Wie der "Fall der Berliner Mauer"

Graffitis an Lärmschutz legal? Eindeutige Antwort der Bahn - Sprayer jubeln

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Die Graffiti-Künstler jubeln: Es ist offensichtlich möglich, die Lärmschutzwände legal zu besprühen.

Graffitis haben keine Auswirkungen auf den Schallschutz und deshalb würden sie so gut wie nie entfernt. Diese Aussagen einer Bahn-Sprecherin zu einem Fall in Hamm veranlassen nun Sprayer dazu, ein neues Recht abzuleiten, die oft schnöden Elemente zu "verschönern".

  • In Hamm haben Sprayer Schallschutzwände nahe eines Bahnhofs mit Graffitis beschmiert.
  • Die Deutsche Bahn äußerte sich mit einer interessanten Aussage zu dem Fall.
  • Die Berichterstattung schlug bis nach Berlin Wellen: Die Sprayer jubeln.

Heessen – Graffiti an den noch nicht mal fertig aufgestellten Schallschutzwänden nahe des Heessener Bahnhofs: Diese Berichterstattung löste in Berlin ein Beben aus. Jurij Paderin, sprühender Künstler aus Berlin, freute sich so sehr über die Aussage eine Bahnsprecherin, dass eine Bemalung keine Folgen für die Schallschutzwirkung der Wände habe, dass er ankündigte: „Das ist für uns wie der Fall der Mauer 1989.“

Der Graffiti-Künstler und Workshop-Leiter aus der Hauptstadt bat per Mail darum, eine Aussage der Bahnsprecherin zu bestätigen: „Da die Entfernung extrem aufwendig und kostenintensiv sei und Graffiti keine akustischen Auswirkungen auf das hochabsorbierende Lärmschutzelement haben, könnte die Bahn das nur in wenigen Fällen umsetzen.“ Das hatte der WA im Zusammenhang mit den am Heessener Bahnhof aufgetauchten Graffiti berichtet.

Sprayer an der Bahn: Sind Graffitis an Lärmschutz legal?

Eine Nachfrage bei der Sprecherin – und ja, der WA hatte sie korrekt zitiert. Was Paderin damit verbindet, sagte er am Telefon: Wenn das so sei, hieße das, dass Graffiti-Künstler bundesweit Schallschutzwände als Leinwand nehmen dürften. Er stehe sowieso häufig in Kontakt mit der Bahn und werde das klären. Offenbar tat sich vor seinem geistigen Auge ein gigantisches – legales! – Beschäftigungsfeld auf, für ihn und viele andere Künstler.

Stadt und Bürger für Gestaltung verantwortlich

Die Sprecherin der Bahn hingegen bleibt gelassen. Vor Aufstellung der Schallschutzwände könne deren Gestaltung innerhalb des Planfeststellungsverfahrens seitens der Stadt festgelegt werden. Ob die Stadt Hamm das getan habe, wisse sie nicht. So, wie die Wände aussehen, scheint die Stadt dort aber keine Wünsche geäußert zu haben.

Die Farbe ist jedoch nicht in Stein gemeißelt, und in der Regel gehen solche Anregungen auf Initiativen von Bürgern zurück. „Eine Änderung der Gestaltung, beispielsweise durch eine Bemalung, wird nicht von der Bahn finanziert, ist aber grundsätzlich vorstellbar“, teilt die Bahnsprecherin mit, allerdings gebe ein paar Voraussetzungen.

Die Voraussetzungen

  • Es muss eine Vorlage erstellt werden.
  • Die Stadt muss der Vorlage zustimmen.
  • Die angrenzende Nachbarschaft muss der Vorlage zustimmen.
  • Die Gestaltung muss durch die Bürgerinitiative visuell vorgestellt werden.
  • Der Anlagenverantwortliche muss der Vorlage zustimmen.
  • Und: Die Farben müssen spezielle Eigenschaften haben.

„Unter diesen Bedingungen stehen wir Projekten offen gegenüber, die städtebauliche Verbesserungen zum Ziel haben“, so die Sprecherin der Bahn, „das Einverständnis von Anwohnern und Stadt sowie eine solide Finanzierung muss jedoch gesichert sein.“ Denn der Deutschen Bahn ständen für solche Projekte leider keine Mittel zur Verfügung.

Bei einer riesigen - legalen - Graffiti-Aktion haben mehr als 40 Sprayer eine Ziegelsteinmauer in Hamm verschönert. Dass nicht immer Kunstwerke durch die Farbe aus Spraydosen entstehen, zeigt ein Fall aus Rünthe. Dort ist eine nagelneue Aussichtsplattform beschmiert worden - mit einer Liebesbotschaft.

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