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Motorradwerkstatt für Flüchtlinge umgebaut: harte Biker mit Herz

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Von: Peter Körtling

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Dirk Reimering mit seiner Frau Evelyn.
Dirk Reimering mit seiner Frau Evelyn (Zweite von rechts) hat nach dem Umbau der Werkstatt Oma Natalia, Mutter Olga, Baby Ulyana, Tochter Zhenya und Sohn Timur aufgenommen. © Reimering

Als Dirk Reimering hörte, dass ein Kollege eine ukrainische Freundin aufgenommen hatte, kam ihm gleich die Idee, dass auch sie genügend Platz dazu hätten. Seine Frau Evelyn stimmte ihm direkt zu – doch nur mit viel Unterstützung wurde aus der Idee Wirklichkeit.

Hamm – „Wir haben zwar viel Fläche, aber keine leerstehende Wohnung gehabt“, so Evelyn Reimering. So besprachen sie sich mit ihrer Organisation „Harte Biker – weiches Herz“, mit der Reimering als erster Vorsitzender bereits zahlreiche karitative Ideen umsetzte. „Was dann losbrach, war unglaublich“, sagte der begeisterte Motorrad-Fahrer. Viele Freunde kamen und brachten nicht nur Sachspenden, es wurde auch richtig zugepackt. (Sonderressort „Hamm und der Ukraine-Krieg“: hier klicken.)

Der Biker räumte seine Motorradwerkstatt aus, alles wurde gründlich gereinigt, ein neuer Holzfußboden verlegt, die gestifteten und einige gekaufte Möbel aufgebaut und alles eingerichtet. Noch am Wochenende war der große Raum mit angrenzender Toilette, Waschbecken und einer Mini-Küche fertig.

Dirk Reimering (Zweiter von rechts) mit seinen Bikerfreunden.
Volles Engagement: Dirk Reimering (Zweiter von rechts) mit seinen Bikerfreunden. © Reimering

Motorradclubs organisieren Versteigerung für Familie

„Das war aber noch nicht alles“, berichtet der Biker. Die Motorradclubs „Free Wheels“ und „Freeway Riders MC“ aus Essen luden ihn ein, denn sie hatten eine Versteigerung organisiert, deren Erlös den Gästen der Reimerings zugutekommt. Auch der bei deutschen Bikern bekannte Stimmungssänger Frank Schwung unterstützte Reimering und seinen Verein bei dieser Aktion. „So konnten wir noch Lebensmittel einkaufen und haben etwas für die Nebenkosten“, so Reimering, denn schließlich werde der Raum mit einer Stromheizung versorgt.

Am Montag vor einer Woche war es dann soweit und die Familie Rusanova stand vor ihnen: Mutter Olga Leonidovna, der 16-jährige Sohn Timur, die zehnjährige Tochter Zenya, das einjährige Baby Ulyana und Oma Natalia Valentinivna sagten schüchtern Hallo. „Von der Großmutter wussten wir vorher gar nichts, aber da haben wir einfach noch schnell ein Bett organisiert“, so Evelyn Reimering.

Drei Tage am Stück von Kiew nach Hamm unterwegs

Derzeit ist die aus Kiew stammende Familie in Gedanken vor allem in der Heimat. Der Vater musste dortbleiben und andere Familienmitglieder sind ebenfalls noch in dem umkämpften Land. Lediglich Sohn Timur steht der deutschen Gastfamilie mit seinen Englisch-Kenntnissen zu einem Gespräch zur Verfügung. Sie seien drei Tage am Stück von Kiew nach Hamm unterwegs gewesen. Die Flucht gelang inmitten völlig überfüllter Züge, wie der junge Mann anhand von Handy-Videos zeigt. Eine Bahnstation, die Familie hatte sie gerade verlassen, wurde von Raketen getroffen.

Während die Mutter stets versucht über das Handy Kontakt zur Familie und zu Freunden zu halten, kümmert sich die Oma um die aufgeschlossen lächelnde Zhenya und den Säugling. Sie alle seien sehr dankbar, sagt Timur. Doch hofften sie vor allem, dass keinem Familienmitglied und Freund etwas geschehe. (Sie wollen aktiv helfen? Mit einem Klick auf diesen Link erhalten Sie wertvolle Informationen!)

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