1. wa.de
  2. Hamm

Parteitag wird für Hammer SPD zum Fiasko

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Detlef Burrichter

Kommentare

null
Der Abgang: Monika Simshäuser verlässt unter Beifall der Delegierten den Unterbezirksparteitag.

HAMM - Fiasko in der Morgenstunde: Die Hammer SPD hat am Samstag ihre Frontfrau Monika Simshäuser verloren und steckt in einer Führungskrise.

Von Detlef Burrichter

Der Vorschlag, den designierten Oberbürgermeisterkandidaten Dennis Kocker in einem Hau-Ruck-Verfahren zum Parteichef zu befördern, scheiterte. 

Bilder vom Parteitag

Die Hammer SPD-Vorsitzende Monika Simshäuser hatte zu Beginn des Unterbezirksparteitags zur Überraschung vieler Parteimitglieder, die erst am Morgen aus dem WA von der Führungskrise erfahren hatten, dass sie nicht für eine Wiederwahl kandidieren werde. Erst am späten Freitagabend sei sie "nach unzähligen Gesprächen" zu der Erkenntnis

Simshäuser im Wortlaut

Die Redaktion dokumentiert Auszüge aus der Rede von Monika Simshäuser vor dem Unterbezirksparteitag zu ihrem Rückzug inwörtlicher Rede:

gekommen, "dass es mir nicht gelingen wird, hier heute auf diesem Parteitag die notwendige breite Unterstützung der Delegierten zu bekommen." Deshalb habe sie sich dazu entschlossen, ihre Kandidatur für das Amt der Parteivorsitzenden zurückzuziehen. 

"Dieser Schritt ist mir persönlich schwer gefallen", sagte Simshäuser den 131 Delegierten in der Aula der Sophie-Scholl-Gesamtschule. Sie habe aber noch das Bild von der missglückten Wahl Rainer Saßmannshausens zum SPD-Bundestagskandidaten vor Augen. Mehrere Hammer SPD-Delegierte ließen Saßmannshausen bei der Wahl durchfallen (WA berichtete). 

Deshalb habe sie sich "im Interesse der Partei" und auch "in der Verantwortung" für den SPD-Bundestagskandidaten Michael Thews und

Kommentar

Lesen Sie hier einen Kommentar von Stadtanzeiger-Redakteur Michael Girkens.

des OB-Kandidaten Dennis Kocker zum Rückzug entschieden. Die seit mehr als 40 Jahren in der Hammer SPD aktive Politikerin erklärte abschließend aber auch: "Dies ist nicht das Ende meiner politischen Arbeit für die SPD." Sie mache aber den Weg frei für eine andere Personalentscheidung, "die hoffentlich eine große Unterstützung erfahren wird." Simshäuser ist auch stellvertretende SPD-Ratsfraktionsvorsitzende und zweite Bürgermeisterin. 

Nachdem Simshäuser mit entschlossenen Schritten die Versammlung verlassen hatte, ließ (Noch-)Vize Dr. Georg Scholz per Beschluss den Parteitag unterbrechen. Ein etwa zweistündiges Beratungswirrwarr hinter

Portrait

Monika Simshäuser ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Stadt Hamm. Bereits bei einer Umfrage in den 90er Jahren sagten neun von zehn Hammern, dass sie die Politikerin kennen.

Lesen Sie hier ein Portrait für die SPD-Politikerin

verschlossenen Türen folgte. Delegierte aus den Ortsvereinen, der Jusos und des Unterbezirksvorstands empfahlen schließlich dem höchsten Parteigremium, sich zu vertagen. Der Parteitag folgte diesem Vorschlag mit einstimmigem Beschluss. In etwa vier Wochen soll ein neuer Parteivorsitzender gewählt werden. Außerdem beauftragte der Parteitag ebenfalls einstimmig Dennis Kocker damit, zusammen mit dem Landtagsabgeordneten Marc Herter und dem Ratsfraktionsvorsitzenden Manfred Lindemann ein neues Personalpaket zu schnüren, das in beiden streitenden SPD-Lagern eine breite Zustimmung findet. "Die Gremien erwarten von mir und trauen mir zu, dass ich die beiden Lager wieder zusammenführe", sagte Dennis Kocker nach dem Vertagungsbeschluss auf WA-Nachfrage. "Die Partei braucht vor den anstehenden Wahlkämpfen Geschlossenheit", da mache es keinen Sinn, über ein Personaltableau abstimmen zu lassen, das nicht austariert sei. 

Zuvor hatte sich abgezeichnet, dass auch Kocker mit vielen Gegenstimmen hätte rechnen müssen, hätte er sich am Samstag bereits der Wahl zum Parteivorsitzenden gestellt. "Wir haben ganz klar gesagt, dass wir elf Juso-Delegierte Kocker heute nicht mitwählen können", sagte Juso-Vorsitzender Damian Chatha. Das habe sich nicht gegen Kocker gerichtet, sondern gegen ein Hauruckverfahren. "Der Karren wurde an die Wand gefahren, da kann man ihn nicht binnen einer Stunde wieder zusammenbauen." Auch aus mehreren Ortsvereinen kamen Signale, Kocker nicht geschlossen mitzuwählen, hieß es von mehreren Teilnehmern.

 Außerdem hatten nach Simshäusers Rückzug drei Beisitzer ihre Kandidatur ebenfalls zurückgezogen, so dass das Gesamt-Personalpaket nicht mehr stimmig war. Diese neue Ausgangslage habe Kocker dazu bewogen, seine Bereitschaft zur sofortigen Kandidatur noch am Samstag zurückzuziehen, hieß es weiter. Für die neue Führungsmannschaft stellte Juso-Chef Chatha bereits eine Bedingung: "Dem neuen Vorstand dürfen keine Kandidaten angehören, die seit Monaten hinterhältig und falsch agiert haben." Wenn er damit gemeint hat, wollte er nicht öffentlich machen.

Auch interessant

Kommentare