Nach dem Lockdown

"Absolut diskriminierend": Arbeitsloser bei Poco abgewiesen - Möbelhaus reagiert auf Vorwurf

[Update] Nach dem langen Lockdown freuen sich viele Händler, dass sie wieder Kunden empfangen können. Allerdings wird scheinbar nicht jeder Kunde gerne bedient. Diese Erfahrung machte jetzt Peter M.*. Jetzt hat der Konzern reagiert.

  • Arbeitsloser wird im Möbelhaus nicht bedient
  • Poco-Mitarbeiter verweist ihn unüberhörbar des Geschäfts
  • Inzwischen hat sich Poco entschuldigt

Hamm/Bergkamen – Nachdem ein 44-jähriger Arbeitsloser aus Hamm trotz gültigem Auftragsschein für seinen Möbelbedarf bei Poco in Bergkamen abgewiesen worden war, hat sich das Unternehmen mittlerweile entschuldigt. "Mit Poco ist alles geklärt. Der Geschäftsführer und auch die Mitarbeiter haben sich ausführlich entschuldigt. Damit ist die Sache für mich abgehakt", sagte der Mann, als er sich am Mittwoch in der Redaktion meldete. 

Er könne jetzt auch besser verstehen, warum er zunächst abgewiesen worden war. Demnach habe die nötige Zeit gefehlt, um den Auftragsschein vom Jobcenter in Ruhe abzuarbeiten, weil das Geschäft an dem Tag erstmals nach dem Corona-Shutdown geöffnet hatte.

"Wir wurden an dem Tag förmlich überrannt. Uns war es wichtig, dass wir diese unangenehme Angelegenheit aus der Welt geschafft haben und alles in Ruhe mit dem Kunden geklärt haben. Kundenzufriedenheit ist uns unglaublich wichtig", erklärte Marktleiter Markus Blacha auf WA-Anfrage.

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Der 44-jährige Arbeitslose war kürzlich mit seinem dreijährigen Sohn wieder zurück nach Hamm (NRW) gekehrt, weil er hoffte, in seiner Heimatstadt schnell wieder einen Job zu finden. Schließlich versprachen seine Eltern, die Betreuung ihres Enkels zu übernehmen.

Eine kleine Wohnung für Vater und Sohn war schnell gefunden und das Kommunale Jobcenter hatte auch die finanziellen Mittel für eine Erstausstattung bewilligt. „Dafür haben wir einen Rahmenvertrag mit dem Möbeldiscounter Poco geschlossen“, erklärt Pressesprecherin Heike Nowak. Im Gespräch mit Peter M. wurde der Bedarf für ihn und seinen Sohn ermittelt. Der 44-Jährige machte sich mit einem Auftragsschein am Montag, 4. Mai, auf zu Poco nach Bergkamen.

Diskriminierung bei Poco: Rabatt-Aktion führt zu Ablehnung des Arbeitslosen

Dort allerdings wies man ihn ab. An dem Tag lief gerade eine 20-Prozent-Aktion in dem Möbelhaus von Poco und Peter M. als Klient des Jobcenters sei davon ausgeschlossen. Er solle wieder nach Hause fahren, sagte ihm ein Kundenberater. „Und das nicht dezent, sondern so, dass es fünf, sechs Kunden in der Nähe mitbekamen“, ärgert sich der Hammer.

Zu Recht, sagt Heike Nowak: „Zu sagen, Sie werden nicht bedient, weil Sie vom Jobcenter kommen, ist absolut diskriminierend.“ Obendrein hätte Peter M. persönlich ja gar nicht von der 20-prozentigen Ermäßigung des Poco-Möbelhauses an dem Tag profitiert, sondern das Jobcenter hätte weniger bezahlen müssen.

Nach Diskriminierung eines Arbeitslosen: Poco-Personal geschult 

„Unsere Kooperationspartner bei Poco haben eingeräumt, einen Fehler gemacht zu haben“, sagt Nowak, die nach einem Anruf des WA mit Poco in Bergkamen Kontakt aufgenommen hatte. Dort habe man ihr zugesagt, dass die Mitarbeiter im Umgang mit Kunden des Jobcenters noch einmal geschult werden und künftig diskreter vorgehen sollen. Denn natürlich, so Nowak, hätte Peter M. bedient werden müssen.

Und auch das Jobcenter korrigierte einen Fehler, den der 44-Jährige hätte ausbaden müssen: Auf der ursprünglichen Auftragsliste stand zwar ein Küchenunterschrank mit Spüle. Die dazu passende Armatur samt Siphon jedoch hätte der Arbeitslose aus Hamm selbst zahlen sollen.

Arbeitsloser aus Hamm aus Poco geworfen - Änderungen der Einkaufsliste

Das brauchte Peter M. bei seinem zweiten Besuch bei Poco dann doch nicht, die entsprechenden Kreuzchen waren auf dem neuen Auftragsschein gesetzt. Dass er ein Gerät zum Ausstanzen des fehlenden Abflusslochs der Spüle selber bezahlen musste, war ihm dann schon fast egal.

Schließlich durfte er immerhin den bewilligten Kleiderschrank gegen eine Kommode und die vorgesehene Gardine gegen ein Verdunklungsrollo eintauschen – was vorher ausgeschlossen erschien.

Bisher keine Entschuldigung von Poco beim Arbeitslosen

So freut sich Peter M., dass beim zweiten Einkaufsversuch bei Poco doch alles geklappt hat. Auch das Jobcenter hat nachträglich vom eigentlich nur bis Montag geltenden 20-Prozent-Rabat profitiert. Alles in Ordnung also? „Nein“, sagt Peter M.. „Auf eine Entschuldigung von Poco dafür, dass ich am Montag unberechtigt abgewiesen wurde, warte ich noch heute.“

* Name ist der Redaktion bekannt

Rubriklistenbild: © WA-Archiv

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