„Mehr als ein Hobby“

Tatsache: Diese beiden Hammer sind seit 85 Jahren Teil der Waldbühne!

Regis Funke (86) und Werner Waegener (84) machen 85 Jahre Mitgliedschaft bei der Waldbühne voll.
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So viele unvergessliche Erinnerungen: Regis Funke und Werner Waegener machen in Kürze 85 Jahre Mitgliedschaft bei der Waldbühne voll.

Viele Hammer sind ihren Vereinen auch während der Corona-Pandemie treu geblieben. Die Loyalität von Werner Waegener und Regis Funke zur Waldbühne in Heessen geht noch weit darüber hinaus.

Hamm - Nicht einmal der Zweite Weltkrieg hat bei Werner Waegener (84) und Regis (86) Funke die Leidenschaft fürs Amateurtheater bremsen können. Dieses Jahr machen sie die 85 Jahre Mitgliedschaft in der Waldbühne voll. WA.de hat mit ihnen gesprochen:

Wie kam es dazu, dass Sie beide schon so lange Vereinsmitglied sind?
Regis Funke: Ich bin da reingeboren. Mein Vater Anton hat die Waldbühne 1924 zusammen mit seinem Bruder gegründet. Da war es für mich selbstverständlich, schon früh Rollen in den Stücken zu übernehmen, die er als Regisseur betreut hat.
Werner Waegener: Bei mir war es ähnlich. Meine Familie hat mich zur Schauspielerei gebracht. Am Anfang ist man dann vor allem mal an der Hand seiner Mutter über die Bühne gegangen. Die größeren Rollen kamen später, nach dem Krieg.
Während des Krieges musste die Waldbühne zwangsweise pausieren. Herr Waegener, Sie haben zwischenzeitlich gar nicht mehr in Hamm gewohnt, sondern in Lünen. Warum wollten Sie trotzdem zurückkommen, beziehungsweise weitermachen?
Werner Waegener: Für mich gab es nichts anderes, das mich so erfüllt hat wie das Gefühl, wieder zu spielen. Wir haben eine Zeit lang auch einige Stücke im Kurhaus aufgeführt, bis die Waldbühne Anfang der 1950er-Jahre neu aufgebaut wurde. Während des Krieges war sie komplett abgebrochen worden, weil das Holz für Behelfsheime gebraucht wurde. Das war schon eine besondere Zeit.
Regis Funke: Es musste sich erst alles wieder finden. Aber es war immer klar, dass wir weitermachen.
Regis Funke 1967 in „Die Jungfrau von Orleans“.
An welche Rolle aus Ihrer langen Waldbühnen-Karriere können Sie sich noch besonders gut erinnern?
Regis Funke: Ich war die Prinzessin vom Dienst. Schneewittchen, Aschenputtel und so weiter. Vor vielen Jahren habe ich auch die Jungfrau von Orleans gespielt – obwohl das eigentlich nichts für mich war. Aber mein Vater hat die Rollen verteilt und meist nicht groß nachgefragt, was ich wollte.
Werner Waegener: Puh, das ist schwierig. Immerhin habe ich teils drei bis vier Rollen pro Jahr gehabt. Meine erfolgreichsten Auftritte hatte ich wohl mit der Komödie „Don Camillo“. Diese Hauptrolle habe ich 1985 gespielt, 1986, 1995 und nochmals 2006. Toll war auch der „Hauptmann von Köpenick“, weil das Stück schauspielerisch so anspruchsvoll ist.
In all den Jahren ist doch bestimmt auch mal richtig was schief gegangen?
Werner Waegener: Natürlich, jede Menge! Ich weiß nicht mehr genau, in welchem Stück es war – auf jeden Fall in den Siebzigern. Zu dieser Zeit konnten wir uns die geknüpften Echthaar-Bärte nicht mehr leisten, weil die Menschen alle Fernsehen geguckt haben, statt in die Bühne zu gehen. Deswegen mussten wir auf Bartwolle umsteigen. Das sind – wie der Name schon sagt – nur Flusen, die man zurechtzupfen und -kleben muss. Und da ist mir wohl eine Flocke abgegangen und beim Sprechen in den Hals gerutscht. Ich habe gehustet und gespuckt! Seitdem lasse ich mir Bärte möglichst selber wachsen.
Regis Funke: Die meisten Pannen bekommt der Zuschauer aber gar nicht mit.
Werner Waegener als Till Eulenspiegel (1977).
Herr Waegener, in den vergangenen Jahrzehnten waren Sie unter anderem Schauspieler, Spielmacher, Jugendwart und sogar Nikolaus in der Waldbühne. Welche Aufgaben übernehmen Sie derzeit?
Werner Waegener: Mittlerweile ist die Spielschar so groß geworden, dass ich mich etwas zurückziehen konnte. Mit meiner Frau gehe ich manchmal noch im Volk über die Bühne. Aber es macht nach wie vor Spaß. Das alles ist für mich mehr als ein Hobby. In der Waldbühne sind meine Familie und meine Freunde.
Regis Funke: Ich sitze schon seit vielen Jahren im Kassenhäuschen. Seitdem wir Musicals aufführen, spiele ich überhaupt nicht mehr mit. Singen liegt mir nämlich gar nicht.
Vor Kurzem erst hat die Waldbühne ihre Sommerspielzeit erneut absagen müssen. Welchen Einfluss hat Corona auf Ihren Verein?
Regis Funke: Einen riesigen.
Werner Waegener: Aktuell ruht alles. Proben finden seit März 2020 nicht mehr statt, da fehlt einem schon was. Die Gemeinschaft, der Zusammenhalt. Ich hoffe, dass es bald weitergehen kann und bin da auch sehr zuversichtlich.

Noch keine Proben

Die Waldbühne Heessen ist eine der besucherstärksten Amateur-Freilichtbühnen in Deutschland. Wegen der Corona-Pandemie fällt dieses Jahr schon die zweite Sommersaison in Folge flach. Der Verein möchte – sofern die Auflagen es zulassen – im Herbst mit den Vorbereitungen auf die nächste Spielzeit in 2022 beginnen: Dann sollen „Shrek 2“, „Der kleine Horrorladen“ und „Rabatz im Zauberwald 2“ endlich über die Bühne gehen. 

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