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Mitten in Hamm: Waschbär, Fuchs und Marder im Garten - Bewohner machtlos

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Von: Sascha-Nikolai Paschedag

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Michael Dülberg muss das Vogelfutter vor den Waschbären sichern.
Vogelfutter verstecken: Nachts nimmt Michael Dülberg das Fressen weg. © Reiner Mroß / Digitalfoto

Beweise aus der Fotofalle: In ihrem Garten in der Innenstadt vermuteten zwei Hammer tierische Gäste, die nächtlich vorbeischauen. Sie sahen Waschbären, einen Fuchs und einen Steinmarder.

Hamm – Waschbären passen eigentlich nicht in unser Ökosystem. Die Tiere, die ursprünglich in Nordamerika heimisch sind, verbreiten sich allerdings seit Mitte der 1930er Jahre auch hierzulande immer weiter. Mittlerweile sind sie dabei auch in der Hammer Innenstadt angekommen.

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Waschbären graben kleine Löcher im Hammer Garten

„Es hat alles vor rund zwei Monaten angefangen, als wir in unserem Garten kleine gegrabene Löcher ausfindig gemacht haben“, sagt Michael Dülberg, der mit seiner Lebensgefährtin Jutta Müllmann unweit der Theodor-Heuss-Schule in Hamm wohnt. „Ich habe dann beim Naturschutzbund (Nabu) angerufen und eine Biologin hat mir bestätigen können, dass Waschbären für die Löcher verantwortlich sind.“

Waschbären, Fuchs und Steinmader auf den Aufnahmen

Um herauszufinden, welche Tiere nachts in seinem Garten herumschleichen, stellten sie eine Fotofalle auf, die die nächtlichen Besucher aufnehmen sollte. Die Aufnahmen bestätigten, was beide bereits wussten: Mehrere Waschbären waren auf verschiedenen Aufnahmen zu sehen. Festgehalten wurden sie dabei, wie sie versucht haben, an das Vogelfutter zu gelangen, das die beiden draußen angebracht haben. Zudem zeigten die Aufnahmen einen Fuchs sowie einen Steinmarder, die sich ebenfalls in der Gegend niedergelassen haben.

Waschbären tummeln sich im Garten.
Fotofalle: Michael Dülberg fing schon zahlreiche Waschbären ein. © Dülberg / Digitalfoto

„Als wir das gemerkt haben, haben wir abends immer das gesamte Vogelfutter reingeholt, um den Tieren keinen Anreiz zu schaffen, weiter hier zu sein“, sagt Jutta Müllmann. Dennoch trieben die Tiere weiter ihr Unwesen.

Um der Situation Herr zu werden, rief Müllmann bei der unteren Jagdbehörde an, die allerdings mitteilte, dass das Gebiet rund um die Adenauerallee ein befriedetes sei. Jäger dürften hier nicht aktiv sein. Das beinhalte zum einen das Schießen der Tiere, aber auch das Fallenlegen oder auch das Fangen und Aussetzen der Tiere an einer anderen Stelle.

Waschbären in Hamm: Jagdraten sprunghaft angestiegen

In anderen Gebieten in Hamm sei diese Problematik nicht gegeben, wodurch eine Bejagung der Tiere erlaubt ist. „Die Jagdraten von Waschbären sind in Hamm in der Vergangenheit sprunghaft angestiegen“, sagt Karl-Heinz Biermann, Kreisjagdberater der Stadt Hamm. Die Zahl der erlegten Tiere betrug von Anfang April 2020 bis Ende März 2021 557, vor wenigen Jahren waren es lediglich 200 bis 300.

Der Fuchs im Garten in der Innenstadt.
Fotofalle: Auch der Fuchs war schon da in der Adenauerallee. © Dülberg / Digitalfoto

Der Nabu Hamm steht der Thematik der Waschbären und ihrer Bejagung zwiegespalten gegenüber. „Die Tiere sind schon seit Langem da“, sagt Jürgen Hundorf vom Nabu. Obwohl die Tiere an sich nicht gefährlich seien, empfiehlt er den Menschen, Abstand zu wahren und die Tiere nicht anzufüttern: „Waschbären sind Allesfresser und wenn sie sich an einem Ort wohlfühlen, werden sie schnell heimisch. Die Tiere können dann auch in Dachstühlen unterkommen und Schäden an den Häusern anrichten“, so Hundorf. Von einer Bejagung der Tiere halte er allerdings auch wenig: „Die Tiere sind jetzt da, den Waschbär in dieser Region auszurotten ist nicht möglich, die Population würde anderswo wieder einwandern.“

Michael Dülberg und Jutta Müllmann fühlen sich aufgrund der aktuellen Situation dennoch machtlos: „Gestern waren Dachdecker hier und haben das ganze Haus untersucht, ob an einer Stelle die Tiere eindringen können“, so Müllmann. Die Nachbarn sowie die Schule wurden bereits darüber informiert. Sie würden sich dennoch wünschen, dass es einen Weg gebe, um der Situation künftig Herr zu werden.

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