Stadt greift ein

Schimmel-Streit nach Feuer im Hammer Westen

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Dass es hier gebrannt hat, lässt sich an der Fassade noch erkennen. Die Mieter im Erdgeschoss klagen über Schimmelbildung durch das Löschwasser. Der Vermieter vermutet eher falsches Lüftungsverhalten.

Hamm-Westen - Man merkt es sofort, wenn man die Wohnung von Birgit Kampmann betritt: Es riecht muffig, es ist deutlich zu feucht. „Schimmel“, sagt die 57-Jährige. Weil nach einem Brand Löschwasser in den Wänden versickert sei. Darüber wird jetzt heftig gestritten.

Kampmann wohnt mit Tochter und dem fünfjährigen Enkelkind in einem Mietshaus im Westen. Eigentlich gerne, sagt sie. Bis zum 2. Januar, als es nachts brennt. Die Familie rettet sich, die anderen Hausbewohner auch, die Feuerwehr hat den Brand schnell unter Kontrolle. Die Polizei vermeldet am folgenden Tag einen Kurzschluss und 100.000 Euro Sachschaden.

In den Ecken ist der Schimmel noch sichtbar.

Die oberen Etagen sind durch Rauch und Löschwasser unbewohnbar, doch die Kampmanns dürfen sofort zurück in ihre Räume. Nach einigen Wochen habe man sich über den muffigen Geruch gewundert, sagt Kampmann. Als sie mit der Tochter die Möbel von den Wänden gerückt habe, sei dort alles voller Schimmel gewesen. Die Frauen zeigen Fotos von schwarzen, gelben und grünen Flecken. Küche, Bad, Schlaf- und Kinderzimmer seien betroffen, nur das Wohnzimmer sei schimmelfrei. Dort, sagt sie, schliefen die drei seitdem. Das Enkelkind sei jetzt ständig krank.

Einen ausführlichen Briefwechsel mit Anwälten, Ärzten, Stadt und Vermieter hat Birgit Kampmann geführt.

Dass der Vermieter den Schimmelbefall beseitigen müsste, war für Birgit Kampmann völlig klar. Doch der Mann, der hier nicht namentlich erwähnt werden möchte, sah das ganz anders. Ein Versicherungsgutachter stellte nur kleine Wasserspuren an den Wänden und keine erhöhte Feuchtigkeit fest, stattdessen von den Mietern fehlerhaft angebrachte Tapeten. Ein schwarzer Fleck an einer, so der Vermieter, sei auf fehlerhafte Luftzirkulation zurückzuführen – Möbel müssten eben einen ausreichenden Abstand zur Wand haben. Es folgten Protestschreiben, Anwälte wurden eingeschaltet.

Und dann kam die Stadt ins Spiel: Kampmann wandte sich ans Stadtplanungsamt. Seit 2014 gilt in Nordrhein-Westfalen ein Wohnungsaufsichtsgesetz, das Kommunen in die Lage versetzt, in Fällen vernachlässigter Wohnungen einzuschreiten. 20 bis 40 Fälle gebe es jedes Jahr, sagt ein Stadtsprecher. Meistens gehe es um Schimmel. Bußgelder würden durchschnittlich aber nur ein oder zweimal pro Jahr verhängt, meist ließe sich alles einvernehmlich regeln.

Beim Ortstermin maßen die städtischen Kontrolleure deutliche Feuchtigkeitswerte, wie aus städtischen Unterlagen hervorgeht. Und sie legten sich laut Stadtsprecher fest: Das komme vom Löschwasser. Der Vermieter schickte die Maler los, die Flächen wurden eingesprüht und überstrichen.

Für die Stadt hat der Vermieter seinen Teil zunächst erfüllt. Für Kampmann nicht: Sie sagt, der Schimmel sei noch da, und hat auf Anraten der Anwälte die Miete gekürzt. Sie wolle so schnell wie möglich ausziehen. Doch die Wohnungssuche sei schwierig.

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