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Alternatives Heizmaterial? Beim Brennholz explodieren die Preise!

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Von: Gisbert Sander

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Johannes Wallmeyer verkauft Brennholz.
Johannes Wallmeyer muss seine Brennholz-Kundschaft in diesen Tagen um Geduld bitten © © Andreas Rother

Der Kaminofen knistert und es wird wohlig warm. So sollte es für viele Hammer im Winter sein. Der Blick auf die neuerliche Preisentwicklung lässt viele allerdings erschauern.

Hamm – Angesichts explodierender Preise auch bei Kaminholz und Holzpellets dürfte sich so mancher Bürger die Augen reiben, wenn sie ihm nicht gleich die Tränen in dieselben jagen: Kostete der Schüttraummeter (SRM) Brennholz vor rund einem Jahr noch etwa 60 Euro, liegt er nach Auskunft von Johannes Wallmeyer, Brennholzhändler in Bockum-Hövel, aktuell bei 135 Euro. Und das Ende der Preisspirale sei noch nicht abzusehen: Wallmeyer schätzt, dass der SRM bei anhaltender Nachfrage zum Beginn der Heizperiode auf 150, vielleicht sogar 170 Euro steigen wird.

Brennholz und Pellets bei Vöge schon ausverkauft

Immerhin: Wallmeyer hat noch Ware, die er verkaufen kann. Das sieht beim Energiehandel Vöge in Hamm-Süden anders aus: Bei Brennholz und Pellets heißt es „ausverkauft“. „Wir werden von Anfragen überrannt und gleichzeitig ist kaum noch an Ware zu kommen“, sagt Vöge-Geschäftsführer Tim vor dem Gentschenfelde. Seine Vorräte seien bisher vor allem aus der Ukraine geliefert worden – da schiebt der Krieg jetzt einen Riegel vor. Andere Lieferanten zu finden, sei so schwierig, dass Kunden sich auf Lieferzeiten von aktuell bis zu 12 Wochen einstellen müssten.

Lieferungen von Brennholz lassen auf sich warten

Bei Johannes Wallmeyer kommt das Holz von deutschen Staatsforstämtern – wie lange noch, kann er nicht sagen. Auch bei ihm steht das Telefon nicht still, ordern Kunden, was das Zeug hält – trotz der hohen Preise. „Denn mit Holz zu heizen, ist immer noch günstiger als mit Öl“, sagt er. Aber auch bei ihm müssen sich Kunden bis etwa September gedulden, weil er nur eine Bestellung nach der anderen abarbeiten kann. „Wo dann der Preis liegt, weiß jetzt noch niemand“, sagt Wallmeyer.

Johannes Wallmeyer vor dem Holz-Lager in Bockum-Hövel.
Das Lager bei Johannes Wallmeyer ist (noch) gut gefüllt. © © Andreas Rother

Bei Holzpellets sieht es nicht viel anders aus. Immerhin hat Wilhelm Walther in Uentrop vorgesorgt und einen Vorrat angelegt, vor allem an Sackware. Darin kostet die Ware aktuell knapp 500 Euro pro Tonne, lose Pellets lägen bei etwa 450 Euro – gegenüber rund 200 Euro vor einem Jahr. Lose Ware sei allerdings deutlich schwerer zu besorgen – und das, obwohl Walther sicher ist, dass ihn sein Hersteller im Sauerland nicht im Stich lässt: „Da sind wir seit Jahren Stammkunde.“

Er hat sich selbst 2005 eine Pellet-Heizung in sein Wohnhaus einbauen lassen und steht immer noch dazu: „Gemessen am Öl ist man mit Pellets immer noch auf der grünen Seite“, spielt er auf den Umweltfaktor an – und auf die Kosten: „Man darf nicht vergessen, dass Pellets mit 7 Prozent, Öl aber mit 19 Prozent besteuert wird.“ Eine solche Situation wie jetzt hat Walther noch nicht erlebt: Sonst habe es schon einen Aufschrei der Entrüstung gegeben, wenn der Preis mal um 30 Euro gestiegen ist. Sein Tipp für die Kunden: „Sie sollten bei Wartezeiten von sechs bis acht Wochen rechtzeitig bestellen, bevor der Bunker leer ist.“

Eine dumme Idee wäre es, einfach in den Wald zu gehen und Holz zu sammeln. „Das wäre Diebstahl, damit macht man sich strafbar“, warnt Förster Maurice Cosler. Das Holz gehöre den Waldbesitzern. Die lassen ihr Holz über Vermarktungsorganisationen verkaufen. Cosler könne bei Bedarf einen Kontakt vermitteln und auch einen Erlaubnisschein ausstellen. Mit der Preisgestaltung hat die Forstbehörde nichts zu tun.

Buchenwald in der Nähe der Geithe gefällt Buchen abgestorben Ziegeleistraße und Kölnischen Straße in Braam-Ostwennemar Förster Maurice Cosler
Förster Maurice Cosler klärt über das Holzsammeln im Wald auf. © Andreas Rother

Von der Stadt Hamm wurden zuletzt 2020 Holz-Sammelscheine ausgegeben, weil die Ausgabe und Kontrolle nach Auskunft von Stadtsprecher Lukas Huster recht arbeitsintensiv ist. Ende diesen Jahres oder Anfang 2023 soll es aber eine Neuauflage geben. Wegen des Arbeitsaufwands werde vermutlich eine Mindestmenge von 5 Raummetern festgesetzt, um Kleinstmengen-Sammeln zu vermeiden.

Brennholz wird umso stärker nachgefragt, je mehr Bürger sich dafür entscheiden, einen Kamin- oder Kachelofen in ihre Wohnungen zu stellen. Oliver Pol von „Feuer und Form“ stellt eine „deutlich höhere“ Nachfrage fest: „Wie sinnvoll die ist, steht auf einem anderen Blatt“ sagt der Ofenbauer. Als Beispiel führt er den häufig geäußerten Wunsch nach wasserführenden Kaminöfen an, die dank des lodernden Feuers nicht nur Gemütlichkeit und Wärme verbreiten, sondern die auch zur Erwärmung von Wasser und für die Heizung genutzt werden können – mit entsprechend technischem Einbauaufwand. „Das kostet viel Geld, funktioniert aber nicht ohne Strom“, sagt Pol. Er muss Kunden mit dem Einbau bis Februar/März 2023 vertrösten. Die Lieferzeiten für einfache Kaminöfen lägen derzeit bei acht bis zehn Wochen, früher seien es zwei gewesen.

Ein Problem seien nämlich die speziellen Brennraumscheiben: Die Firma für Kaminöfen, mit der Pol zusammenarbeitet, habe beim Glashersteller Schott kürzlich 1000 Scheiben bestellt, aber nur 50 bekommen – und das mit Mindermengenaufschlag, der an die Kunden weitergegeben wird. „Jetzt stehen bei mir Kaminöfen ohne Scheiben“, so Pol. Auf 10 bis 15 Prozent beziffert er die aktuelle Verteuerung bei Kaminöfen, mit 25 bis 30 Prozent fällt die bei Außenkaminen deutlich höher aus. Pol baut auch die richtig großen Kachelöfen. Weil deren Preis ohnehin im fünfstelligen Bereich liege, sei die Nachfrage deutlich zurückgegangen.

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