Handwerk in Hamm steuert ungewisser Zukunft entgegen

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Handwerker und Bauarbeiter haben in Hamm derzeit gut zu tun, etwa im Baugebiet „Auf dem Beisenkamp“.

Hamm - Die Auftragsbücher sind prall gefüllt, die Geschäftslage wird so positiv wie nie eingeschätzt. Das Handwerk befindet sich in Hamm insbesondere in den Gewerken Bau, Kfz und gewerblicher Bedarf in einem Allzeithoch. Und trotzdem blickt die Branche in eine höchst ungewisse Zukunft. Nachfolger werden gesucht.

„Handwerk hat goldenen Boden“ – das alte Sprichwort war wohl noch nie so zutreffend wie in dieser Zeit. Und das bekommt auch der Kunde in Hamm zu spüren. Wer einen Handwerker benötigt, der muss sich häufig in Geduld üben. Bei Maurern kann es bis zu elf Wochen dauern, bei Elektrotechnikern neun, ehe ein Auftrag ausgeführt wird. Und von Gartenbauern ist bisweilen zu hören, dass bei ihnen lediglich noch Altkunden zum Zuge kommen. 

Im Herbst 2017 fragte die auch für Hamm zuständige Handwerkskammer Dortmund im Rahmen ihrer Konjunkturumfrage die Stimmungslage in den Betrieben ab. Das Ergebnis wurde als Rekordhoch bezeichnet, denn 92 Prozent der befragten Betriebe stuften ihre Geschäftslage als mindestens zufriedenstellend ein. Leicht gedämpft war die Stimmung lediglich bei den personenbezogenen Dienstleistern und im Gesundheitshandwerk. Allein das Nahrungsmittelhandwerk sah keinen positiven Trend.

Rund ein Viertel der Betriebe sucht in nächsten Jahren Nachfolger

Insgesamt gibt es in Hamm 1.249 eingetragene Handwerksbetriebe (Stand 2017). Das sind etwas mehr als ein Jahr zuvor (1.233). Allerdings sucht nach Einschätzung der Handwerkskammer rund ein Viertel aller Betriebe in den nächsten Jahren einen Nachfolger. Besonders hoch sei der Anteil im Bereich des Lebensmittelhandwerks. Lege man die Altersstruktur der Betriebsinhaber zu Grunde, seien 30 Prozent aller Betriebsinhaber im Kammerbezirk älter als 55 und 10 Prozent sogar älter als 65 Jahre. Zahlen allein für Hamm gibt es dabei nicht.

Betriebsbörse eingerichtet

Durch den demographischen Wandel schrumpft die Gruppe der 25- bis 45-Jährigen, die als besonders gründungsintensiv gilt. Gleichzeitig nähern sich die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er und 1960er Jahre dem Renteneintritt an. „Darüber hinaus haben wir einen Trend zur Akademisierung, und häufig haben potenzielle Nachfolger innerhalb der Familie (mehr als 50 Prozent aller Übergaben erfolgen innerhalb der Familie) eine andere Lebensplanung und fallen so als Nachfolger weg“, so die Handwerkskammer. Die Rahmenparameter hätten sich „nicht zum Vorteil“ verschoben. Die Handwerkskammer bietet Firmen, die ihren Betrieb übergeben möchten, die Möglichkeit, sich in einer Betriebsbörse aufführen zu lassen. Aktuell sind dort sechs Betriebe aus Hamm gelistet.

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