Hochnebel verdeckt in Hamm die Sonnenfinsternis

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Brillen im Nebel - hier gesehen in Drensteinfurt am Freitagvormittag.

[UPDATE 11.45 Uhr] HAMM - Das war nichts. In der Region Hamm hat am Freitagvormittag eine hartnäckige Hochnebeldecke den Blick auf die partielle Sonnenfinsternis vollständig berdeckt. Dabei lag hier die Abdeckung der Sonne durch den Mond immerhin bei 76 Prozent.

Der Himmel über Hamm am Freitagvormittag. Wo ist eigentlich die Sonne...?

Mit dieser für viele enttäuschenden Erkenntnis hatte sich eine entsprechende Prognose des Deutschen Wetterdienstes vom Freitagmorgen leider bestätigt. Nur stellenweise in NRW sei überhaupt eine ganz klare Sicht auf das Himmelsspektakel gewährleistet, hatte der Meteorologe vom Dienst Malte Witt in Essen gesagt. (Klicken Sie hier für einen aktuellen Eindruck auf unserer NRW-Seite.)

Trotzdem galt die Warnung, den Blick ohne Schutzbrille nicht nach oben zu richten, um Augenschäden durch Strahlung zu vermeiden. Diese Brillen aber waren kurzfristig nicht mehr zu bekommen. Deshalb durften viele Schul- und Kindergartenkinder am Freitagvormittag bis zum Ende des Schauspiels gegen 12 Uhr nicht ins Freie.

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Unser Vorbericht zum Nachlesen:

„Wir hätten gerne Schutzbrillen gehabt, es gab aber keine mehr“, berichtete ein Lehrer der Albert-Schweitzer-Schule in Bockum-Hövel. Auch während der Pausenzeit werden die Kinder deshalb im Gebäude bleiben. Wie berichtet, hatte die Bezirksregierung Arnsberg den Schulen mitgeteilt, dass keine unmittelbare Beobachtung der Sonnenfinsternis ohne geeigneten Sonnensichtschutz erfolgen dürfe. Die Lehrkräfte hätten aktiv Aufsicht zu führen. Aus diesem Grund werden in zahlreichen Schulen die für heute geplanten Außen-Aktionen im Rahmen des Frühjahrsputzes auf 8 Uhr vorverlegt.

Brille und Einverständniserklärung

Nicht nur an der Lessingschule hatten alle Schüler und Lehrer eine Schutzbrille...

Ganz anders sollte der Vormittag an der Konrad-Adenauer-Realschule in Berge verlaufen. Ein Optiker aus Rhynern hat die Schule mit 600 Schutzbrillen zum Selbstkostenpreis ausgestattet. Ab 9.30 Uhr durften alle, die neben einer Brille auch eine Einverständniserklärung der Eltern haben, raus auf den Schulhof. Hier wird dann das zuvor im Unterricht besprochene Phänomen der Sonnenfinsternis vertieft und – bei gutem Wetter – live erlebt. Nicht ganz so viele Brillen hat der Förderverein der Theodor-Heuss-Schule in der Mitte geordert. Hier gibt es pro Klasse eine Brille, die Kinder werden nacheinander einen Blick durchs Fenster werfen.

"Wir haben keine Sonnenfinsternisbrillen"

Angesichts der zahlreichen Anfragen von Eltern und Schulen klebte am Donnerstag bei Optik Schepers in der Innenstadt ein Zettel im Schaufenster: „Wir haben keine Sonnenfinsternisbrillen“. Bei der letzten totalen Sonnenfinsternis 1999 war man auf 500 Brillen sitzengeblieben, deshalb hatte man jetzt keine geordert. Doch diesmal war die Nachfrage offensichtlich größer – auch bei Optiker Bode im Martin-Luther-Viertel. 150 Exemplare gingen hier laut Mitarbeiterin Mariam Amoeva über die Ladentheke. Zudem gab es allein gestern Vormittag etwa 60 telefonische Anfragen, tags zuvor rund 200. Rechtzeitig gekümmert hat sich ein Vater der Kita Grashüpfer in Berge. Übers Internet wurden 100 Brillen besorgt, die Über-Dreijährigen dürfen deshalb bei Okay der Eltern nach draußen.

Schulkinder basteln Lochkamera

Aber es geht auch ohne Brille: An der Schule im grünen Winkel in Ostwennemar wurde gestern fleißig gebastelt – und zwar eine so genannte camera obscura, eine Lochkamera.

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Dabei handelt es sich um einen lichtdichten Kasten mit einem Loch auf der Vorderseite. Auf der Rückwand erscheint ein auf dem Kopf stehendes Abbild von dem, was sich vor der Kamera befindet. Das LWL-Museum für Naturkunde in Münster verbreitete gestern folgenden Tipp für kurzentschlossene Sofi-Hingucker: „Bohren sie ein etwa stecknadelgroßes Loch in ein Stück Pappe. Legen sie ein weißes Blatt Papier auf den Boden. Die Pappe während der Sonnenfinsternis etwa einen Meter über den Boden halten, so dass der Sonnenstrahl durch das Loch auf das weiße Blatt Papier projiziert wird.“

Stromschwankungen sind möglich

Das Schauspiel beginnt etwa um 9.30 Uhr und endet um kurz vor 12 Uhr. Bei den Stadtwerke Hamm hat man sich mit möglichen Stromschwankungsszenarien beschäftigt und die Leitstelle personell aufgestockt. „Wir gehen aber davon aus, dass nichts passieren wird“, sagte Sprecherin Angela Welge.

Nächste Chance erst 2022

Wer heute die Sonnenfinsternis nicht miterleben kann, sollte sich folgende Termine vormerken: Partielle Sonnenfinsternis am 25. Oktober 2022 und 12. August 2026. Knapp wird es für die meisten mit der nächsten totalen Sonnenfinsternis in Deutschland: 3. September 2081. Das zu erleben, wird eng. - asc/dpa

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