Bei türkischer Hochzeit reich beschenkt

Ehepaar bekommt Geld vom Jobcenter und hortet einen wahren Goldschatz

Ein Hammer Ehepaar hat bei seiner Hochzeit zahlreiche Goldgeschenke bekommen.
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Grundstock für ein gutes Leben? Ein Hammer Ehepaar hat bei seiner Hochzeit zahlreiche Goldgeschenke bekommen. Gelebt hat es aber wohl nicht von seinem Vermögen, sondern von Leistungen der öffentlichen Hand.

Türkische Hochzeiten sind in Hamm (NRW) nach einem Corona-Ausbruch in aller Munde. Was dort auf dem Gabentisch liegen kann, zeigt ein Fall, der jetzt am Amtsgericht verhandelt wurde.

Hamm - Vor Gericht musste sich ein türkisches Ehepaar verantworten, dass in einem Schließfach Goldbarren, Münzen, Schmuck und bündelweise Bargeld hortete, während es gleichzeitig Hartz IV bezog. Wegen gemeinschaftlichen Betrugs wurden die beiden zu Freiheitsstrafen von einem Jahr und zehn beziehungsweise acht Monaten verurteilt; die Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt.

Hamm
Fläche226,3 km²
Bevölkerung179.397 (2016)

Die Staatsanwaltschaft warf dem 44-jährigen Baupflasterer und der 45-jährigen Reinigungskraft vor, zu Unrecht 81.354,09 Euro vom Kommunalen Job-Center (KJC) bezogen zu haben. Ohne die in Strafverfahren geltenden Verjährungsfristen, so die Staatsanwältin, hätte die Summe noch deutlich höher gelegen. Das KJC fordert von den beiden auf zivilrechtlichem Weg 176.024 Euro zurück, die seit 2006 an das Paar geflossen sein sollen.

Ehepaar aus Hamm (NRW) lebt von Hartz IV - und hortet Bargeld, Gold und Schmuck

Herausgekommen war der Betrug, als man bei der Bank aufgrund der regen Nutzung des Schließfaches Geldwäsche vermutete und der Zoll Ermittlungen aufnahm. In dem Schließfach fanden die Beamten Bargeld in Höhe von 94.000 Euro sowie Goldbarren, Münzen und Schmuck im Wert von 100.000 Euro. Damit nicht genug: Außerdem besitzt das Paar noch ein Ferienhaus in der Türkei.

Die beiden Angeklagten zeigten sich vor Gericht reumütig und räumten die Vorwürfe in vollem Umfang ein. Sie hätten sich nie etwas zuschulden kommen lassen, sagte der Ehemann mit gesenktem Kopf. Und man wolle den Schaden wieder gut machen.

Ehepaar hortet Goldschatz in Schließfach - Geschenke zur türkischen Hochzeit

Der Grundstock des Schließfach-Vermögens kam demnach bei der Hochzeit des Paares 1999 zusammen. Das Hochzeitsgold bestand unter anderem aus 39 Armreifen, deren Wert vom Zoll auf zusammen rund 30.000 Euro geschätzt wird.

Als 2001 das erste von drei Kindern geboren wurde, beschenkte man das Elternpaar reichlich mit Goldmünzen, die das Konterfei des türkischen Staatsgründers Kemal Atatürk trugen. Auch abgepacktes Feingold habe man gefunden, sagte ein Zollbeamter als Zeuge aus.

Hartz-IV-Bezieher aus Hamm horten Goldschatz: Alles für die Altersabsicherung

Das Vermögen im Schließfach habe als Altersabsicherung dienen sollen, sagte der Ehemann aus. Außerdem habe man für die Hochzeiten der Kinder und weiterer Verwandter gespart. Angetastet wurden die gehorteten Werte praktisch nicht: Die Familie lebt in einem Zechenhaus in spartanischen Verhältnissen. Offenbar wurden alle Hartz-IV-Gelder im Schließfach gebunkert. Wovon die Familie dann gelebt hat, wollten die Angeklagten nicht sagen.

Mit dem Urteil folgten Richter und Schöffen dem Plädoyer der Staatsanwältin: Ein Jahr und zehn Monate Freiheitsstrafe für den Ehemann, ein Jahr und acht Monate für die Ehefrau. Die Bewährung gab es mit Rücksicht auf die drei zuhause wohnenden Kinder. Außerdem hielt das Gericht dem Ehepaar seine Sparsamkeit zugute: Das Geld sei ja nicht verprasst worden, sondern noch vorhanden.

Ehepaar lebt Hartz IV und besitzt Gold und Bargeld - Jobcenter fordert Betrag zurück

Die 81.354,09 Euro werden eingezogen, dazu müssen beide jeweils eine Geldstrafe von 5000 Euro zahlen. Einfach den hinterzogenen Betrag zurückzuzahlen, reiche in diesem Fall nicht aus, so der Vorsitzende. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Feierlichkeiten einer türkischen Hochzeit gelten als das Superspreading-Event, in dessen Folge in Hamm die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in die Höhe schnellte. Die Folgen sind dramatisch: Stand Freitag sind 236 Menschen akut infiziert, die meisten weisen eine direkte Verbindung zu der Hochzeit auf. Hunderte Schüler sind in Quarantäne, Menschen aus Hamm müssen mit erheblichen Schwierigkeiten rechnen, wenn sie einen Urlaub planen oder auf Reisen sind.

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