Baustelle Münsterstraße im Hammer Norden

Chaos am Riemerskamp: Weiter Ärger über dreiste Fahrer

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An Dreistigkeit kaum zu überbieten: Ein 40-Tonner fährt durch den Riemreskamp (Anlieger frei) und trotz Linksabiegeverbots sogar noch links an der Verkehrsinsel vorbei. Solche und andere Szenen beobachten die Anwohner täglich.

Hamm-Norden - Noch immer nutzen viele Autofahrer den Westberger Weg und „Am Riemerskamp“, um die Baustelle auf der Münsterstraße Richtung Norden zu umfahren – trotz der eindeutigen Beschilderung, dass diese Wege nur Anliegern vorbehalten sind.

Allerdings beobachten Anwohner unterschiedliche Entwicklungen. Und eine Entscheidung der Stadt stößt auf Unverständnis bei Anwohnern des Riemerskamps. Während sich nach Auskunft einer Mitarbeiterin des Awo-Seniorenzentrums Wolfgang Glaubitz die Verkehrssituation leicht entspannt hat, eskaliert die Lage im Riemerskamp beinahe täglich. Die Awo-Mitarbeiterin sagt: „Wir haben hier noch immer jeden Tag Staus, aber die wilden Zeiten, dass die Autos über die Bürgersteige fuhren, sind erst einmal vorbei.“

Ganz anders sieht das Werner Misdziol für den Riemerskamp. „Seit die Stadt verboten hat, dass man vom Riemerskamp links in die Münsterstraße abbiegen darf, herrscht hier jeden Tag Chaos“, sagt er. Autofahrer machten eine zweite Spur auf, um trotz des Verbots nach links abzubiegen – also auf der Gegenspur. Und dann blockierten sich die Fahrzeuge gegenseitig. „Die Hupkonzerte wollen Sie nicht vor Ihrem Haus haben“, sagt der Anwohner.

Der tägliche Stau.

Sein Nachbar Ralf Füser stimmt ihm zu: Manchmal bögen sogar 40-Tonner nach links ab, blieben aber in der Kurve stecken und müssten mehrere Minuten lang rangieren, um die Kurve zu kriegen. „Dann geht nichts mehr“, sagt Füser. Und genau in dem Moment können beide diesen Vorgang beobachten: Ein Riesenlastwagen biegt über die Gegenspur nach links auf die Münsterstraße ab.

Das Lidl-Schild zeigt nach links. Linksabbiegen dürften die Autofahrer aber am Riemerskamp eigentlich nicht. Sie müssten den Umweg über den Kreisverkehr Münsterstraße/Sachsenweg nehmen und dann wieder zurückfahren.

Dass es dabei nicht nur um ein paar Verkehrsregeln geht, wird an der Stellungnahme eines Sprechers der Stadt deutlich. Das Linksabbiegeverbot sei planmäßig erfolgt, denn jetzt beginne der Bau eines Schachts – und zwar genau neben der Linksabbiegestrecke. „Bei größeren Fahrzeugen wird der Radius zu eng“, sagt der Sprecher, „die kommen dann zu nah an den Schacht heran uns könnten ihn beschädigen.“ Er fasst zusammen: „Wer nach links abbiegt, sollte sich im Klaren sein, dass er nicht nur eine Verkehrsregel bricht, sondern dass es im Ernstfall richtig teuer werden kann, wenn er den Schacht beschädigt.“

Der Sprecher kündigte an, die Stadt werde die Beschilderung noch verbessern, und er verweist auf die Umleitung: Autofahrer, die Richtung Innenstadt wollten, sollen zunächst nach rechts abbiegen, bis zum Kreisverkehr mit dem Sachsenring fahren und von dort die Münsterstraße Richtung Süden zurückfahren. In etwa zwei Wochen soll das Linksabbiegeverbot wieder aufgehoben werden, wenn alles nach Plan verläuft.

Nicht mehr Richtung Real abbiegen?

Nach rechts abbiegen dürfen aber nur Anlieger – denn allen anderen ist die Straße verwehrt. Wer aus Innenstadt nur Richtung Norden fahren will, soll über die Heessener Straße und den Sachsenring fahren. Über den Westberger Weg und den Riemerskamp zu fahren, kann zu Staus führen oder Verwarnungsgeldern in Höhe von 20 Euro nach sich ziehen.

Anwohner Werner Misdziol hätte eine andere Lösung – und versteht nicht, dass die Stadt es anders entschieden hat: „Wenn die Autos nicht mehr Richtung Real auf die Münsterstraße abbiegen dürften, gäbe es übermorgen keinen Stau mehr“, sagt er, „und wir Anwohner nehmen dann eben einen kleinen Umweg in Kauf.“ Die Stadtsprecher will diese Anregung weiterleiten: „Die Kollegen werden dann prüfen, ob man das umsetzen kann“, sagt er.

Was ist ein Anlieger?

„Für Anlieger frei“: Wenn die Polizei Autofahrer auf der illegalen Umleitung um die Baustelle der Münsterstraße über den Westberger Weg und den Riemerskamp kontrolliert, gehen alle Autofahrer unbeschadet aus der Kontrolle heraus, die zu den Anliegern zählen. Aber wer ist eigentlich Anlieger? Eine Sprecherin der Polizei erklärt’s: „Alle Personen sind Anlieger, die ein berechtigtes Anliegen haben, in die Straße hereinzufahren.“

Konkret sind das alle Anwohner der genannten beiden Straßen sowie der Senseburger Straße und der Rasteburger Straße, die nur über den Westberger Weg oder den Riemerskamp erreichbar sind, und deren Besucher, alle Geschäftsleute und deren Kunden, alle Eltern die Kinder zur Kita Jakobsbrunnen oder zur Karlschule bringen oder abholen sowie die Beschäftigten dort. Auch wer zu Angehörigen im Awo-Seniorenheim will, gehört dazu. Kein Anwohner ist, wer über den Westberger Weg und den Riemerskamp Lidl an der Münsterstraße ansteuert, denn er könnte auch über den Sachsenring auf die Münsterstraße gelangen. Die Polizeisprecherin: „Wenn es eine andere Möglichkeit gibt, sein Ziel zu erreichen, muss diese nutzen und darf nicht durch die Anliegerstraße fahren.“

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