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Hammer erwürgt seine Frau: Geständnis widerrufen

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© picture alliance / dpa

Ahlen/Münster - In der ersten Stunde des neuen Jahres geht der Notruf bei der Polizei ein: „Können Sie vorbeikommen? Ich glaube, ich habe meine Frau umgebracht.“ Entsetzte Frage des Beamten: „Was haben Sie gemacht?“ Antwort: „Ich habe sie erwürgt.“

Das Abspielen dieser Aufnahme war gestern der grausige Höhepunkt im Prozess gegen einen 52-jährigen Mann, der in der Neujahrsnacht 2017 seine Ehefrau in Ahlen getötet haben soll. Grausig vor allem deshalb, weil die Meldung kühl und sachlich erstattet wurde. Genau diesen Eindruck von lockerer Klarheit hatten auch der Leiter der Mordkommission und der Arzt, der kurz nach der Tat mit dem Verdächtigen redeten. Das Geständnis wiederholte der in Hamm geborene Angeklagte auch klar und deutlich vor der Ermittlungsrichterin. Doch jetzt will er sich an die Tat nicht mehr erinnern.

Er sei wegen des Streits mit seiner Frau in Rage geraten und habe sein Handy zerdeppert, sagte der Ahlener. „Danach kann ich mich an nichts mehr erinnern. Als ich wieder bei Besinnung war, habe ich das ganze Blut gesehen. Da bin ich erst mal eine rauchen gegangen. Dann habe ich die Polizei angerufen.“ Blut war am Tatort, weil die Frau vor dem Würgen mit einem hölzernen Küchenbrett malträtiert worden war. Vor und nach der Gewalttat klare Erinnerungen, dazwischen nichts. Das wollten ein Richter und der Staatsanwalt nicht glauben.

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Sie legten dem Angeklagten ein volles Geständnis nahe, zumal in den Unterlagen Fotos seiner blutverschmierten Hände und ein entsprechender Arztbericht liegen. Doch der 52-Jährige blieb bei seinem Blackout. Vielleicht aus Scham vor den Nebenklägerinnen, der Schwester und einer Tochter der Getöteten. Mit ihnen hatte er noch eine Woche vor der Tat in der polnischen Heimat seiner Frau Weihnachten gefeiert. Neben dem Tatablauf muss das Schwurgericht auch klären, wie es dazu kam.

Der Angeklagte erklärte die Eskalation des Streits mit dem ständigen Misstrauen seiner Frau. Wegen eines harmlosen Chats mit einer Nachbarin wollte sie die Ehe beenden. Nicht zum ersten Mal. „Sie war grundlos eifersüchtig und hysterisch“, so der Ahlener. Nachfragen der Kammervorsitzenden ergaben ein ganz anderes Bild. So hatte der Angeklagte bereits in seiner ersten Ehe sexuellen Kontakt mit anderen Frauen. Und auch seine zweite Frau betrog er.

Prozess wird am 19. Juli fortgesetzt

Kennengelernt hatte er sie 2010 im Internet. 2014 heirateten sie. Im März 2016 kam es zur Trennung, weil er eine mehrwöchige Beziehung in Frankfurt hatte. Das sei der einzige Seitensprung in seiner zweiten Ehe gewesen, wollte der Angeklagte glauben machen. Doch dann konfrontierte ihn die Richterin mit seinen Aktivitäten auf einem einschlägigen Internetportal.

Er musste einräumen, dass sich auch daraus Sex mit anderen Frauen ergeben hat. Das wusste seine Ehefrau. Zweimal fragte ihn die Richterin gestern: „Was hätten Sie denn gedacht, wenn Ihre Frau fremdgegangen wäre? Wie hätten sie sich gefühlt, wenn Ihre Frau im Internet intime Kontakte knüpft?“ Daraufhin der Angeklagte: „Das hätte ich auch nicht gut gefunden.“ Der Prozess wird am 19. Juli fortgesetzt.

Matthias Münch

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