"Dänische Schuld"

Hammer Krimi-Autorin wird zur "Serien-Täterin": Neues Buch von Sabine Gronover - Familie hilft bei Mordplänen

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Notizen entstehen gern im Café: Sabine Schulze Gronover gehen die Ideen nicht aus für neue Krimigeschichten.

Mersch/Hamm –Mit "Dänische Schuld" ist das nächste Buch der Hammer Autorin Sabine Schulze Gronover erschienen. Auf große Lesereise wird sie damit aber erstmal nicht gehen können. Der Grund: Das Coronavirus.

Das Schreiben von Büchern ist ein einsames Geschäft. Doch die Recherche, spätere Lesereisen und der direkte Kontakt zu den Fans gleichen das aus. Normalerweise. Aber seit März entwickelt sich langsam eine neue Normalität. Druckfrisch ist „Dänische Schuld“, das neue Werk von Sabine Schulze Gronover.

Es ist der zweite Band einer Reihe mit Dänemark-Krimis, die im idyllischen Ferienort Marielyst spielen. Erst jüngst hat der Ullstein-Verlag entschieden, dass die Reihe, in deren Mittelpunkt Bestatterin und Halbdänin Gitte Madsen steht, in Serie geht. Das erste Hörbuch kommt in Kürze heraus. Und nun fehlt es an Präsentations-Möglichkeiten.

Lesungen nur im kleinen Kreis

Eigentlich schätzt Gronover für ihre Lesungen ungewöhnliche Orte wie Bestattungsinstitut oder Gewölbekeller. Doch in den vergangenen Wochen sind die Termine rar geworden.

So las sie auf Einladung von Autoren-Kollegin Jenny Heimann in deren Garten vor einigen handverlesenen Gästen. Zudem hat die Hammer Bürgermeisterin Monika Simshäuser eine Lesung mit Gronover zugunsten des Vereins „Support the Artists“ ersteigert, der in Not geratenen Künstlern hilft. Am 23. August soll die Lesung stattfinden. Der Ort steht allerdings noch nicht fest.

Der Gewölbekeller von Haus Venne in Mersch – Sabine Schulze Gronover liebt es, an ungewöhnlichen Orten vor Publikum zu lesen.

Sehr freut sich Gronover auf eine Gartenlesung am 30. Juli im Hotel Engel in Warendorf. Dort liest sie aus ihrer Münsterland-Krimireihe: Das Buch „Edles Geblüt“ ist erst im Februar auf den Markt gekommen. Ausrichter ist die Buchhandlung W. Ebbeke, in der Gronover schon einen Buchhändler gemeuchelt hat. Auf die Idee gebracht hatte man sie in einer Buchhandlung in Altenberge. Lokale Bezüge wie diese machen Lesungen mit Sabine Gronover besonders unterhaltsam.

Familie die einzige "echte" Zuhörerschaft

„Ich habe auch eine Online-Lesung gehalten, aber da fehlt mir das Publikum. Damit es sich für mich wenigstens ein bisschen nach Lesung anfühlte und ich Gesichter, Reaktionen, Lachen sehen konnte, habe ich dafür meine Familie vor mir versammelt“, berichtet sie von ihrer ersten und vielleicht auch letzten Feldstudie in diesem Bereich.

Die Zuhörerschaft war tatsächlich auch ein bisschen größer als zu Nicht-Corona-Zeiten: Die eigentlich in Münster lebende Tochter sei samt Freund vorübergehend wieder zuhause eingezogen. „Das war eine witzige WG und eine schöne Zeit“, so Gronover.

Mehr Lesestoff: Ein Buch pro Jahr

Der Umstand, dass Ullstein die Dänemark-Krimis in Serie schickt, übt keinen Druck auf die Autorin aus. Eher im Gegenteil: Der dritte Band liegt bereits im Lektorat, der vierte ist in Arbeit. Geplant ist, jedes Jahr ein Buch erscheinen zu lassen. Ein Mail-Missverständnis sorgte einmalig für Unregelmäßigkeit, aber jetzt ist alles im Fluss.

Sabine Gronover, in Hamm als Sabine Frida Schwienhorst geboren, ist eine disziplinierte Schreiberin. Es gibt feste Schreibzeiten, die eingehalten werden. „Ich bin der Meinung, dass man das Gehirn darauf trainieren kann und sollte“, ist sie überzeugt.

Die Kombination aus malerischen Landschaften, Sehnsuchtsorten und Verbrechen ist derzeit recht populär – ob Portugal- oder Bretagne-Krimis. Gronovers Geschichten haben ihren Platz in diesem Zirkel erobert. Auch die Münsterland-Krimis behaupten sich: „Totentanz im Münsterland“ gibt es bereits seit Längerem in einer englischen Version.

Besondere Liebe zum Handlungsort Marielyst

Dänische Zeitungen haben bereits über die Deutsche, die im Norden mordet, berichtet. Hat sie in Dänemark also bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht? „Bis sich das herumspricht, braucht es einen langen Atem. Da muss man schon dafür sorgen, dass man sehr präsent ist“, so Gronover, die mit dem Ort Marielyst eine besondere Liebe verbindet: Schon als Dreijährige sei sie das erste Mal dort gewesen.

Besondere Vergünstigungen seien aus der indirekten Werbung für das Örtchen nicht erwachsen, so Gronover: „Aber immerhin habe ich jetzt eine Ferienwohnung, die ich zu günstigen Konditionen buchen kann, wenn ich wieder recherchiere.“

Reale Person als Vorlage für Romanfigur

Cafés, Lokale, Bauwerke und andere Orte in den Büchern sind keine Erfindung, es gibt sie tatsächlich. Im neuen Band „Dänische Schuld“ fällt denn auch gleich ein Gast im Restaurant „Schou’s“ tot vom Stuhl. Die Glasbläserin am Ort, Line B. Jacobsen, habe sich einige Male über Besucher gewundert, die wisperten „Ah, das ist sie, genau so habe ich Sie mir vorgestellt“, während sie sich im Laden umschauten. Jacobsen staunte nicht schlecht, als Gronover sie schließlich aufklärte, dass sie sie zu einer Romanfigur inspiriert habe.

Das ist jedoch eher die Ausnahme: In der Regel erfindet Gronover das komplette Personal ihrer Geschichten. „Das entwickelt sich, während ich schreibe. Und ich bin schließlich selbst gespannt, welche Geschichte mir die Figuren erzählen.“ In einem Münsterland-Fall war die Ähnlichkeit allerdings dann wohl doch frappierend: „Ich habe unabsichtlich den Leiter des Naturkundemuseums in Münster eins zu eins beschrieben. Das war mir höchst peinlich. Ich kannte ihn vorher noch nicht einmal.“

Kurioses Namenschaos

Mittlerweile firmiert die Autorin unter drei Namen. Ihren ersten Münsterland-Krimi veröffentlichte sie noch als Sabine Schulze Gronover. Für die Dänemark-Krimis viel zu westfälisch, befand der Ullstein-Verlag und ließ sich auf Frida Gronover ein. Gronover bedeutet so viel wie „Grünufer“. Das war nordisch genug. „Als der KBV-Verlag, der die Münsterland-Krimis herausbringt, das mitbekam, haben sie dann Schulze gestrichen. Zu westfälisch“, berichtet die Autorin amüsiert von ihrer Identitätskrise.

Mit ihrem Mann und einer kleinen Menagerie – bestehend aus fünf Schildkröten, zwei Kaninchen, zehn Meerschweinchen und einem Labrador – lebt und schreibt sie in Mersch. „Ich liebe meinen Arbeitsplatz, der mit einem querformatigen und einem senkrecht stehenden Monitor ausgestattet ist“, schwärmt sie. Fan-Post beantwortet sie stets selbst, und ihre Online-Präsenzen geben auch Persönliches preis.

Familie hilft beim Geschichtenschreiben

Das Ehepaar Gronover ist ein gutes Team: Während Sabine Gronover für den Ideenreichtum zuständig ist, prüft Ehemann und Ingenieur Michael die Texte auf logische Fehler und fehlende Zusammenhänge. Familiäre Unterstützung gibt es auch bei Detailfragen der Mordplanung: Während sich Vater Schwienhorst mit Waffen auskennt, kann die Mutter als gelernte Apothekerin bei Giftmorden beraten.

Sabine Gronover selbst liest beispielsweise gern Ingrid Noll – „in deren Büchern morden die Frauen immer so nach dem Motto ,hoppla, wie konnte das denn jetzt passieren?’ Außerdem freue ich mich beispielsweise über jedes Buch von Martin Suter.“

Schreib-Flauten oder gar Blockaden seien ihr fremd. Wenn es einmal nicht vorangehen will, erzählt Gronover, lese sie einfach die letzten 100 Seiten ihrer Geschichte – und diese erzähle sich quasi von alleine weiter.

Das Buch

Sabine Gronover: Dänische Schuld, Ullstein Taschenbuch-

Verlag, 368 Seiten, Buch 9,99 Euro, eBook 8,99 Euro.

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