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Möglicher Kunstrasen am Schloss: So könnte er ausgelastet werden

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Von: Boris Baur

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Idyllische Grünfläche? Nein, das ist der ehemalige Asche(!)-Fußballplatz an der Schlossstraße. Seit 2019 wird hier allerdings nicht mehr gespielt.
Idyllische Grünfläche? Nein, das ist der ehemalige Asche(!)-Fußballplatz an der Schlossstraße. Seit 2019 wird hier allerdings nicht mehr gespielt. © Reiner Mroß

Ein Ball rollte auf dem ehemaligen Aschenplatz an der Schlossstraße schon lange nicht mehr, Gedanken kreisen aber über einen kommunalen Kunstrasen. Der WA sprach mit drei möglichen Nutzern.


Heessen – Seit knapp drei Jahren wird an der Schlossstraße kein Fußball mehr gespielt, die Planungen der Verwaltung gemeinsam mit dem früheren Nutzer, Yunus Emre HSV, einen Kunstrasen zu errichten, sind gescheitert. Doch Sportplatz soll das Areal nach Willen der Stadt wohl bleiben, zumindest gibt es Überlegungen dahin. Dafür müsste es aber genügend Nutzer geben, bei dreien ist ein Interesse an einer solchen Anlage durchaus vorhanden.

Ausgangslage

Die Stadt hat Vorüberlegungen angestellt, „ob und wie an der Stelle rein städtisch“ ein Kunstrasenplatz errichtet werden „kann und soll“, teilte Sprecher Lukas Huster Ende März mit. Konkretes gebe es dazu aktuell nicht, „(noch) keinen neuen Stand“, vermeldete Huster auf erneute Nachfrage diese Woche. Neben den Kosten für Platz und Funktionsgebäude muss allen voran die Grundstückspacht geklärt werden. Den Schlossbesitzern der Familie Ketteler und Boeselager gehört auch diese Fläche.

Zwischen Privatschule und Internat und dem Sportplatz (etwas nach hinten verlagert, ungefähr auf Höhe der angrenzenden Tennisanlage und des Fußball-Strafraums) sollen außerdem zwei Kita-Neubauten entstehen. Eine wird vom SVE Heessen betrieben werden, der 2019 schon am Marienstadion eine solche Einrichtung gebaut hatte und dort auch eine Übergangskita führt. In das andere Gebäude soll der Waldorf-Kindergarten aus der Innenstadt einziehen. Die dafür vorgesehenen Flächen sind ebenfalls in Besitz der Schlossherren. Schon im März hieß es, die Verhandlungen seien gut fortgeschritten. „Die laufenden Gespräche kommentieren wir nicht“, so Huster jetzt.

Stephanusschule

Die Grundschule liegt nur einige hundert Meter vom Sportplatz entfernt. „Wir wären froh, wenn wir einen Kunstrasen dort nutzen könnten. Das ist ja ein Katzensprung. Derzeit müssen wir immerzu ins Jahnstadion, wenn wir größere Veranstaltungen haben“, sagt Schulleiterin Patricia Grewatta. Früher führte die Schule zum Beispiel ihre Bundesjugendspiele auf dem Platz durch, wegen der Verletzungsgefahr auf Asche sei das irgendwann nicht mehr gemacht worden. Ein Wunsch Grewattas wäre, dass an eine „kleine Tartanbahn und eine kleine Sprunggrube“ gedacht wird.

Nicht nur für einzelne Veranstaltungen, sondern auch für regelmäßige Stunden bis in den Nachmittag hätte die Stephanusschule Verwendung. Sobald das Wetter es zulässt, könnten im Schulbetrieb Feldsportarten, aber auch Sportspiele wie Brenn- und Völkerball an der Schlossstraße durchgeführt werden – mit wesentlich mehr Platz als in der Einfach-Turnhalle. „Kunstrasen wäre da optimal“, so Grewatta.

Man könne jetzt zwar zum Fußballspielen auf den Bolzplatz und zum Laufen auf den Schulhof, das störe aber die anderen Klassen. Nachmittags wiederum könnten im Sommer die Sport-AGs der OGS sowie Tanzkurse und die Akrobatikgruppe, die derzeit in die Aula ausweichen, wenn die Halle von Vereinen belegt ist, auf den Platz.

Privatschule/Internat Schloss Heessen

„Wir freuen uns immer, wenn Möglichkeiten geschaffen werden“, sagt Renke Reichler, Käufmännischer Leiter von Privatschule und Internat, zur im Raum stehenden Realisierung eines neuen Sportplatzes in unmittelbarer Nähe des Schlosses. Den würde man gerne mitnutzen. Sport fände zwar auch auf dem eigenen Gelände statt, man müsse aber auch auf städtische Flächen in Heessen und Werries ausweichen. Den Plänen höre man daher aufmerksam zu.

Überdies ist den Verantwortlichen das Erscheinungsbild der zum Schloss führenden Straße wichtig, nachdem der verwaiste Platz und das Drumherum zunehmend verwahrlost waren. „Entscheidend ist für uns auch ein ordentliches Entrée.“ Die Stadt kümmere sich mittlerweile ordentlich darum. Den Bau der beiden Kitas und einen regelmäßig genutzten Sportplatz findet Reichler ebenfalls begrüßenswert.

Die Schule hat außerdem die Tennisanlage des aufgelösten Vereins DJK Heessen übernommen, will die Plätze Schülern und Fremden zum Spielen anbieten. „Das Vereinsheim renovieren wir fleißig vor uns hin“, sagt Reichler, allerdings verlaufe es wegen Corona, Handwerker- und Materialmangels schleppender als geplant.

Lost Place: Das ehemalige Vereinsheim des SV 26 ist eines der letzten Zeugnisse des Sportplatzes.
Lost Place: Das ehemalige Vereinsheim des SV 26 ist eines der letzten Zeugnisse des Sportplatzes. © Reiner Mroß

SVE Heessen

Am Marienstadion betreibt der SVE eine Sport-Kita, und Bewegung soll auch in der zweiten Einrichtung eine große Rolle spielen, wie Präsident Markus Röser betont. Wird diese, wie derzeit geplant, am Schloss realisiert, biete ein Kunstrasen viele Möglichkeiten. „Wir hätten ein hohes Interesse, den Platz zu nutzen. Im jetzigen Zustand der Asche ist er aber nicht nutzbar“, sagt Röser. Diesbezügliche Gespräche, auch über eine eventuelle Kostenbeteiligung gebe es jedoch bislang noch nicht.

Der SVE hat laut Röser auch über den Kita-Betrieb hinaus Bedarf für einen Kunstrasen, vor allem mit einer Flutlichtanlage, wie sie am Schloss existiert. Vier Senioren- und 14 Juniorenmannschaften hat der Verein derzeit gemeldet, dazu die Alt-Herren-Abteilung, die Walking-Football-Gruppe und seit Jahresbeginn ein Frauen-Team – die Trainingszeiten sind aktuell voll ausgelastet.

Der Rasenplatz im Marienstadion verfügt zudem über keine Beleuchtung. „In der Winterzeit ist das durch den Busch nicht zu kompensieren.“ Dort ist ein weiterer beleuchteter Rasenplatz, auf dem die Folgen des Trainings- und Spielbetriebs von Januar bis März noch jetzt zu sehen sind. „Ich glaube, dass ein Kunstrasenplatz am Schloss voll ausgelastet wäre“, sagt Röser.

Yunus Emre hat seine Spuren beseitigt

Fast zehn Jahre spielte der Fußballverein Yunus Emre HSV auf dem Platz an der Schlossstraße. Er baute in dieser Zeit ein Vereinsheim, das abbrannte und noch einmal neu aufgebaut wurde. Weil der Platz ab Herbst wegen einer kaputten Drainage nicht mehr bespielbar war, zog der Verein zur Saison 2019/2020 an den Zechensportplatz hinter dem Potthoff-Gelände in Hövel um und wird dort auch bis auf Weiteres bleiben. Der Platz wucherte seitdem zu.

Ende des vergangenen Jahres lösten Verein und Stadt den Pachtvertrag in Heessen auf. Das mit 1,3 Millionen Euro veranschlagte Projekt Kunstrasenplatz plus modernes Vereinsheim, das noch unter Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann angeschoben worden war, war damit auch Geschichte. Im Frühjahr baute der Verein in Eigenleistung alles zurück, das eigene Gebäude wurde abgerissen, Werbebanden und Tore abgebaut.

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