Trotz rechts vor links: Autofahrer bleibt auf Teil des Schadens sitzen

Hamm/Stockum - Was ist eigentlich eine Straße? Und gilt die Regel „rechts vor links“ auch dann, wenn eine Zuwegung wie eine Straße aussieht?

Vor Fragen wie diesen stehen bisweilen nicht nur Autofahrer, sondern standen jetzt auch die Richter des 9. Zivilsenats am Oberlandesgericht Hamm, als sie im Dezember über die Schadensregulierung nach einem Verkehrsunfall, der sich im September 2016 in Werne/Stockum zugetragen hatte, zu entscheiden hatten. Tenor des Richterspruchs: Autofahrer müssen Rücksicht walten lassen, auch wenn sie das Recht formal auf ihrer Seite haben.

In dem Hammer Nachbarort gibt es eine dieser Geisterkreuzungen (an der Werthstraße/Ecke Boymerstraße), die eigentlich keine echte ist. Bei einem der vier Kreuzungsäste handelt es sich um eine nur wenige Meter lange Zuwegung zu einer Turnhalle. Tückisch daran: Die Zuwegung ist genauso breit und massiv ausgebaut wie die anderen drei Äste. Und dass die Einfahrt nur 20 Meter Tiefe hat, ist von der Straße nicht zu erkennen.

Am 3. September 2016 kam es hier zum Crash. Ein Autofahrer aus Hamm hatte die reguläre Straße befahren, eine Autofahrerin aus Werne war von der Turnhalle gekommen. Beide Autos – ein Skoda Octavia und ein Mercedes Vaneo – wurden erheblich beschädigt. Vor Gericht stritten die Parteien um einen Betrag von 13.000 Euro.

Die Autofahrerin aus Werne wähnte sich irrtümlich auf einer Straße und wandte fälschlicherweise die Regel „rechts vor links“ für sich an. Vorfahrt hatte tatsächlich der von links kommende Fahrer aus Hamm. Doch den ihm entstandenen Schaden muss er nun zu einem Drittel selber tragen. Das, so die OLG-Richter, liege an den besonderen Umständen des vorliegenden Falls.

Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten, die den Einmündungsbereich wie eine Kreuzung erscheinen ließen, habe der vorfahrtberechtigte Kläger aus Hamm damit rechnen müssen, dass sein Vorfahrtrecht von der Beklagten nicht erkannt werde. Er hätte sich per Blickkontakt zu der Frau aus Werne absichern müssen, ehe er in die Kreuzung einfuhr.

Ähnlich hatte bereits das Landgericht Dortmund in der Angelegenheit entschieden. Beide Parteien zogen in der mündlichen Verhandlung vor dem OLG ihre Berufungen zurück.

Aktenzeichen: 21 O 361/16 LG Dortmund

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare