Keine Infektion in Hammer Schule nachgewiesen

Hammer Schulleiter fordern: Lasst die Schulen offen!

Das Märkische Gymnasium in Hamm: Schüler müssen Masken tragen, der Unterricht läuft unter erschwerten Bedingungen.
+
Das Märkische Gymnasium in Hamm: Schüler müssen Masken tragen, der Unterricht läuft unter erschwerten Bedingungen.

Trotz hoher Infektionszahlen fordern viele Rektoren weiter Unterricht in den Schulen. Allerdings sollte man flexiblere Lösungen ermöglichen - nicht einfach nur geöffnete oder geschlossene Schulen.

Hamm – Was wäre, wenn digital fitte Schüler hauptsächlich Distanzunterricht erhielten? Und dafür die übrigen Kinder fast täglich in der Schule wären, das aber in kleinen Gruppen? Dieses Gedankenspiel stellen Hammer Schulleiter wie Rüdiger Zicholl und Wiebke Bürgelt in den Raum. Am Mittwoch beraten Bundeskanzlerin und Ministerpräsidenten, wie es an den Schulen weitergehen soll. Bürgelt und Zicholl wünschen sich flexible Lösungen. Ihr Ziel: möglichst viel Unterricht für möglichst viele Kinder.

Die Infektionszahlen bleiben hoch. Einige Bürger fordern deshalb, die Schulen zu schließen. Derzeit sind auch in Hamm rund 100 Schüler und Lehrer mit dem Coronavirus infiziert. „Bei 95 Prozent der Fälle liegt die Infektion nachweislich nicht in der Schule“, schreibt allerdings Stadtsprecher Tom Herberg. Bei den übrigen sei der Ursprung unklar.

Mehr als 30 Schüler pro Klasse sind an der Tagesordnung

Hammer Schulleiter fordern, dass Schulen geöffnet bleiben – obwohl der Schulbetrieb nicht einfach ist. „Der Präsenzunterricht, den wir jetzt haben, findet für alle unter erheblichen Schwierigkeiten statt“, sagt Florian Rösner, Schulleiter des Märkischen Gymnasiums. An seiner Schule hat es mehrere Infektionsfälle gegeben. Die Schüler müssen Masken tragen, man lüftet, desinfiziert, trennt Gruppen. Und doch lassen sich Mindestabstände nicht immer einhalten. „Wir haben in einigen Klassen 30 Schüler und mehr“, sagt beispielsweise Leon Moka, Leiter der Friedensschule, einer Gesamtschule. Die Klassenräume seien zu klein, um 1,5 Meter Abstand zu halten. „Das braucht man gar nicht zu messen.“ Ähnliches berichten die übrigen Rektoren.

Doch Infektionsherde? Sind die Hammer Schulen offenbar dennoch nicht. „Eine Infektion, die klar auf den Ursprung Schule zurückgeht, gibt es bei den akut Infizierten nicht“, erklärte Herberg am Montag. Auch in der Vergangenheit war kein solcher Fall in Hamm bekannt geworden.

Rüdiger Zicholl leitet die Konrad-Adenauer-Realschule in Berge. Die Digitalisierung ist dort seit Jahren Thema. Inzwischen haben alle Schüler von der siebten bis zur zehnten Klasse Tablets und das digitale Arbeiten geübt. Er fragt sich deshalb, ob es nicht möglich wäre, Schüler von der siebten bis zur neunten Klasse verstärkt zu Hause zu unterrichten – mit einer Notbetreuung, wenn sie benötigt wird. Dafür könnten Jüngere der Klassen fünf und sechs vermehrt in die Schule kommen, ebenso wie die Zehner kurz vor ihrem Abschluss. Die Gruppen in der Schule müsste man dann teilen. „Das ist nur ein Gedankenspiel“, sagt er. Doch er glaubt, dass sich so über längere Zeit viel Unterricht geben lasse. Wichtig ist ihm, dass Schüler mit verstärktem Distanzunterricht häufiger als einmal pro Woche in die Schule kommen, so dass der Kontakt nicht abreißt.

Unterricht auch verbindlich, wenn Schüler zu Hause sind

An seiner Schule ist Unterricht auch in der Distanz verbindlich – etwa wenn Kinder unter Quarantäne stehen. „Wenn 7.55 Uhr Mathe ist, muss der Schüler erreichbar sein“, sagt Zicholl. Unentschuldigtes Fehlen wirkt sich auf die Zensuren aus.

Bürgelt leitet die Lessingschule, eine Grundschule. Es ärgert sie, dass bei der Debatte über die Schulen oft nur von offenen und geschlossenen Schulen die Rede ist. „Flexiblere Lösungen helfen uns eher“, sagt sie. Man müsse individuell schauen, wer auf Distanz unterrichtet werden kann und wer nicht.

Die Glasfaserleitung steht, das W-Lan geht trotzdem nicht

Doch an vielen Hammer Schulen fehlt für digitalen Unterricht weiter die Ausstattung. Tausende Tablets hat die Stadt bestellt, gekommen sind sie nicht. Auch die Friedensschule wartet auf etwa 300 Geräte. Zudem verfügt sie zwar über einen Glasfaseranschluss, aber nicht über funktionierendes W-Lan. „Es ist sehr wichtig, hier vor Ort Unterricht zu machen“, sagt Schulleiter Moka deshalb.

Rösner und Moka betonen zudem die soziale Bedeutung des Unterrichts. „Wo treffen sich Jugendliche denn noch? Zu Hause ist ja fast alles verboten“, sagt Moka. Ähnliches berichtet Rösner: „Die Kinder brauchen und genießen den sozialen Kontakt.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare