Für Physio- und Ergotherapeuten

Bildung statt Kohle: Vidacta-Gruppe eröffnet Schule auf Heinrich Robert

Noch eine Baustelle: Ab Oktober sollen im ehemaligen Direktionsgebäude angehende Physiotherapeuten und Ergotherapeuten unterrichtet werden.
+
Noch eine Baustelle: Ab Oktober sollen im ehemaligen Direktionsgebäude angehende Physiotherapeuten und Ergotherapeuten unterrichtet werden.

Teile des Creativreviers Heinrich Robert werden künftig ein Schulstandort der Vidacta Bildungsgruppe GmbH. Das international agierende Unternehmen startet bereits zum 1. Oktober dieses Jahres mit Berufsausbildungen in der Physiotherapie und Ergotherapie sowie mit der Anpassungsqualifizierung für Zugewanderte.

Hamm – Los geht es im Erdgeschoss des – ehemaligen – Direktionsgebäudes, wo die Räume derzeit hergerichtet werden. Auch Teile der Lohnhalle (Versammlungsraum) sollen später von der Schule genutzt werden. Insgesamt geht es zunächst um 600 Quadratmeter. „Mittelfristig wollen wir dann in die ehemalige Maschinenhalle“, sagte Jürgen Watanabe, der als Geschäftsführer zusammen mit Dr. Holger Korte und Stephanie von Weichs das Unternehmen leitet.

Start mit zwei Klassen - über die Hälfte der Plätze vergeben

Start ist mit zwei Klassen von jeweils 28 Schülern. „50 bis 60 Prozent“ der Plätze sind bereits vergeben. Die Schule soll sukzessive aufgebaut werden. Mit Semesterbeginn am 1. April 2022 werden die nächsten 56 angehenden Therapeuten erwartet. Ihre Ausbildung dauert drei Jahre – zwei Jahre Theorie und ein Jahr Praktika in allen medizinischen Bereichen.

Die Ausbildung ist schulgeldfrei, da das Land 100 Prozent der Kosten übernimmt. „Am Ende der drei Jahre steht dann die Prüfung zum staatlich geprüften Physiotherapeuten beziehungsweise Ergotherapeuten“, so Watanabe.

Das soll es aber noch nicht gewesen sein. Neben den Ausbildungsplätzen für über 330 angehende Therapeuten strebt die Vidacta Bildungsgruppe auch eine schulische Ausbildung für Pflegeberufe, Masseure und medizinisch-technische Berufe an. Watanabe geht davon aus, dass am Ende mehr als 500 Schüler den Schulstandort im CreativRevier besuchen werden.

Angestrebt werde dabei auch die Kooperation mit Akteuren vor Ort und einer Universität. Ob das die private Lunex-Universität in Luxemburg sein wird, die vor einem Jahr ihr Interesse am Standort Hamm angemeldet hatte, ließ Watanabe allerdings offen. Das Thema sei noch nicht vom Tisch.

Unterricht in Hamm in Präsenzform geplant

Der Unterricht in Hamm soll nach Möglichkeit in Präsenzform erfolgen. Es werde aber auch eine volle digitale Ausstattung geben, so der Geschäftsführer. Den Ausschlag, sich in Hamm niederzulassen, habe vor allem das hervorragende Netzwerk gegeben. Gerade in den ersten Gesprächen am Standort habe man sehr viel lokalen Support erhalten, unter anderem von OB Marc Herter und Eigentümer Jürgen Tempelmann. „Er hat uns mit der Zechenanlage eine sehr vorzeigbare Alternative vorgestellt.“

Ein besonderer Dank ging an Gerhard Draband vom Bundesverband mittelständischer Wirtschaft, der „uns motiviert hat, in diesen Standort zu investieren“. Mit seiner Unterstützung habe man eine Vielzahl an Praktikumsplätzen für die therapeutische Ausbildung gewinnen können, so Watanabe.

Er und seine Mitstreiter sind vom Erfolg der Schule überzeugt. Physiotherapeuten und Ergotherapeuten seien Berufe, die in Hamm und darüber hinaus dringend benötigt werden, sagte Dr. Holger Korte, der als ehemaliger CEO (Geschäftsführer) der Lunex-Universität das CreativRevier bereits vor über einem Jahr kennengelernt hatte. Er gehe davon aus, dass die meisten Absolventen dem Arbeitsmarkt in Hamm und darüber hinaus zur Verfügung stehen werden.

Internationale Schüler sollen auf der ehemaligen Zeche lernen

Am Standort Hamm wird auch ein hoher Anteil an internationalen Schülern angestrebt. Schon jetzt sei, wie Stephanie von Weichs sagte, der Fachkräftemangel vor allem in den Gesundheitsberufen eklatant – auch in Hamm. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, bilde man entsprechendes Fachpersonal aus. Daher wolle man auch ausländische Fachkräfte anwerben und qualifizieren.

„Wir unterstützen unsere ausländischen Teilnehmer dabei, ihren ausländischen Abschluss in Deutschland anerkennen zu lassen, die Sprache zu lernen, einen Wohnraum zu finden und in Integrationskursen das deutsche Wertesystem kennenzulernen.“ Vor allem die Integration organisiere man in enger Abstimmung mit den lokalen Integrationsbeauftragten der Stadt.

Von einer „schönen Entwicklung für das Creativrevier und für Hamm“ sprach Oberbürgermeister Marc Herter. Die Vicdacta Schule sei die erste größere Ansiedlung auf Heinrich Robert. Und es gebe hier sogar die Möglichkeit für eine Expansion.

Auch Gebäudeeigentümer Jürgen Tempelmann, Ideengeber für das gesamte Creativrevier, freute sich über den Abschluss. Der Mietvertrag sei vor wenigen Tagen unterzeichnet worden. Mit der Ansiedlung der Schule kehre langsam wieder Leben in die historischen Gebäude ein.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare