Ungewöhnliche Konturen in der Lippeaue

Hamm hat eine neue Insel, die es manchmal gar nicht gibt!

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Erste topografische Ergebnisse der Arbeiten in der Lippeaue zeichnen sich ab: An der Grenze zu Bockum-Hövel wurde ein Altarm der Lippe reaktiviert, der bei höherem Wasserstand eine Insel entstehen lässt. Die Fläche bleibt weitgehend unbearbeitet.

Hamm - Auf einmal hat Heessen eine Insel mehr, wenn auch in Sichtweite der Innenstadt und am äußersten Rand an der Grenze zu Bockum-Hövel: Sie liegt direkt neben dem Bahndamm von Wasser komplett umgeben.

Allerdings: Die Insel wird voraussichtlich nicht an jedem Tag des Jahres eine sein. Sie ist einer der ersten Bestandteile des Projekts „Lebensraum Lippeaue“, die Gestalt annehmen. „Wir haben einen Altarm der Lippe als Flutmulde ,reaktiviert“, sagt ein Sprecher der Stadt, „das bedeutet, der Altarm wird geflutet, wenn die Lippe viel Wasser führt wie jetzt, er wird aber nicht durchgängig Wasser führen.“

Biologin Vera Tiede vom Projektteam Lippeaue ergänzt, dass man erwartet, dass der Arm an etwa 90 Tagen im Jahr komplett mit Wasser gefüllt ist, an den anderen wird es überflutete Bereiche oder einfach Riesenpfützen geben. Der größte Teil des Areals rund um die Insel, die keine ist, bleibt, wie er jetzt ist. Nur dort, wo die Strömung mit ihrer Kraft an Stellen Land mitnehmen könnte, wo es unerwünscht ist, werden Weiden gepflanzt.

Das wird beim Zufluss des Kläranlagen Wassers sein und an im Bild sichtbaren „Ecke“ von Lippe und Altarm kurz vor dem Bahndamm: „Flüsse suchen sich ihren Weg, und das soll die Lippe auch“, sagt Tiede, „aber an dieser Stelle wollen wir das Ufer schützen.“ Die Weidenpflanzung ist jetzt günstig: Weidenschnitt wird einfach eingepflanzt.

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Da ist ja nur ein Erdloch, das ist ja leer?

Daneben wird es einige Stellen geben, an denen die Böschung ein wenig steiler ist – dort greife man auf Regio-Saatgut zurück – also Saatgut aus Region, so Tiede. Damit bekomme die Böschung etwas Halt. Der Rest bleibt leer.

„Viele Bürger sagen am Anfang, wenn ein solches natürliche Gebiet angelegt wird: Da ist ja nur ein Erdloch, das ist ja leer“, sagt Tiede, „aber unsere Erfahrung ist, dass sich diese Flächen schnell mit Pflanzen aus der Nachbarschaft begrünen.“ Das beginne niedrig und nach einigen Jahren entstehe ein Auwald. Allerdings: „Von Zeit zu Zeit schauen wir, was sich dort ansiedelt, um eventuell eingreifen zu können“, so Tiede. Das könnte zum Beispiel für invasive Pflanzen gelten – also: eingewanderte, die ihre Umgebung dominieren.

Bilder vom Lippeauen-Sandkasten an der Münsterstraße

Es werden noch Wege angelegt

Wege würden in diesem Bereich nicht angelegt, aber die Hammer könnten durchaus auch hier an die Lippe gelangen. Grundsätzlich aber unterscheidet Tiede zwischen Flächen, die der Natur allein zur Verfügung stünden und Flächen, durch die die Menschen durch Wege geführt würde, auf dass sie die Natur erleben könnten.

Und wann kommen die Tiere? „Das kann sehr schnell gehen“, sagt Vera Tiede. Das Tempo hänge auch davon ab, welche und wie viele Tiere in unmittelbarer Nachbarschaft lebten. Sie hoffe auf die Biber, zu rechnen sei auf jeden Fall mit Vögeln wie Uferschwalben oder später möglicherweise Eisvögel. Mit Störchen sei dagegen eher nicht zu rechnen, ihnen fehlte in diesem Bereich die Möglichkeit, Nester bauen.

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