Interview

Russische Polizei, Einreisebeschränkungen und verpasste Flüge: Weltreisende aus Hamm berichten von Abenteuern

Weltreisende aus Hamm: Marius Pöpsel und Vlada Vigilanski sind seit Monaten auf Weltreise. Sie waren unter anderem in Ungarn am Balaton, in St. Petersburg, in Moskau und in Kroatien. Dort sind mit der Zipline über den Fluss Cetina „geflogen“.
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Weltreisende aus Hamm: Marius Pöpsel und Vlada Vigilanski sind seit Monaten auf Weltreise. Sie waren unter anderem in Ungarn am Balaton, in St. Petersburg, in Moskau und in Kroatien. Dort sind mit der Zipline über den Fluss Cetina „geflogen“.

Seit fast vier Monaten reisen der Hammer Marius Pöpsel und seine Freundin Vlada Vigilanski um die Welt. Neben vielen Eindrücken und tollen Fotospots, stoßen die Backpacker jedoch auch immer wieder auf neue Hürden.

Hamm – Fast 30.000 Kilometer Strecke haben sie in dieser Zeit hinter sich gebracht und sind noch lange nicht am Ende angekommen. Mit Svenja Jesse sprachen sie über Einreisebeschränkungen, fehlende Flugtickets und eine Begegnung mit der russischen Polizei.

Wie geht es euch auf eurer Reise durch die Welt?
Marius: Uns geht’s super. Es ist natürlich alles deutlich anstrengender, als man zunächst gedacht hat. Wir müssen immer gucken, wo geht’s als nächstes hin. Welchen Bus oder Zug müssen wir nehmen...
Vlada: ...und dürfen wir die überhaupt nehmen!
Eigentlich wolltet ihr ja bei Ihrer Weltreise komplett aufs Fliegen verzichten, das hat aber nicht geklappt. Warum nicht?
Vlada: Dadurch, dass wir das deutsche Touristenvisum hatten, durften wir nur direkt aus Deutschland nach Russland einreisen. Das geht nicht ohne zu fliegen. Also mussten wir zwölf Stunden von Budapest mit dem Bus nach Berlin fahren, um von da aus zu fliegen. Aber wir müssen uns nun mal an die Einreisebestimmungen halten, das erfordert die Zeit aktuell.
Eines der ersten großen Ziele von Marius und Vlada auf ihrer Weltreise war Russland. Hier waren sie unter anderem in St. Petersburg und Moskau.
In Russland habt ihr euch dann einen Traum erfüllt und sind mit der Transsibirischen Eisenbahn gefahren. Wie war das?
Vlada: Das war eine spannende Sache. Es gibt drei Klassen. In der ersten hat man ein Zweierabteil, in der zweiten ein Viererabteil und in der dritten Klasse ist ein ganzer Waggon mit Betten vollgestellt. Ich glaube, es sind 57 Betten. Damit sind wir gefahren. Vier Fahrten haben wir gemacht. Die längste Strecke waren 40, die kürzesteneun Stunden. Man hat da sein Bett und bekommt Bettwäsche und dann macht man eigentlich nichts anderes als schlafen und essen.
Marius: Es war super entspannt, wenn man einmal sein Bett fertig gemacht hat. Man kann die Aussicht genießen. Wir hatten einen tollen Blick auf die russische Landschaft. Birkenwälder und Flüsse. Russland besteht gefühlt zu 90 Prozent aus Natur.
Ihr habt aber auch andere Menschen getroffen, oder?
Vlada: Ja, da war ein Mann, der wollte uns zwei Hektar Land für 3000 Euro verkaufen in Omsk. Und wollte dann direkt Nummern austauschen. Alles natürlich auf Russisch. Für Marius war das alles nicht so einfach.
Marius: Für mich war es wirklich schwierig mit der Sprache. Da war ich dankbar, dass Vlada übersetzt hat und die Gespräche ermöglicht hat. Wir können das auf jeden Fall nur empfehlen und sind super happy, dass wir das erste große Ziel geschafft haben.
In Russland hattet ihr allerdings auch eine Begegnung mit der Polizei...
Vlada: Ja, das war in Moskau. Wir wollten den Abend mit einem Bier abschließen. Haben uns jeder eins geholt und dann in den Park gesetzt. Plötzlich standen drei Polizisten vor uns und haben böse auf uns herunter geguckt. Und ich dachte „oh nein“. Dann haben wir erfahren, dass in der Stadt ein Alkoholverbot gilt. Ich dachte wirklich, wir werden verhaftet, die Reise ist vorbei. Aber die waren super nett, super kulant und konnten auch ein paar Sätze Deutsch, sogar sehr gut. Und dann ist noch mal alles gut gegangen. Es blieb bei einer Verwarnung.
Während ihre Reise in Moskau noch ohne Probleme verlief, kamen Vlada und Marius in Miami plötzlich nicht mehr weiter.
Von Russland wolltet ihr weiter nach China. Warum hat das nicht geklappt?
Vlada: In der Mongolei und in China, eigentlich in ganz Asien, sind die Grenzen noch dicht oder die Einreisebestimmungen sehr kompliziert. Also mussten wir gucken, wo wir sonst hinkönnen – und da kam eigentlich nur Zentralamerika in Frage. Weil wir dort unser Backpackerleben weiterführen können. Mehrere Grenzen sind offen und wir können mit dem Bus reisen. Deshalb haben wir einen Flug gebucht mit mehreren Zwischenstopps. Über Moskau, nach Miami und von da nach Nicaragua. Also eigentlich.
Marius: Wir sind gut in Miami angekommen, da war aber dann die Umstiegszeit zu kurz und wir wussten nicht, dass man einen Rückflug nachweisen muss. Wir hatten uns wirklich super oft informiert und mehrmals rückversichert, aber das stand nirgends. Der Check-in war schon vorbei, das Boarding lief, und wir durften dann nicht mitfliegen. Und dann standen wir da mit unseren kleinen Rucksäcken und unsere Backpacks, da sind wir davon ausgegangen, dass die nach Nicaragua fliegen, ohne uns. Da ist für uns eine kleine Welt zusammengebrochen. Das war der schlimmste Tag bisher für uns, mit Jetlag und ohne unsere Sachen.
Vlada: Nach 20 Minuten kam aber dann ein Mann von der Fluggesellschaft vorbei und hat die Besitzer unserer Backpacks gesucht. Da sind wir aufgesprungen und haben uns bedankt.
Und wie ging es dann für euch weiter?
Vlada: Nachdem wir uns beruhigt haben, haben wir uns gedacht, es gibt Schlimmeres als in Miami festzustecken und sind einfach eine Woche geblieben, bis der nächste günstige Flug nach Nicaragua ging. Wir haben die Zeit sehr genossen, auch wenn es schweineteuer war.

Über ihre Reise berichten die beiden auch auf ihrem Instagram-Kanal @vladaandmarius. Dort gibt es neben vielen Fotos und Videos auch Tipps, für alle, die selbst eine Weltreise planen.

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