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Gibt es in Hamm bald ein Gasthaus für Wohnungslose?

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Von: Frank Osiewacz

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Armut in Hamm: Einige Menschen leben offen auf der Straße. Unter anderem der Verein Humanitas fordert, dass es für sie eine Anlaufstelle in der Stadt geben sollte.
Armut in Hamm: Einige Menschen leben offen auf der Straße. Unter anderem der Verein Humanitas fordert, dass es für sie eine Anlaufstelle in der Stadt geben sollte. © Reiner Mroß / Digitalfoto

Demnächst könnte es in Hamm ein „Gasthaus“ für Obdachlose geben. Gespräche mit einem potenziellen Träger laufen bereits.

Hamm – Sie war gekommen, um sich den Humanitas-Laden anzuschauen, den Mitarbeitern zu danken und ihre Wertschätzung auszudrücken. Doch am Ende wurde aus dem Besuch von Bezirksbürgermeisterin Stefanie Baranski im Ladenlokal von Humanitas mehr als ein Händeschütteln. Drängende Themen wurden berührt, die Obdachlosigkeit in der Stadt, die Hilfen für die, die wenig haben.

Baranski übergab Humanitas 500 Euro aus dem Budget der Bezirksvertretung Mitte. Denn diese konnte nicht alles für die vorgesehenen Zwecke ausgeben, der Grund war wie im Vorjahr die Pandemie. Neben Humanitas werden die Franziskusküche und die Bahnhofsmission mit jeweils 500 Euro bedacht. „Wir wissen, dass es nicht allen gut geht“, sagte Baranski. „Das Geld ist hier gut angelegt.“

„Gasthaus“ für Obdachlose in Hamm: Gespräche mit potenziellem Träger

Kritiklos ließ das Team von Humanitas die Bezirksbürgermeisterin nicht ziehen. Der Verein ist täglich Anlaufstelle von finanziell schwächer gestellten Menschen und von Wohnungslosen. „Die Stadt bewegt sich mit ihren Hilfen zu wenig“, sagte Werner Kaßen, Vorsitzender von Humanitas. Er forderte erneut eine Übernachtungsstelle für Obdachlose in der Innenstadt. Auch eine Betreuung solle es dort geben.

Und das könnte es tatsächlich demnächst geben. Aktuell wird Wohnungsnotfallhilfekonzept fortgeschrieben, mehrere politische Ausschüsse diskutieren darüber. Darauf wies Baranski hin. Außerdem sind Hilfen für die Wohnungslosen- und Drogenszene geplant, etwa ein Hygiene-/Drogenkonsumraum. Dazu gehöre auch ein „Gasthaus“. Es könnte möglichst nah am Bahnhof gefunden werden. Derzeit laufen Gespräche mit einem potenziellen Träger. Er verfüge über eine Immobilie, sagte Baranski.

Das „Gasthaus“ soll eine Anlauf- und Übernachtungsstelle sein. Die Menschen sollen dort eine Betreuung haben, in der sie an die zuständigen Stellen im Hilfenetzwerk vermittelt werden. Auch so etwas wie eine Tagesstruktur sollen sie vorfinden. Aufgrund der laufenden Gespräche blieb der mögliche Standort und Träger ungenannt.

Unterkunft an Dortmunder Straße „schlecht erreichbar“

Die Stadt hatte jahrelang an dem aktuellen Standort der Obdachlosenunterkunft festgehalten, sie befindet sich an der Dortmunder Straße. Nun findet ein Umdenken statt. Die Unterkunft an der Dortmunder Straße sei zu schlecht erreichbar, hieß es beim Humanitas-Termin.

Der Aktionsplan der Stadt sieht auch eine – bisher nicht klar definierte – Aufstockung in der aufsuchenden Sozialarbeit vor. Hier fordert vor allem Die Linke seit Jahren deutlich mehr Personal.

Zudem wies Kaßen von Humanitas auf die Toilettenfrage in der Straßenszene hin. Menschen verrichteten ihre Notdurft irgendwo im öffentlichen Raum. „Das ist ein Zustand, der nicht haltbar ist“, sagt so Kaßen. Bürger hätten das in der Vergangenheit immer wieder bemängelt. Geändert habe sich wenig. Baranski sicherte zu, die Anregungen mit ins Rathaus zu nehmen.

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