Prozess

Schwangere in Hamm erstochen: Noch ein Vorwurf auf dem Tisch

Spurensuche am Morgen nach dem Tötungsdelikt im Hammer Süden.
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Spurensuche am Morgen nach dem Tötungsdelikt im Hammer Süden.

Der Prozess gegen den 24-jährigen Bergkamener, der am Schillerplatz seine schwangere Freundin erstochen haben soll, biegt langsam auf die Zielgerade ein. Etwas Wichtiges wollten die Richter aber unbedingt vorher noch loswerden.

Dortmund/ Hamm/Bergkamen – Der Vorsitzende Richter Thomas Kelm erteilte dem Angeklagten am jüngsten Verhandlungstag am Freitag einen sogenannten rechtlichen Hinweis, in dem er ihn darüber informierte, dass er im Fall einer Verurteilung nicht allein wegen Totschlags bestraft werden könnte. Es komme in Betracht, dass sich der 24-Jährige auch wegen Schwangerschaftsabbruchs strafbar gemacht haben könnte, so Richter Kelm. Die zu erwartende Strafe dürfte dadurch keinesfalls geringer ausfallen. (Hier klicken für frühere Artikel zum Thema.)

Dass der Angeklagte das Leben seiner Freundin und seines ungeborenen Kindes ausgelöscht hat, steht nach dem knappen Geständnis des Bergkameners fest. Unklar ist jedoch, in welchem Zustand sich der junge Mann am Tatabend befand.

Während vor allem seine Angehörigen den 24-Jährigen als depressiv, in sich gekehrt und an der Zurückweisung durch die Familie der Frau leidend beschrieben haben, haben andere Zeugen zuletzt ein ganz anderes Bild vom Charakter des Mannes gezeichnet. Danach ist der Angeklagte ein jähzorniger, aufbrausender Typ, der vor allem zu Eifersuchtsanfällen neigt.

Schwangere in Hamm erstochen: Brutale Tat auch in Werne

Dazu passt auch die bisher einzige Vorstrafe, die in er Akte des Angeklagten steht. Im Sommer 2019 wurde er wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer siebenmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. In einer Disco in Werne hatte er einem Bekannten dreimal mit der Faust ins Gesicht geschlagen und anschließend auch noch auf den Kopf des dann am Boden liegenden Opfers eingetreten. Grund dafür war, dass die damalige Freundin des Angeklagten den Bekannten gebeten hatte, ihren Lippenstift nachzuziehen.

Tötungsdelikt im Hammer Süden - Ermittlungen vor Ort

Großeinsatz nach Tötungsdelikt in Hamm.
Großeinsatz nach Tötungsdelikt in Hamm.
Großeinsatz nach Tötungsdelikt in Hamm.
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Tötungsdelikt im Hammer Süden - Ermittlungen vor Ort

Vor dem Urteil, das voraussichtlich im Oktober gesprochen werden soll, wollen die Richter auch noch eine weitere Ex-Partnerin des Bergkameners als Zeugin vernehmen. Auch sie soll vor allem zum Charakter und zum Wesen des 24-Jährigen befragt werden.

Es steht dabei immer noch im Raum, dass der Angeklagte zum Zeitpunkt der Messerattacke aufgrund einer psychischen Ausnahmesituation nur vermindert schuldfähig gewesen sein könnte.

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