Mit dem Handy gefilmt

Hammerin sieht UFO am Himmel: Rätselraten über "explodierendes" Objekt - Experte löst Irrtum auf 

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Dieser grelle Punkt am Nachthimmel ist kein UFO sondern mit großer Wahrscheinlichkeit die ISS.

Hamm - Eine Hammerin hat am Himmel eine merkwürdige Beobachtung gemacht und kam zu dem Schluss: Das kann nur ein UFO sein. Das stellte sich allerdings schnell als Trugschluss heraus. Die ganze, kuriose Geschichte.

Ein Stern? Zu groß, dachte Natalia Jaskulska, als sie am späten Donnerstagabend vergangener Woche einen leuchtenden Himmelskörper über ihr im heimischen Garten am Frienbusch in Bockum-Hövel entdeckte. Der angestrahlte Mond? Zu klein. Und außerdem schien das leuchtende Objekt in Bewegung zu sein. Besonders mysteriös: Das Objekt schien gar zu explodieren, um nur kurz darauf wieder zu seiner urspünglichen Form zurückzufinden. UFO-Alarm im Hammer Nordwesten?

Offenbar nicht! „Es gibt in diesem Fall eine nachvollziehbare Erklärungsmöglichkeit, die exotischen Erklärungsansätzen vorzuziehen ist“, lautet das Fazit von Hans-Werner Peiniger. Der Lüdenscheider ist Experte auf dem Gebiet auf den ersten Blick unerklärlicher Himmelsphänomene und als solcher Gründer und Vereinsvorsitzender der Gesellschaft zur Erforschung des UFO-Phnomens e.V. (GEP).

Zuletzt mehr UFO-Sichtungen gemeldet

Die verzeichnet bisher im laufenden Jahr eine erhöhte Tendenz zu UFO-Meldungen. Kam es im Februar noch zu zwölf gemeldeten Sichtungen, waren es laut Angaben auf der Vereinswebsite im März 27, im April gar 40. Und das, obwohl in Zeiten von Corona der Flugverkehr erlahmt ist, Flugzeuge als naheliegende Option der Verwechselung aktuell kaum in Frage kommen.

Natalia Jaskulska demonstriert, wie sie nächtlich den Himmel über Bockum-Hövel filmte.

„Ich hatte erst an eine Drohne gedacht. Flugzeuge fliegen zurzeit ja nicht“, schilderte entsprechend Natalia Jaskulska ihre ersten Gedankenspiele gegenüber dem WA. Sie hatte den frühsommerlichen Tag mit einem gemütlichen Lagerfeuer-Abend mit ihrer und der Nachbarfamilie ausklingen lassen, als das in dem Moment „unidentifizierbare Flugobjekt“ von Südwesten her, etwa aus Richtung des Gersteinwerks, auftauchte.

Skurriles Schauspiel am Himmel

Schnell zückte die 33-Jährige das Handy, filmte 49 Sekunden lang das Schauspiel vor dem pechschwarzen Himmel über ihr. Dabei sah sie etwas, dass ihr gänzlich die Vorstellung dessen nahm, was da über ihr unterwegs gewesen sein könnte. „Es sah so aus, als sei das Objekt explodiert“, sagte die Hammer Augenzeugin, „und habe dann wieder in die gleiche Form zurückgefunden wie vorher.“

Der WA leitete ihr Video weiter nach Lüdenscheid. GEP-Vorsitzender Hans-Werner Peiniger setzt sich gerne mit derlei mysteriösen Meldungen auseinander, für die er im Regelfall nachvollziehbare Erklärungen findet. Nur wenige Prozent der Fälle bleiben seinen Angaben zufolge auch nach eingehender Prüfung rätselhaft.

Raumstation ISS anstatt UFO

Seine Einschätzung: „So wie es aussieht, scheint es sich bei dem gefilmten Objekt um die Raumstation ISS gehandelt zu haben, die am 21. Mai bis kurz nach Mitternacht als sehr hell strahlender Punkt über den Himmel zog.“

Das optische Erscheinungsbild im Video sei auf zwei Effekte zurückzuführen:

  • auf einen Effekt der Handykamera. Bei Nachtaufnahmen könne der Autofokus der Kamera einen kleinen hellen Punkt vor dunklem Hintergrund nicht exakt fokussieren. Dadurch blähe sich das Objekt schon mal zu einem Ball auf, um kurz darauf wieder zu einem Punkt zu verschmelzen.
  • auf die sogenannte „Luftunruhe“: Atmosphärische Bedingungen könnten dazu führen, „dass das Objekt zu flimmern scheint, Farbwechsel durchführt und so weiter“. Peiniger: „Das plötzliche Auflösen des Objekts ist darauf zurückzuführen, dass die ISS in den Erdschatten eintrat und damit für den Beobachter nicht mehr zu sehen war. Der Eindruck der ,Explosion’ entstand vielleicht auch durch die Luftunruhe."

Anwohnerin hält weiter Ausschau

Natalia Jaskulska war von der Antwort durchaus überrascht. Sie freute sich aber, jetzt zu wissen, was sie da des Nachts gesehen hat. „Wir werden jetzt öfter abends rausgehen“, sagt sie. „Und ich werde dann möglichst eine richtige Kamera griffbereit haben, nicht nur eine Handykamera.“

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