Call-Center als Job-Motor für die Hammer City

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Webhelp zieht in die City-Galerie ein und will 350 Arbeitsplätze schaffen.

Hamm - Rund 450 neue Arbeitsplätze unmittelbar in der Innenstadt und 4000 Quadratmeter Leerstand, der nun wieder bespielt wird: Innerhalb weniger Tage ließ die Wirtschaftsförderung mit der Ansiedlung der Service-Dienstleister „Webhelp“ und „Simon & Focken“ aufhorchen.

In den Sozialen Netzwerken wurde das Thema eifrig kommentiert – und das nicht nur positiv. Dahinter stecke schlicht ein Call-Center, heißt es in einem Beitrag. Outsourcing bedeute meistens, die Tarifbindung der Kunden zu umgehen, meint ein anderer Kommentar-Schreiber. Die künftigen Arbeitnehmer tummelten sich im Billiglohnsegment, schreibt der nächste. Was die Arbeitszeiten angehe, sei mit Ausbeutung zu rechnen, fürchtet ein weiterer. 

Tatsächlich findet sich im Handelsregister für die Webhelp Deutschland GmbH als Tätigkeitsfeld die „Erbringung von Call-Center- und Verbindungsdienstleistungen an Gesellschaften, Unternehmen und die öffentliche Hand“. „Call-Center ist eine der Leistungen, die wir unseren Auftraggebern erbringen können“, sagt der Standortleiter Hamm, Ingo Hammacher. Kunden-Chats oder die Betreuung von Social-Media-Plattformen seien weitere. 

Vom Versandhandel bis zum Handwerksbetrieb

Ob Telekommunikationsunternehmen, Versandhandel oder Handwerksbetrieb: Die Auftraggeber könnten weit gefächert sein. Entsprechend sei der Bedarf an Mitarbeitern. In der Entwicklungsabteilung könne es beispielsweise um das Programmieren von Chat-Robotern, also künstlichen Stimmen gehen, die dem eigentlichen Mitarbeiter vorgeschaltet sind. 

Der erste Auftraggeber in Hamm werde Webhelp voraussichtlich mit kaufmännischem und auch technischem Kundenservice und dem Bereich Social Media beauftragen, so Hammacher. Details könne er aus wettbewerbstaktischen Gründen nicht nennen. „Mir ist bewusst, dass Call-Centern mit Skepsis begegnet wird“, sagt Hammacher. „Allerdings handelt es sich in den meisten Fällen nicht mehr um die Legebatterien, für die viele sie halten.“ 

Erst Mindestlohn, dann Aufstiegschancen

Der Basiseinstieg liege zwar am Mindestlohn, die Aufstiegsmöglichkeiten seien allerdings gut. „Wenn ich mich aber nur am Mindestlohn bewege, finde ich garantiert nicht ausreichend Personal“, so Hammacher. Das suche Webhelp derzeit über die eigene Homepage und mit Hilfe von Jobcenter und Arbeitsagentur. „Die Zusammenarbeit funktioniert gut“, so der Standortleiter. 

Thema Ausbeutung und Arbeitszeit: Die Standardarbeitszeit liege im Schnitt bei 40 Stunden in der Woche, könne aber zwischen 36 und 44 variieren. Ralf Hohoff, Leiter des Oberbürgermeisterbüros und Stadtmarketing-Chef, bewertet die Ansiedlung der beiden Dienstleister als positiv für die Frequenz in der Innenstadt und damit auch für den Handel und die Gastronomie.

"Call-Center sind nichts schlimmes"

„Ein Call-Center ist nichts Schlimmes“, so Hohoff. „In diesen Fällen handelt es sich nicht um Call-Center, die per Telefon etwas verkaufen wollen, sondern um einen Dienstleister Kunden gegenüber.“ Ein Parkproblem erwartet er nicht. „Die Lage ist ideal für Pendler.“ 

Christoph Dammermann, Chef der Wirtschaftsförderung, verschaffte sich im Vorfeld einen Eindruck in der Dortmunder Zentrale von Webhelp. „Dort habe ich eine gute Arbeitsumgebung angetroffen“, sagt er. Die angekündigten Arbeitsplätze seien ein Beitrag zu mehr Urbanität. Positiv sei auch, dass zwei Flächen, die teils lange leer standen, vom Markt genommen worden seien.

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