Mit harscher Kritik am Vorsitzenden

Weiterer frustrierter Arzt verlässt Hammer Forum

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Helmut Kaulhausen, Frauenarzt

Hamm - Das Hammer Forum hat einen weiteren verdienten Mitstreiter weniger in seinen Reihen.

Prof. Dr. Helmut Kaulhausen, Vereinsmitglied seit 2004 und über viele Jahre einer der Hauptakteure bei den Engagements in Eritrea, hat der Hilfsorganisation zum Jahreswechsel den Rücken gekehrt. Wie mehrere Mitglieder vor ihm verbindet auch der in Remscheid beheimatete Frauenarzt seinen Rückzug mit Kritik am Vorsitzenden Dr. Theophylaktos Emmanouilidis.

Helmut Kaulhausen (74) beschreibt das Wirken von Emmanouilidis als „stillos“ und attestiert dem fünf Jahre älteren, gebürtigen Griechen eine „gerontokratische“ Handlungsweise. „Es gibt nur noch Einsätze, die er selbst durchführt“, so Kaulhausen gegenüber dem WA.

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Das Tischtuch zwischen dem Forum und Kaulhausen wurde offensichtlich im Zuge der Planungen für das Jahr 2019 zerschnitten. Kaulhausen hatte für den kommenden März einen neuerlichen Einsatz in Eritrea geplant, bei dem Gynäkologen und Hebammen fortgebildet werden sollten, und einen entsprechenden Budgetplan aufgestellt. Dieser wurde vom Forums-Vorstand abgelehnt. „Ohne Begründung und vorherige Rücksprache, also insgesamt stillos“, wie Kaulhausen in seiner Austrittsbegründung schreibt.

Zuletzt hatte das Entwicklungshilfeministerium eine zweijährige Förderung in Höhe von 50.000 Euro für Kaulhausens Forums-Aktivitäten in Eritrea zur Verfügung gestellt. Dieses Geld war Ende 2018 aufgebraucht.

Theophylaktos Emmanouilidis, Chirurg

Der Bruch mit dem Forum kam nicht überraschend. Im August 2018 hatte Kaulhausen in Remscheid bereits den Verein „Medical Education and Training for Africa“, kurz „met4a“, mitgegründet und ist dessen Vorsitzender. Darauf stellte auch Forums-Vorsitzender Emmanouilidis gegenüber dem WA ab. „Ich gehe davon aus, dass er mit seinem neuen Verein nach Eritrea fährt.“

Das Hammer Forum sei satzungsgemäß auf Hilfseinsätze für Kinder ausgerichtet. Fortbildungen von Gynäkologen und Hebammen gingen damit nicht konform, erneuerte der Vorsitzende seine Position in einem seit Jahren währenden Grundsatzstreit innerhalb des Vereins. Zum Austritt Kaulhausens sagte der Vorsitzende: „Wir hätten ihn gern bei uns behalten.“

Professor Helmut Kaulhausen (rechts) im Jahr 2014 in Eritrea.

In Eritrea wird das Forum nach Emmanouilidis’ Worten allein noch das im Jahr 2008 vom Verein eröffnete Brandverletztenzentrum betreuen. Dies sei so auch bereits beschlossen worden, so der Vorsitzende. Mit dem Verein „met4a“ könne er sich eine Zusammenarbeit vorstellen. „Wenn Bedarf besteht, können wir kooperieren.“

Emmanouilidis’ Amtszeit beim Hammer Forum endet im Herbst dieses Jahres. Ob er dann noch einmal für das Amt des Vorsitzenden antreten wird, ließ er im Gespräch mit dem WA offen. „Es sind noch neun Monate Zeit. Da kann noch viel passieren“, so Emmanouilidis. Im Nachgang zu seiner Wahl 2017 hatte er erklärt, dass er den seitdem stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Georg Braun als seinen Nachfolger sehe. „Das wäre wunderbar“, sagte Emmanouilidis auch jetzt.

Aufgaben und Geschichte der Organisation:

Die Hilfsorganisation Hammer Forum setzt sich seit 1991 spendenfinanziert für die medizinische Versorgung von Kindern in Krisengebieten ein. Klaus Helling, damaliger Chefarzt der Klinik für Manuelle Therapie, war Anfang der 1990er Jahre in den Irak gereist, um durch den Golfkrieg verletzte Kinder zu behandeln. Danach gründete er mit Ärzten und Bürgern aus Hamm die Organisation – um auch in diversen anderen Krisengebieten medizinische Versorgung aufzubauen und dort medizinisches Personal auszubilden. In Ausnahmefällen werden Kinder für Operationen nach Deutschland oder Österreich geflogen.

2016 feierte das Forum 25-jähriges Bestehen.

Zuletzt kriselte es nach WA-Informationen. 2017 kündigten einige Gründungsmitglieder. Begründung war der Führungsstil des Vorsitzenden Dr. Theophylaktos Emmanouilidis.

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