Ungewöhnliche Geschichte auf der Hammer Südstraße

Babylon statt Hellas: Darum is(s)t der "Grieche" jetzt türkisch

+
Sami Khero (28) vor "seinem" Babylon-Grill. Bis vor wenigen Tagen war es noch "sein" Hellas-Grill. Im Hintergrund das Hammer Rathaus.

Hamm - Ein junger Gastronomen wagt in der Hammer Innenstadt einen ungewöhnlichen Schritt. Er hat dafür gute Gründe und blickt dabei auch in Richtung Rathaus, Jobcenter und Arbeitsagentur.

Was macht ein junger Iraker in einer deutschen Stadt, der mit griechischem Essen nicht satt genug wird? Er zieht die türkische Flagge auf! Diese ungewöhnliche Situation finden hungrige Hammer nun auf der Südstraße vor. Was hier augenzwinkernd formuliert ist, fußt jedoch auf gutem Grund. Und ist vor allem eine persönliche Geschichte von der Suche nach Glück und Zufriedenheit.

Mehr als 30 Jahre lang  hieß das kleine Restaurant gegenüber dem Kubus „Hellas“. Anna und Dimitrios Markou bewirteten am Standort Südstraße 43 ab 1987 freundlich und zuverlässig eine treue Kundschaft mit griechischen Gerichten. Ihr Weggang im Frühjahr 2017 hinterließ eine Lücke, die ihr Nachfolger Hethim Hassan Medour nicht füllen konnte. Trotz Vertrauensvorschuss und identischem Angebot sank die Kundenzahl. Im Sommer 2018 stieg Medour bereits wieder aus – aus „familiären Gründen“, wie es heißt.

Äußerst beliebt: Anna und Dimitrios Markou betrieben den Hellas-Grill rund 30 Jahre.

Nun also Sami Khero. Als die Markous auf der Südstraße starteten, war der Iraker noch nicht einmal geboren – doch der junge Mann übernahm das Erbe eins zu eins, um sich mit dem „Hellas“ nach zwölf Jahren in Deutschland und neun Jahren in Hamm eine Existenz und eine Grundlage für seine junge Familie zu schaffen. Sein Handwerk hatte der gelernte Gastronom zuvor unter anderem beim Döner-Imbiss im Bahnhof und bei „Le Dö“ im Allee-Center ausgeübt.

Grieche "Proto" am Markt wieder geschlossen

"Rully's Taverne" in der Mark eilig geschlossen

Ein halbes Jahr ging das mäßig gut. Jetzt, von einem auf den anderen Tag, steht plötzlich und unübersehbar ein neuer Name an der Fassade: „Babylon Grill“. Warum dieser harte Schnitt?

„Es reichte einfach nicht“, erklärt der Jungunternehmer in gutem Deutsch. Die Laufkundschaft, die sein Lokal zunehmend aufsuche, stehe einfach eher auf Döner als auf Gyros. Und Laufkundschaft habe der Standort nahe Rathaus, Jobcenter und Arbeitsagentur ja hinreichend, vor allem unter der Woche.

Hat "umgespießt": Sami Khero hinter der Theke seines Lokals.

Das Prinzip Hoffnung ist also die Triebfeder für den mutigen Schritt: Hoffnung auf mehr Umsatz und mehr Gewinn, Hoffnung auf mehr Hilfe, auf Verständnis bei den Kunden – und damit Hoffnung auf mehr Zeit für seine Frau und seine beiden kleinen Kinder. Denn die hat der 28-Jährige derzeit kaum: Er steht zumeist – unterstützt von zwei Aushilfen – von 12 bis 22.30 Uhr im Laden. Die Organisationsarbeit drumherum kommt noch obendrauf.

Außer dem Angebotswechsel habe sich eigentlich wenig geändert, erklärt der fleißige Jungunternehmer trotz allem freundlich. „Ob Gyros- oder Dönerfleisch vom Spieß – der Arbeitsalltag ist sehr ähnlich“, schmunzelt er: „Und mit türkischer Küche habe ich ja ohnehin schon viel Erfahrung.“ Allerdings ist die „Babylon“-Karte heute deutlich breiter als die „Hellas“-Karte, denn auch Gerichte wie Pizza und Schnitzel haben dort jetzt Platz.

Für Prognose noch zu früh

So kurz nach dem Neustart ist es für eine Prognose natürlich noch viel zu früh. Doch vermag sich der 28-Jährige selbst Mut zu machen. Denn die ersten Kunden-Reaktionen seien immerhin nicht negativ gewesen: „Viele sind zwar überrascht – aber sie bleiben trotzdem zum Essen da oder nehmen es mit.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare