Unsere Serie: Was braucht Herringen?

Keine No-Go-Areas? Polizist erklärt, wie sicher Herringen ist

Häuser jetzt gesichert:  Polizeihauptkommissar Jens Figge vor den leer stehenden Zechenhäusern am Wiesenteich. Darin hatten sich nachts Unbekannte aufgehalten.
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Auch das gehört zur Arbeit: Polizeihauptkommissar Jens Figge vor leer stehenden Zechenhäusern am Wiesenteich. Darin hatten sich nachts unbefugt Menschen aufgehalten.

Die Zahl der Straftaten in Herringen ist im vergangenen Jahr um 13 Prozent gestiegen. Wie sicher ist der Bezirk? Diskutieren Sie mit! (Formular im Artikel)

Herringen – Sie sind ein eingespieltes Team, das über ein gut funktionierendes Netzwerk in ihrem Bezirk verfügt: Seit 2015 beziehungsweise 2016 sind Jens Figge und Frank Keil als Bezirksbeamte der Polizei in Herringen (Hamm) unterwegs und tragen ihren Teil dazu bei, dass sich die Bürger sicher fühlen.

BezirkHerringen
Einwohner am 31.12.202019.937
Straftaten im Jahr 2020920
Einwohner am 31.12.201520.252
Straftaten im Jahr 20151074

Sicherheit in Herringen: Polizei sieht keine „No-Go-Areas“

Aber wie genau ist es um die Sicherheit im Bezirk bestellt? Ein Blick in die Kriminalitätsstatistik lässt eine durchaus positive Entwicklung erkennen. Zwar stieg die Zahl der Straftaten von 2019 auf 2020 um 13 Prozent auf 920 Delikte. Das ist aber noch immer der zweitniedrigste Wert in den vergangenen zehn Jahren. Diesen Trend bestätigt auch Figge: Sicher, in Herringen sei nicht alles gut. „Aber der Stadtbezirk ist nicht so schlecht, wie er oft gemacht wird.”

Der Polizeihauptkommissar (PHK) weiß, wovon er spricht: Vor seinem Wechsel in den Bezirksdienst war er 15 Jahre lang für die Wache in Bockum-Hövel im Einsatz und auch viel in Herringen unterwegs. Zu Beginn der 2000er-Jahre habe es dort den ein oder anderen Brennpunkt gegeben, der unter besonderer Beobachtung der Polizei stand. Er könne sich, wie Figge sagt, noch gut daran erinnern, wie er drei bis vier Mal in der Woche zur hinteren Rosenstraße ausrücken musste. Heute sei dieser Bereich weitgehend unauffällig. Auch an der Waldenburger Straße habe es in den Hochhäusern regelmäßig Einsätze gegeben. Mittlerweile seien die Hochhäuser Geschichte und der Bereich ruhig.

Entspannter als früher: Weniger Einsätze am Isenbecker Hof

Deutlich entspannter als früher sei die Situation zudem in der Isenbecker-Hof-Siedlung. Zwar gebe es auch dort den ein oder anderen „Kunden“. Die seien aber meist kooperativ, was die Arbeit der Polizei erleichtere. Zu vielen habe man inzwischen einen guten Draht und ein gewisses Vertrauensverhältnis aufbauen können. Einige Menschen sprächen die Polizisten gezielt an. „Es kommt sogar vor, dass wir zum Tee eingeladen werden“, erzählt Figge.

Einen Kriminalitäts-Brennpunkt oder eine „No-go-Area“ – also einen Bereich, wo die öffentliche Sicherheit nicht mehr gewährleistet werden kann – gibt es in Herringen laut Figge nicht. „Wir fahren überall hin, wo wir gebraucht werden.“ Den Polizeihauptkommissar ärgert es, dass in sozialen Medien davon die Rede ist, dass bestimmte Bereiche im Hammer Westen und Norden von der Polizei gemieden würden. Dem sei nicht so, sagt Figge. Gleichwohl gebe es auch in Hamm Gegenden, die problematischer seien als andere.

Probleme gibt es da, wo sehr unterschiedliche Menschen eng zusammenleben

Wenn es im Stadtbezirk Herringen Orte gibt, an denen die Polizei häufiger zu tun hat, dann sind das Bereiche, in denen Menschen unterschiedlicher Gruppen auf relativ kleinem Raum in den Häusern der großen Wohnungsbaugesellschaften leben. Auch die Fluktuation bei den Mietern ist hier groß.

Das stellen Figge und sein Kollege Keil bei ihrer Arbeit immer wieder fest. Neben der Schulwegsicherung, der Präventionsarbeit, dem Opferschutz und Gesprächen mit den Bürgern gehören die Vollstreckung von Haftbefehlen sowie die Aufenthaltsermittlung zu ihrer Arbeit.

Polizisten versuchen, auf dem kurzen Dienstweg zu helfen

Es sind aber auch die kleinen Dinge des Alltags, wo Figge und Keil zu helfen versuchen. Ein Beispiel sind die drei seit etwa zwei Jahren leer stehenden Zechenhäuser gegenüber vom Knappenheim am Wiesenteich. Es habe Hinweise gegeben, dass sich dort vor allem nachts illegal Menschen aufhalten, sagt er, Kinder und Kinder und Jugendliche, aber auch Obdachlose und Drogenabhängige wurden dort vermutet. Der Vermieter hatte die Türen der Häuser zwar zugemauert, wie Figge sagt.

Durch eingeschlagene Fenster seien dennoch Personen ins Innere vorgedrungen. Zudem habe sich Müll angesammelt. Also kontaktierten die Polizisten auf dem kurzen Dienstweg den Eigentümer der Häuser. „Schon nach wenigen Tagen waren Fenster und Keller gesichert und das Gelände umzäunt“, sagt Figge.

Schriftzüge: Polizisten wissen, wofür sie stehen

Rund 90 Minuten lässt sich Polizeihauptkommissar Figge auf einer Rundfahrt begleiten, fährt mit dem Polizeiwagen durch Herringen. Er erzählt viel über die Arbeit der Polizei und darüber, was die Zeichen bedeuten, die auf Wänden zu lesen sind: Das N und das H im Schriftzug „NH77“ stehen für Neue Heimat. Und die 77? „Das sind die letzten beiden Zahlen der Herringer Postleitzahl“, erklärt Figge. „HG 77“ stehe für Herringer Gang 77. Aha, hat Herringen also ein Gang-Problem? „Nein“, sagt der Bezirksbeamte.

Eine Jugend-Gang gebe es hier nicht, dafür aber Bereiche wie die Schachtstraße oder zeitweise der Parkplatz am Parkfriedhof, wo sich Jugendliche und junge Erwachsene treffen und für Ärger bei Anwohnern sorgen. Natürlich geht es an diesem Vormittag auch um das Thema „Corona“ und damit verbundene Probleme wie häusliche Gewalt. Die habe in Herringen, so der Bezirksbeamte, nicht zugenommen.

Polizisten nutzen Zeit für Prävention

Wichtig ist Figge und seinem Kollegen, wie er immer wieder betont, der Kontakt zu den Bürgern. Sie sprechen mit den Bürgern über Einbruchschutz und andere Präventionsmaßnahmen oder nehmen sich Zeit, wenn sie Opfer von Straftaten geworden sind. „Wir wollen ihnen die Angst nehmen.“ Das sei, so Figge, ein ganz wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit. „Natürlich geht es in dieser Zeit auch immer wieder um die Pandemie“, sagt Figge, der wie sein Kollege Polizeihauptkommissar Keil noch eine dringende Bitte an Eltern von Schulkindern hat: Es gebe einige, die ihre Kinder mit dem Auto am liebsten direkt bis vors Klassenzimmer bringen würden. Das sorge spätestens dann, wenn der Unterricht wieder normal läuft, für teilweise chaotische Verhältnisse vor den drei Grundschulen. Aber nicht umsonst machten alle Kinder im Kindergarten den Kids-Führerschein. Zudem werden die Schulwege mit ihnen abgegangen. „Kinder können das“, sind Figge und Keil überzeugt.

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