Für manche Hammer gilt die Maskenpflicht eben nicht

Hausverbot trotz ärztlichen Attests - Das harte Los eines Betroffenen

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Chronisch Kranken bereitet die Maskenpflicht auch in Hamm ein fieses Problem. Eine Lösung ist schwierig.

Hausverbot trotz ärztlichen Attests: Chronisch Kranke, die keine Maske tragen dürfen, schauen beim Einkaufen in die Röhre. Ein aktueller Fall aus Hamm.

Hamm – Noch so ein Spezialfall: WA-Leser Jörg V. leidet an mehreren schweren und teils chronischen Atemwegserkrankungen. Von seinem Hausarzt hat er deshalb ein Attest mit dem Inhalt bekommen, dass er keine Schutzmasken tragen kann und auch nicht darf. Gleiches gilt für seine Ehefrau. Auch sie ist krankheitsbedingt von der Maskenpflicht befreit. Aber wie bringt man das nun seiner Umwelt bei?

„Wir haben das Problem, dass wir fast überall Hausverbot bekommen“, schreibt Jörg V. an die Redaktion. Jüngst sei das passiert, als er in der Innenstadt eine Apotheke habe aufsuchen wollen und keinen Mund- und Nasenschutz trug. Die Stadt und der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) wüssten über die maskenpflichtigen Befreiungsmöglichkeiten Bescheid, nicht jedoch die Geschäftsleute.

Ein Sprecher der Stadtverwaltung bestätigt zunächst einmal, dass es die Möglichkeit gibt, sich vom Arzt von der Maskenpflicht befreien zu lassen. Geregelt ist das in Paragraph 12 der Corona-Schutzverordnung. „Man müsste das Attest noch nicht einmal zwingend dabeihaben“, sagt Stadtsprecher Tom Herberg über die Anwendung des Erlasses. Praxistauglich wäre das aber natürlich überhaupt nicht und somit auch nicht zu empfehlen.

Geschäftsleute setzen Hausrecht um

Das ärztliche Attest ist allerdings im Zweifel weniger wert als das Papier, auf dem es geschrieben ist. „Die Geschäftsleute haben in ihren Betrieben das Hausrecht“, sagt Herberg. Wenn also ein Geschäftsinhaber davon Gebrauch mache, sei das statthaft und vom Betroffenen hinzunehmen. Zudem dürfe man den Geschäftsleuten auch per se keine bösen Absichten unterstellen. Viele wollten vermeiden, dass es Diskussionen und Streitigkeiten unter den Kunden gebe.

Weil die Aussicht, nun wochen- und möglicherweise monatelang nicht einkaufen gehen zu können, allerdings auch nicht erstrebenswert ist, will die Stadt nun noch einmal die Geschäfte anschreiben und auf den Paragraphen 12 aufmerksam machen. Im Zweifel allerdings wird Jörg V. nichts anderes übrig bleiben, als auf die freiwilligen Einkaufsdienste zurückzugreifen. Jörg V., das bestätigte die Stadtverwaltung, sei kein Einzelfall. Wie viele Menschen in Hamm in dieser Situation stecken, könne aber nicht gesagt werden. Entsprechende Statistiken werden im Rathaus nicht geführt.

Über ein ähnliches Problem in Hamm berichtete WA.de bereits vor ein paar Tagen.

Coronavirus in Hamm - weitere Infos:

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