Otmar-Alt-Stiftung "entbindet" Vorstand

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Otmar Alt muss einen neuen Vorstand für seine Stiftung suchen.

HAMM - Ein Vorstand, der offenbar keiner mehr ist und eine finanzielle Situation, die gegenteilig dargestellt wird: Der Haussegen hängt offenbar schief in der Otmar-Alt-Stiftung. 2013 soll kein Stipendiat finanziert und kein Kulturpreis verliehen werden.

„Wir haben zurzeit nicht die Mittel, diese Dinge zu finanzieren“, lautete vor wenigen Tagen die Begründung von Hans Hesse, der Anfang des Jahres als „ehrenamtlicher Geschäftsführer“ vorgestellt wurde - ein Amt, das es nun gar nicht geben soll.

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Hesse ist offenbar bereits Anfang Dezember „der Stuhl vor die Tür“ gesetzt worden. Das geht aus einem Brief hervor, der die Redaktion am Dienstag erreichte. Während Reiner Meyer, Stiftungs-Beirat und Vorsitzender des Freundeskreises, und Ehrengard Ohlendorf, stellvertretende Vorsitzende des Freundeskreises, in der vergangenen Woche trotz WA-Anfrage noch keine Stellungnahme abgeben wollten, gehen sie jetzt doch zusammen mit Dr. Jörg Bockow, dem zweiten verbliebenen von ursprünglich drei Stiftungs-Beiräten, sowie den Otmar-Alt-Freunden Franz Beckschäfer und Henning Szabanowski in die Offensive: Hesse sei zum 5. Dezember „abberufen“ worden und darum „weder autorisiert noch beauftragt, in der Öffentlichkeit zur Stiftung Stellung zu beziehen.“ Die Funktion eines „ehrenamtlichen Geschäftsführers“ gebe es innerhalb der Stiftung nicht.

Hesse selbst räumte diesen Vorgang auf Nachfrage ein, teilte aber mit, dass ihm darüber „keine offizielle Mitteilung“ vorliege. Er bleibe bei seiner Meinung, dass Sparmaßnahmen in der Stiftung notwendig sind.

Hesse sei abberufen worden, weil er aufgrund „öffentlicher Äußerungen und seiner Aktivitäten, die nicht zielführend im Sinne der Stiftung waren, nicht mehr das Vertrauen des Stifters und nicht mehr den Rückhalt des Beirates hatte“, heißt es in dem Brief.

„Ich kann dazu nichts sagen“, teilte Otmar Alt dazu auf Anfrage mit. Er habe sein Vermögen in die Stiftung gegeben und sich auf andere verlassen. Die Unterzeichner des Briefes dagegen erheben weitere Vorwürfe gegen Hesse: Er habe zu Beginn des Jahres „die Website von Stiftung und Freundeskreis eigenmächtig, ohne Auftrag und ohne Zuständigkeit ausgeschaltet“, habe so den Kommunikationsfluss nachhaltig gestört. Vielfältige konzeptionelle Überlegungen und Vereinbarungen habe er nicht weiter verfolgt.

Dass der mit 5 000 Euro dotierte Kulturpreis der Stiftung 2013 nicht verliehen wird, sei nicht auf Geldmangel zurückzuführen: Er werde nur alle zwei Jahre verliehen. Dass die Stiftung auf einen ihrer wesentlichen Zwecke, die Förderung eines Stipendiaten, verzichtet, liege daran, dass „noch kein geeigneter Kandidat gefunden werden konnte.“ Dabei müsste es in Deutschland zahlreiche Kandidaten geben, denn laut Bundesverband Deutscher Stiftungen kommen ganz allgemein „Absolventen von Kunsthochschulen oder gleichwertige Meisterschüler“ in Frage.

Eine von Hesse gewünschte Satzungsänderung ist laut Brief vom Beirat abgelehnt worden. Wie diese Satzung zurzeit tatsächlich aussieht, ist aktuell nicht zu erfahren. Die Stiftungsaufsicht der Stadt Frankfurt, bei der die Otmar-Alt-Stiftung eingetragen ist, durfte „aus Datenschutzgründen“ keine Auskunft geben und verwies an die Stiftung selbst.

Der dortige Mitarbeiter wollte auf WA-Anfrage ebenfalls keine Auskunft geben; Beiratsmitglied Meyer teilte immerhin mit, dass die Gründungssatzung von 1992 am 27. August 2003 geändert worden sei. Seitdem bestehe der Beirat übrigens nur noch aus drei statt aus sieben Mitgliedern. - san

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