9. Hammer Suchttag

Rückfall und Neubeginn: Hammer spricht offen über seine Alkoholsucht

+
Markus Bahne (links) und Dr. Stefan Romberg sprechen über die Krankheit Sucht – und speziell über Rückfälle.

Hamm - „Nass ist das neue Trocken“, sagt Markus Bahne, ein Aktivabstinenzler, wie er sich selbst bezeichnet. Seit zehn Jahren ist er wegen seiner Alkoholsucht in Therapie. Um andere Suchterkrankte zu ermutigen, spricht Bahne auf dem 9. Hammer Suchttag über seinen Kreislauf von Rückfall und Neustart.

Zehn Jahre, in denen es auch mal Rückfälle gab. Doch für Bahne war das nie das Ende seines Versuches vom Alkohol wegzukommen. Er spricht nicht gerne über seine Rückfälle. „Ich will nicht zurückschauen“, so der gelernte Installateur. Viel lieber spricht Bahne über das, was ihm hilft, täglich gegen seinen Suchtdruck anzukommen. 

Dr. Stefan Romberg

Den Begriff „trockener Alkoholiker“ mag er nicht. Er bezeichnet sich als Aktivabstinenzler. Sich bewegen, aktiv sein und „im Fluss bleiben“ – das hilft Bahne „Ich bin im Fluss und bin glücklich damit“, sagt er. Erst bei näherem Betrachten seiner Worte wird verständlich, was Bahne mit „im Fluss bleiben“ meint. Er stehe nicht still, schaue nach vorne, höre nur auf sich und seinen Arzt. 

Dr. Stefan Romberg von der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des St.-Marien-Hospitals ist für den Aktivabstinenzler da, wenn er ihn braucht. Die perfekte Therapie für Suchterkrankte gebe es nicht. „Es gibt keine Rezepte, die für alle passen“, so Romberg. Wichtig sei aber immer Achtsamkeit. 

Nicht hinter der Sucht verstecken

Ein Rückfall komme für Angehörige immer scheinbar überraschend und vorhersehbar. „Wenn man aber ordentlich hinschaut, dann gab es vielleicht doch Warnsignale“, versucht Romberg zu verdeutlichen, dass jeder Rückfall einen Auslöser hat. Zumeist seien dies Stress, Anpassungs- und Belastungsstörungen. Daher sei es wichtig, eine Achtsamkeit zu entwickeln – und zwar auf beiden Seiten. 

„Unser Ziel ist es immer, möglichst vorab einzugreifen“, so der Arzt. Ein Notfall bestehe nicht erst, wenn der erneute Konsum des Suchtmittels eintritt, sondern schon viel eher. „Zielbrille aufsetzen und hingucken“, rät auch Markus Bahne. 

Markus Bahne

„Als ich mich beruflich neu orientiert habe, kam das alles irgendwie nicht richtig in Schwung. Das hat mir Angst gemacht.“ Sein Arzt verordnete ihm nicht ein stärkeres Antidepressivum, sondern Sport. Ein Ersatz, der den Druck rausnehme. Bahne versucht auf sich zu achten und sich mit seiner Sucht nicht zu verstecken. 

Der 9. Hammer Suchttag am Samstag, 14. April, von 9 bis 13 Uhr in der Gerontopsychiatrische Tagesklinik im St.-Marien-Hospital Hamm (Knappenstraße 19) steht im Zeichen des Rückfalls und wie man damit umgehen sollte. Dieser Aktionstag richtet sich an Betroffene, Angehörige und Interessierte. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei.

Mehr zu dem Thema

5. Hammer Suchttag

Alkoholsucht im Alter

Alkoholkonsum ist laut Sucht-Bericht das größte Problem

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare