Viele offene Lehrstellen

Handel und Handwerk in Hamm suchen dringend Auszubildende

Bäckermeister Meinolf Erdmann in seiner Backstube
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Kaum Nachwuchs: Meinolf Erdmann ist Obermeister der örtlichen Bäckerinnung. Er sagt, es sei für Bäcker sehr schwierig, Auszubildende zu finden.

Seinen Traumberuf finden – das möchte wohl jeder. Doch das ist gerade in Corona-Zeiten nicht einfach: Die Jobbörse in den Zentralhallen konnte nicht stattfinden, Praktika waren kaum möglich. Damit Handwerker und potenzielle Auszubildende trotzdem zueinander finden, gibt es zwei Aktionen: die „Traumberufe im Handwerk“, die auch der WA unterstützt, und die zurzeit laufende landesweite Aktionswoche „Sommer der Berufsausbildung“ mit Informationsangeboten vor allem der Agentur für Arbeit.

Hamm - Nach Erfahrung von Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund, Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe und einzelner Innungsobermeister hat sich die Situation gegenüber dem dramatischen ersten Corona-Jahr etwas entspannt. Allerdings sieht die Situation in den diversen Gewerken vollkommen unterschiedlich aus.

Situation im Handwerk

„Insgesamt haben wir bei der Besetzung der Ausbildungsstellen im Handwerk gegenüber dem vergangenen Jahr ein deutliches Plus“, sagt Detlef Schönberger, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe. Der Vorteil bei den Handwerkern gegenüber den Einzelhändlern habe darin gelegen, dass sie durcharbeiten konnten – mit Ausnahme der Friseure. Von deren Innungsobermeister Ingo Lanowski hat er erfahren, dass dort trotzdem Azubis eingestellt würden. Das gelte erst recht für die übrigen Handwerker – auch dank deren „durchgehend hervorragender Auftragslage“. Schönberger weiß von einem Steinmetzbetrieb, dem sechs Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz vorliegen.

Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Handwerk über alle Gewerke hinweg lag laut Schönberger zum Stichtag 31. Mai bei 111; zum gleichen Stichtag ein Jahr zuvor waren es 77: „Das entspricht einer Steigerung von 44,2 Prozent.“ Gleichwohl gibt es noch ausreichend freie Stellen.

Industrie und Handel

Ganz so gut sieht es in Industrie und Handel nicht aus. Tobias Schucht von der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund teilte mit, dass es zum 31. Mai bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen in Hamm einen Rückgang um 2,7 Prozent gegeben habe. Laut IHK-Lehrstellenbörse (siehe Link unten) bieten 66 Arbeitgeber noch 98 freie Ausbildungsstellen für 2021 an.

Elektrotechnik

Zurück zum Handwerk: Peter Drögehoff, Obermeister der Innung für Elektrotechnik Hamm, hat Corona-bedingt keine Praktikumsplätze vergeben. „Ein Praktikum ist aber für die meisten meiner Kollegen die Voraussetzung, um sich gegenseitig kennenzulernen und dann gegebenenfalls einen Ausbildungsvertrag abzuschließen“, sagt er. Entsprechend klein sei der Kreis der Bewerber. Wer zum 1. August noch eine Ausbildung beginnen will, könne doch auch in zwei Ferienwochen ein Praktikum machen.

Dachdecker

„Sehr gut“ sieht die Ausbildungssituation bei Dachdeckermeister Ulrich Ehrhardt aus: „Wir bilden jedes Jahr einen Azubi aus“, sagt der Obermeister der Dachdecker-Innung Hamm. Das liege daran, dass er selbst aufmerksam wird, wenn ein Jugendlicher Interesse zeigt: „Das läuft bei uns meist über Mundpropaganda.“ Er weiß, dass es nicht bei allen seinen Kollegen in Hamm gut läuft – in seinem Gewerk wurden in diesem Jahr sechs Ausbildungsverträge geschlossen, doppelt so viele wie 2020.

Tischler

In einer „komfortablen“ Situation sieht Andreas Schwienhorst, Obermeister der Tischer-Innung Hamm, sich und seine Kollegen: „Das ist einer der beliebtesten Handwerksberufe.“ Ohne Imagekampagne gehe es aber auch bei den Tischlern nicht; dazu gehöre die – eigentlich jährlich stattfindende – Ausstellung der Gesellenstücke in der Konrad-Adenauer-Realschule. Anders als Tischlereibetriebe, die während des Lockdowns durcharbeiten durften, sehe es im Messe- und Ladenbau aus: „Da steht zurzeit alles komplett still.“

Bäcker

Gar nicht rosig sieht es bei den Bäckern aus – sowohl was die Ausbildung in der Backstube betrifft als auch die zu Bäckerei-Fachverkäufern. „Es gibt genug offene Stellen“, berichtet Obermeister Meinolf Erdmann. Auch hier fehlten die Praktika. Auszubildende für das Bäcker-Handwerk zu finden, sei ohnehin schwierig, weil der Jugendschutz Arbeitszeiten verbietet, zu denen Bäcker eigentlich aktiv sind. Auszubildende fehlen laut Erdmann auch, weil viele Schüler, die jetzt eigentlich ihren Abschluss gemacht hätten, ein Schuljahr dranhängen oder versuchten, das Abitur zu machen.

Stadtwerke

Die Stadtwerke Hamm mit rund 850 Mitarbeitern gehören nach Auskunft von Sprecherin Cornelia Helm in Hamm zu den begehrteren Arbeitgebern. Das zeigt sich bei den Ausbildungsstellen: Rund 60 Azubis seien in unterschiedlichen Gewerken bei den Stadtwerken tätig. In drei Sparten seien die Bewerbungsfristen für das Ausbildungsjahr verlängert worden: für Industrieelektriker für Betriebstechnik, für eine Fachkraft im Fahrbetrieb und eine/n Fachangestellten im Bäderbetrieb.

Lehrstellenbörse

https://bit.ly/2SPcT5D

Traumberufe

Weitergehende Informationen über Ausbildungsmöglichkeiten im Handwerk bietet unsere Zeitung jeden Samstag auf den Sonderseiten „Traumberufe“.

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