„Zuchthaus“ im Fokus: Wie wichtig ist Rechten-Treff am Kentroper Weg?

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Beifall erntete der Vorschlag, die Stadtentwicklungsgesellschaft möge das Objekt kaufen.

Hamm - Ginge es nach dem Willen der 35 Teilnehmer, die sich jetzt über den Rechtsextremen-Treff am Kentroper Weg austauschten, dürfte es keine Frage sein, wo die Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) ihren nächsten Immobilienankauf in Hamm tätigt: eben an jenem als „Zuchthaus“ zu zweifelhaftem Ruhm gelangtem Objekt.

Eingeladen hatte zu der Veranstaltung die „Werkstadt für Demokratie und Toleranz“, und die hatte in ihrer Einladung insbesondere die Anlieger rund um das ehemalige Lokal „Davis Cup“ für die Teilnahme ansprechen wollen. Dem Ruf ins HSV-Casino folgte jedoch gerade einmal eine Handvoll der Nachbarn aus dem in der östlichen Innenstadt gelegenen Quartier. So waren es in erster Linie diejenigen Bürger und Funktionsträger, die sich seit vielen Jahren über die Machenschaften der rechten Szene in der Stadt empören und gegen sie mobil machen.

Nach dem bei Veranstaltungen dieser Art mittlerweile üblichen Vorgeplänkel – vor dem HSV-Casino hatten sich drei offenbar dem rechten Lager Zugehörige mit Kameras postiert, um die Besucher abzulichten – wartete im Innern ein Vertreter der „Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Arnsberg“ (ein Ableger der Jugendarbeit in der Evangelischen Kirche von Westfalen), um gemeinsam mit den Hammer „Werkstadt“-Mitarbeitern über die Aktivitäten der rechten Szene am Kentroper Weg und darüber hinaus zu informieren.

Rechte tricksen Hammer Linke, Polizei und Schützen aus

So wurde die These aufgestellt, dass sich das Objekt am Kentroper Weg mittlerweile zum „kulturellen Zentrum der NRW-Naziszene“ entwickelt habe. Als Beleg wurde lediglich geliefert, was die Rechten selbst über sich im Internet veröffentlich hatten: fünf Veranstaltungen in diesem und dem vergangenen Jahr – die Rede war von Vorträgen, Konzerten und „ideologischen Schulungen“, in der Regel von angeblich 50 Teilnehmern besucht. Auf behördliche Einschätzungen – etwa von der Polizei, die auf WA-Anfrage erklärte, dass es schon seit Monaten keine Vorfälle mit rechtsradikalem Hintergrund in Hamm mehr gegeben habe – wurde verzichtet.

Beifall für Kaufvorschlag durch SEG

Beifall gab es für den Vorschlag aus dem Publikum, dass die SEG das Objekt doch kaufen möge. Vorgeschlagen wurde ebenfalls, dass die Anlieger unter Wahrung ihrer Anonymität befragt werden sollten, inwiefern sie sich belästigt oder gar bedroht fühlten. Und der Vortrag über die Aktivitäten am Kentroper Weg solle in allen Bezirksvertretungen gehalten werden.

Nicht einschreiten musste die Polizei während der knapp zweistündigen Veranstaltung. Die drei rechten Fotografen, die auf dem Parkplatz vor dem Gelände in Position gegangen waren, seien von Beamten überprüft worden. Ergebnis: Niemand wurde fotografiert, in den Kameras hätten sich keine Chips befunden, erklärte ein Polizeisprecher auf WA-Nachfrage.

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