüber von den Spinner-Nestern?

Ein Monat ist vorbei, die Gutsches geben nicht auf. Am 6. Juli sehen sie Arbeiter Nester entfernen – an der Mansfelder Straße in Höhe des Kiosks, genau gegenüber der Ecke mit der Hardinghausstraße. Auf die Nester dort angesprochen, habe der Vorarbeiter gesagt, für diese Stelle habe er keinen Auftrag. Und: „Die Ecke gehört nicht zum Schulweg.“ Allerdings: Nur über die Mansfelder Straße erreichen die Kinder die Hardinghausstraße, die zur Josefschule führt.

Nester von Eichenprozessionsspinner sollen entfernt werden - doch es gibt Chaos bei Ansprechpartner

Noch am selben Tag machen die Gutsches erneut Meldung. Im Grünflächenamt erfährt Manuel Gutsche, dass die Nester am 13. Juli entfernt würden. Er ist erleichtert. Nur: An diesem Tag werden keine Nester entfernt. Seine Mutter Monika sagt: „Okay, 13. Juli – aber er hat nicht gesagt, welches Jahr.“

Auch danach rufen die Mitglieder der Familie Gutsche mehrfach an, bei der Hotline und im Grünflächenamt. Mal heißt es, man sei nicht zuständig, mal findet sich kein Eintrag. Am vergangenen Montag ist die Auskunft: Es sei nie ein Auftrag für die Ecke von Mansfelder Straße und Hardinghausstraße angelegt worden, man werde jetzt einen neuen anlegen...

Meisen als natürliche Feinde der Eichenprozessionsspinner

Nach Angaben der Familie Gutsche hat die Stadt an den Bäumen auf der Grünfläche zwischen Hardinghausstraße und Uedinghoffstraße Meisenkästen angebracht – die Vögel, heißt es, seien natürliche Feinde der Eichenprozessionsspinner. Sie sehen das mit gemischten Gefühlen. Natürlich sei es gut, das zu versuchen, sagt Sohn Manuel Gutsche, aber die Kästen seien zu spät aufgehängt worden: „Wenn die Larven erst mal die Haare haben, gehen die Meisen da auch nicht mehr dran.“ Auch im Garten der Gutsches hängen Meisenkästen, aber sie werden von den Vögeln in der Regel nicht bezogen.

Stadtverwaltung nimmt Stellung zu Vorwürfen

Ein Sprecher der Stadt hat zu den Vorwürfen Stellung genommen: In dem genannten Bereich seien der Stadt Beschwerden wegen des Eichenprozessionsspinners bekannt. Im Bereich Mansfelder Straße 60 handele es sich um befallene Bäume in Privatbesitz: „Wir haben die Schadensmelderin hierüber informiert und die Eigentümer aufgefordert, die Nester entfernen zu lassen – zuständig sind wir hier nicht.

Die Meldungen über Nester der EPS haben deutlich zugenommen. Die Stadtverwaltung kann die Nester der Giftraupen nicht immer so schnell entfernen, wie sie es beabsichtigt hat. Das erklärt die zunehmenden Meldungen – auch beim WA - zum Beispiel hier aus dem Uentroper Dorf, wo ein Nest fast zum Greifen nah über der Fahrbahn hängt. Die einen verwirren, die anderen saugen ab und wiederum andere setzen auf Meisen als natürliche Feinde oder die Behandlung der Eichen mit Bioziden. Eine Firma aus Hamm geht jetzt einen neuen Weg. Sie setzt auf Schaum. Um die Eichenprozessionsspinner-Plage zu bekämpfen, setzt die Stadt Hamm auch auf ein Pilotprojekt mit einer erotischen Mogelpackung und einer besonderen Form der Verhütung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare