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„Südstern“-Pleite: Käufer der Wohnungen sollen erneut zahlen

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Von: Frank Osiewacz

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Steht der „Südstern“ vor dem Verkauf?
Steht der „Südstern“ vor dem Verkauf? Ein Angebot liegt vor, aber nicht alle betroffenen Anleger sind davon begeistert. © Reiner Mroß

Ein Komplex aus Luxus-Eigentumswohnungen sollte der „Südstern“ eigentlich werden. Die Käufer könnten aus dem Insolvenzverfahren nicht nur ohne Besitz, sondern auch mit hohen Verlusten herausgehen.

Hamm - Der „Südstern“ an der Werler Straße im Hammer Süden war bereits erloschen, bevor er überhaupt zu strahlen begann. Das Strahlen ist auch den 11 Käuferparteien von 14 Wohnungen längst vergangen, denn aus dem laufenden Insolvenzverfahren drohen sie nicht nur ohne Wohnung, sondern auch mit hohen Verlusten herauszugehen.

Am 26. Juli wurde das Insolvenzverfahren über die FinanzHyp GmbH aus Hamm eröffnet. Hinterlassenschaft der einstmals hoch fliegenden Gesellschaft und deren Ex-Geschäftsführer ist unter anderem der unfertige „Südstern“ an der Werler Straße 9-11. Immobilien an der Tannenbergstraße in Westtünnen und ein Objekt in Beckum sind ebenfalls Gegenstand des Verfahrens.

Für die Käufer an der Werler Straße hat sich inzwischen herauskristallisiert, wohin die Reise gehen soll. In einem Schreiben des Insolvenzverwalters an die Parteien vom 6. September (liegt unserer Zeitung vor) empfiehlt dieser den Verkauf der Liegenschaft an einen Investor und die Auszahlung der Wohnungskäufer.

„Südstern“-Pleite in Hamm: Potenzielle Investoren winken ab

Die Überleitung der Verträge an einen neuen Bauträger oder die Beauftragung eines neuen Generalunternehmers durch den Insolvenzverwalter scheide wohl aus. Angesichts bei Vor-Ort-Terminen festgestellter „zahlreicher Mängel“ und der rechtlichen und wirtschaftlichen Gemengelage hätten potenzielle Investoren abgewunken.

Bis auf einen – und auf diesen scheinen Insolvenzverwalter und die Sparkasse Beckum-Wadersloh als finanzierende Bank jetzt zu bauen. Zwar liegt das Angebot deutlich über den knapp 1,7 Millionen Euro an Abschlägen, die die Käufer pro Bauabschnitt zusammen auf das für den Bau bestimmte Treuhandkonto bei der Sparkasse einzahlten, doch der Kreditbetrag des alten Bauträgers wiederum übersteigt wesentlich die jetzt gebotene Summe. Die Unterdeckung läge bei rund 800.000 Euro. 20 Prozent (162.000 Euro) davon sollen die Käufer tragen, 80 Prozent die Bank. Von den gezahlten Abschlägen sollen die Käufer rund 90 Prozent (zusammen rund 1.525.000 Euro) erhalten. Dafür werden ihre Eigentumsvormerkungen im Grundbuch gelöscht.

Strafrechtliches Verfahren „FinanzHyp“

Parallel zum laufenden Insolvenzverfahren ermittelt die Staatsanwaltschaft Dortmund gegen vier Personen, die in Zusammenhang mit der FinanzHyp GmbH stehen. Dabei handelt es sich um den ehemaligen Geschäftsführer, dessen Ehefrau, den jetzigen Geschäftsführer und eine weitere Person, die in der Vergangenheit in einem Netz von Gesellschaften agierte und im Zusammenhang mit der FinanzHyp GmbH stand. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Dortmund mitteilte, wurden mehrere Verfahren verbunden: Ermittelt wird wegen Betruges, Geldwäsche und Verschleierung unrechtmäßig erworbener Vermögenswerte. Momentan beschäftigt sich die Wirtschaftsabteilung der Staatsanwaltschaft mit den Vorgängen.

„Südstern“-Pleite in Hamm: Meinungen unter Käufern geteilt

Die Meinungen unter den Käufern sind geteilt: Während einige lieber ein schnelles Ende mit Schrecken als einen Schrecken ohne Ende hätten, sehen andere das Angebot kritisch. Sie fordern beispielsweise eine 100-prozentige Rückzahlung der Abschläge und sehen sich damit rechtlich auf der sicheren Seite.

Verluste im mittleren fünfstelligen Bereich befürchtet einer der Käufer. Die Darlehen bei den jeweiligen Hausbanken müssten weiter bedient werden, und bei Nichtabrufen würden Strafen fällig. Einige haben Abschläge zudem auf ein nicht dafür vorgesehenes Konto eingezahlt. Sie sind doppelt betroffen und bangen zusätzlich noch um dieses Geld. Eine Stellungnahme des Insolvenzverwalters war trotz schriftlicher und mündlicher Anfrage nicht zu bekommen.

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