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Stalking im Allee-Center: Polizist spricht von „großer Angst“

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Von: Martin von Braunschweig

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Protestaktion: Der Handel leuchtet rot, auch das Allee-Center in Hamm.
Über Monate machte ein Stalker das Allee-Center zu einem „Tatort“. © Allee-Center (Archiv)

Über Monate hinweg soll ein psychisch kranker Stalker in Hamm die Mitarbeiterin eines Bekleidungsgeschäfts im Allee-Center verängstigt haben. Ob die Frau im Prozess vor dem Dortmunder Landgericht als Zeugin aussagen muss, steht noch nicht fest. Die Richter würden sie gerne schützen.

Dortmund/ Hamm – Laut Staatsanwaltschaft soll der 36-jährige Beschuldigte die Frau zum Teil mehrmals täglich an ihrem Arbeitsplatz aufgesucht haben. Mal bekundete er ihr dort angeblich seine große Liebe. Bei anderen Besuchen soll er die Frau mit merkwürdigen Geschenken wie Holzketten, Brot oder Schwarzkümmel bedacht haben.

An all diese Szenen hat der Mann aber anscheinend nur noch wenige Erinnerungen. „Meine Krankheit hat dafür gesorgt, dass ich offenbar Menschen gestört habe, die ich eigentlich gar nicht kenne“, sagte er am Montag vor Gericht aus.

Stalking im Allee-Center Hamm: Frau soll geschützt werden

Wie sehr er mit seinen Nachstellungen das Leben der Verkäuferin beeinträchtigt hat, wurde bei der Vernehmung eines Polizeibeamten deutlich. Der Zeuge hatte zwischen Juni und September 2019 fast täglich mit dem Beschuldigten zu tun. „Immer wieder wurden wir zum Einsatz ins Allee-Center gerufen“, erinnerte er sich.

Die betroffene Frau habe ihm dabei mehrfach geschildert, dass sie große Angst vor dem 36-Jährigen habe. „Für sie war diese Situation mit Sicherheit gefährlich“, sagte der Polizist. „Sie hat erzählt, dass sie Angst hat, wenn sie ins Allee-Center fährt und dass sie abends eigentlich kaum noch aus dem Haus geht.“

Dass die Richter den Beschuldigten wegen des Stalking-Vorwurfs für unbestimmte Zeit in eine geschlossene psychiatrische Klinik einweisen, ist so gut wie ausgeschlossen. „Da fehlt es sicherlich an der Gefährlichkeit für die Allgemeinheit, und die müssen wir für eine solche Maßregel feststellen“, sagte die Vorsitzende Kerstin Paschke am Montag.

Aus diesem Grund ist auch noch unklar, ob die Frau aus dem Modegeschäft überhaupt als Zeugin vernommen werden soll. Eigentlich könne man ihr die erneute Konfrontation mit dem Beschuldigten ersparen, hieß es am Montag.

Stalking im Allee-Center Hamm: Zahlreiche weitere Vorwürfe

Allerdings werden dem Beschuldigten in dem Prozess ja noch zahlreiche weitere Vorwürfe gemacht. Von Rangeleien mit Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes im Allee-Center ist dabei die Rede. Von Ladendiebstählen und einem Vorfall, bei dem der Mann eine ihm unbekannte Frau auf der Straße mit einem Messer bedroht haben soll.

Zu diesen Anschuldigungen hat der wohl seit Jahren an einer paranoiden Schizophrenie leidende Mann jedoch eine klare Meinung: „Das stimmt alles nicht.“ Hier machte er auch keine Erinnerungslücken geltend, sondern legte sich fest: „Ich habe niemanden mit einem Messer bedroht.“

Der Prozess wird fortgesetzt.

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